Sonntag, 20. November 2016

Ewigkeitssonntag





Maria Wandelt

Zu Spät

Alle späten Blumen möchte ich binden,
daß das Zimmer überschäumt von Blüten,
eh' ich muß erfrorne, tote finden,
denn mein Herz klagt um des Sommers Tod.
Und kann nimmer ihre Schöne hüten
vor dem Nebel und der kalten Not.

Alle Sonnenstrahlen möcht' ich trinken
und verwehen dann im Sommerwind,
eh die Blätter tot im Reife sinken -
welkt die Schönheit schon in dieser Nacht?
Möcht noch einmal sein wie einst als Kind,
das im Lichte spielt, im Lichte lacht.

Allzu herb war meine Sommerzeit.
Fand' das Glück und hab' es doch versäumt.
Trage nun der Reue Bettelkleid.
Herbstwind streut mir schon sein blasses Gold.
Wieviel Leben habe ich verträumt,
nie war Wirklichkeit mir heiß und hold.

Nun am Weg nur noch die Grillen schrillen,
müder Duft weht aus dem Wiesengraben.
Samen fliegen voller Werdewillen.
Sonnenstrahlen gütig heut' noch walten.
Ach, wie viele Blumen wollt' ich haben,
um den Sommer noch einmal zu halten.

nachgetragen am 22. November

Kommentare:

naturgesetz hat gesagt…

Those pictures are amazing. I don't think I've ever seen flowers and leaves with frost borders like that.

Walter A. Aue hat gesagt…

Ja, sehr schoene Bilder!
Rauhreif hat mich schon immer als menschlich angemutet. Das ist der Herbst...

MartininBroda hat gesagt…

@naturgesetz Well the pictures were just memories, but fitting, in general and special and to the poem. Please forgive me my late reply.

MartininBroda hat gesagt…

@Prof. Aue Das war noch in Broda. Und inzwischen hat man so ein Gefühl für Vergänglichkeit und Schönheit bekommen, das ist ganz merkwürdig, und man mag eigentlich kaum darüber sprechen.