Sonntag, 21. September 2014

Sonntag & (fast noch pünktlich)


Ich habe früher einmal einen sentimentalen Roman zu schreiben versucht, voll von Idylle und anrührenden Begebenheiten, Duisendonck hieß die Dame, erinnere ich mich, aber es war am Ende nicht zumutbar. Warum ich das erwähne, nun meine kleinen Beiträge unter der "Sonntags-Rubrik" hier scheinen irgendwie deren Stelle eingenommen zu haben, dabei ist es mit der Idylle doch eine hoch komplizierte und mitunter auch irreführende Angelegenheit; wie auch immer.


Von gewisser Seite wurde erneut sehr energisch nach etwas “Herzhaftem“ gerufen, wahlweise Ente oder Kotelettbraten (was daran „herzhaft“ sein soll, erschließt sich mir zwar nicht besonders, aber dieser Umstand bereitet auch nicht unbedingt Seelenpein). Es wurde ein Krustenbraten, gewissermaßen mit der linken Hand zubereitet.

Eine Frau v. G., die ich vor Zeiten endlich als „familienbefreundet“ angenommen habe, beglückte mich jüngst mit einer Menge von getrocknetem wildem Majoran, nach ihren Worten. Also tat ich etwas charakteruntypisches, ich verwendete das Zeug, blind vertrauend, daß es genau das wäre.

Genauer gesagt, habe ich erst Zwiebeln angeschmort, dahinein Rosmarin, Thymian und besagtes Zeug (was auch sonstwas hätte sein können) dazugeworfen, dann das Stück vom Schwein (gesalzen und gepfeffert natürlich) hinzugetan und mit etwas Sud zugedeckt in den Ofen expediert. Nach einer Stunde wurde es leicht mühsamer, denn der Deckel des Bräters entschwand und das Trum mußte regelmäßig mit dem Bratensaft übergossen werden.



Wer es mag, mag es. Unsere hochbetagte Nachbarin jedenfalls, die wieder einmal zufällig hereinschneite, wollte zwar nichts davon haben, weil sie schon Stunden zuvor gegessen hatte, aber ich konnte zuschauen, wie ich in ihrer Achtung emporstieg. Halt, von den Bohnen wollte sie denn doch etwas nehmen (in aufgekochtem Bohnenkraut gegart und anschließend mit brauner Butter übergossen). Der Effekt war - man nehme den vorigen Satz. 

Irgendetwas hatte den Bratensud übrigens schauerlich sauer gemacht, ob die Zwiebeln, das ominöse Gewürz, ich habe wirklich keinerlei Ahnung, aber etwas alter Honig hat alles wieder hinreichend ausbalanciert. 



Der Kontrast von den Katzen, die sich einige Tage zuvor in der Sonne räkeln, hin zu der dämmrigen Stimmung der Schluß-Bilder gibt den derzeitigen Wetterumschwung wieder: Ein Blick aus dem Tiergarten durch das Hirschtor und dann auf den Luisentempel - Zeugnisse einer kleinen Ausflucht am Sonntag-Abend. Und ich durfte sogar noch ein wenig den Fremdenführer geben, unfreiwillig; nett irgendwie. Wie schnell man doch den "souveränen" Sachwalter von etwas zu geben vermag, das einem eben erst "zugeflogen" ist.



Text folgte am 23. September

Kommentare:

DirkNB hat gesagt…

Wie viele Romane gibt es in der Welt und wie viele, die auf ihren 300 oder 500 Seiten auch nicht mehr erzählen als in deinem Text steht und in den illustrierenden Bildern?
Wie schrieb doch auch schon der bekannte Dichter, Musiker und Philosoph:
In nur vier Zeilen was zu sagen,
erscheint zwar leicht, doch es ist schwer!
Man braucht ja nur mal nachzuschlagen:
die meisten Dichter brauchten mehr... (Heinz Erhardt)

Wenn die Kruste nur so knusprig war, wie sie aussieht, wäre die Floskel, etwas so zu mögen, dass man sich hineinlegen würde, unpassend, zerkratze sie dann wohl diverse Epidermien bei der Berührung. So erfreue ich mich nur am Anblick und nehme zum wiederholten und ungezählten Mal den Plan auf: Sowas muss ich auch mal wieder machen ...

MartininBroda hat gesagt…

Das ist nett gesagt. Ich habe mich übrigens kürzlich wieder mal ausgedehnt durch die Blogwelten des Herrn Pohlmann gekämpft (eigentlich war ich zunächst nur auf der Suche nach einer Titelliste für die letzte Sonntagssendung), mein Gott, soviel eingesetztes Gedankenschmalz, hoffentlich wird das alles auch gut gelesen! Ich mach das ja eher unernsthaft, fast jedenfalls.

Die Kruste war merkwürdigerweise völlig unterschiedlich, stellenweise mehr so für die Katzen und dann wieder kroß wie Bätterteig (oder so); aber das Fleisch war in Ordnung, und gute Zutaten zu verderben, da muß man sich schon richtig Mühe geben. Manchmal ist also sogar angeborene Faulheit von Nutzen.

DirkNB hat gesagt…

*lach* Der Satz mit den guten Zutaten ist gut. Und vor allem sooo wahr. Am liebsten mag ich es ja auch eher einfach bei der Zubereitung. Es kann zwar gern mal etwas länger dauern, aber wenn es die Qualität der Zutaten herauskitzelt, ist es gut.