Posts mit dem Label Moral werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Moral werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 7. Juli 2009

Über die Weisheit von Jahrtausenden


Benedikt XVI.
hier gefunden

Ich muß dem Papsttum ein wenig Abbitte leisten. Dem einen oder anderen ist vielleicht aufgefallen, daß bei aller grundsätzlichen Sympathie ich bei jedem meiner geschichtlichen Ausflüge doch heftig böse auf jeden Papst war, der einen unserer Kaiser meinte bekämpfen zu dürfen. Im Mittelalter gab es bekanntlich die Idee, daß es eine universelle geistliche Ordnung geben müsse, der eine universelle weltliche Ordnung entspreche. Das Papsttum des Bischofs von Rom und das Kaisertum der Herrscher des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation nahmen dies jeweils über Jahrhunderte für sich in Anspruch, das Papsttum ist geblieben. Imperium und Sacerdotium waren die Namen dafür.

Und heute nun fordert Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika CARITAS IN VERITATE eine „echte politische Weltautorität“ und wird dafür natürlich umgehend für „weltfremd“ erklärt, selbstverständlich auch von dieser famosen Dame, die in diesem Land vorübergehend für wichtig gilt, verklausuliert natürlich. Seine Urteile über die gegenwärtige Wirtschaftsordnung werden selbstredend wohlwollender aufgenommen, schließlich paßt er damit irgendwie in die gegenwärtig zugelassene Sprechmode.

Warum mich das bewegt, weil dieser Papst daran erinnert, daß es sein Amt ist, Wahrheiten geltend zu machen, egal was die Welt gerade für kommod hält, es ist sein Amt, weltfremd zu sein, es ist sein Amt, dafür zu streiten, daß sich die Welt der Wahrheit anpaßt und nicht umgekehrt. Und u.a. darum ist mir diese Enzyklika sehr sympathisch. Es gibt auch andere Gründe. Worte wie diese etwa:

„Ohne Wahrheit gleitet die Liebe in Sentimentalität ab. Sie wird ein leeres Gehäuse, das man nach Belieben füllen kann. Das ist die verhängnisvolle Gefahr für die Liebe in einer Kultur ohne Wahrheit. Sie wird Opfer der zufälligen Gefühle und Meinungen der einzelnen, ein Wort, das mißbraucht und verzerrt wird, bis es schließlich das Gegenteil bedeutet.“ (Einleitung Nr. 3)

„Indem die Wahrheit die Menschen aus den subjektiven Meinungen und Empfindungen herausholt, gibt sie ihnen die Möglichkeit, kulturelle und geschichtliche Festlegungen zu überwinden und in der Beurteilung von Wert und Wesen der Dinge einander zu begegnen. Die Wahrheit öffnet den Verstand der Menschen und vereint ihre Intelligenz im Logos der Liebe: Das ist die Botschaft und das christliche Zeugnis der Liebe.“ (Einleitung Nr. 4)

„Die Gefahr unserer Zeit besteht darin, daß der tatsächlichen Abhängigkeit der Menschen und der Völker untereinander keine ethische Wechselbeziehung von Gewissen und Verstand der Beteiligten entspricht, aus der eine wirklich menschliche Entwicklung als Ergebnis hervorgehen könnte.“ (Einleitung Nr. 9)

„Wir erkennen so, daß die Befürchtungen der Kirche bezüglich der Fähigkeiten des rein technisch orientierten Menschen, sich realistische Ziele zu setzen und die zur Verfügung stehenden Mittel in angemessener Weise zu handhaben, begründet waren. Der Gewinn ist nützlich, wenn er in seiner Eigenschaft als Mittel einem Zweck zugeordnet ist, welcher der Art und Weise seiner Erlangung ebenso wie der seiner Verwendung einen Sinn verleiht. Die ausschließliche Ausrichtung auf Gewinn läuft, wenn dieser auf ungute Weise erzielt wird und sein Endzweck nicht das Allgemeinwohl ist, Gefahr, Vermögen zu zerstören und Armut zu schaffen. Die von Papst Paul VI. herbeigewünschte wirtschaftliche Entwicklung sollte so geartet sein, daß sie ein reales, auf alle ausdehnbares und konkret nachhaltiges Wachstum hervorruft.“ (Zweites Kapitel Nr. 21)

„Nach dem Zusammenbruch der wirtschaftlichen und politischen Systeme der kommunistischen Länder Osteuropas und dem Ende der sogenannten „gegnerischen Blöcke“ wäre ein umfassendes Überdenken der Entwicklung nötig gewesen.“ (Zweites Kapitel Nr.23)

„Heute – auch unter dem Eindruck der Lektion, die uns die augenblickliche Wirtschaftskrise erteilt, in der die staatliche Gewalt unmittelbar damit beschäftigt ist, Irrtümer und Mißwirtschaft zu korrigieren – scheint eine neue Wertbestimmung der Rolle und der Macht der Staaten realistischer…“ (Zweites Kapitel Nr.24)

„Folglich hat der Markt neue Formen des Wettstreits unter den Staaten angeregt, die darauf abzielen, mit verschiedenen Mitteln … Produktionszentren ausländischer Unternehmen anzuziehen. Diese Prozesse haben dazu geführt, daß die Suche nach größeren Wettbewerbsvorteilen auf dem Weltmarkt mit einer Reduzierung der Netze der sozialen Sicherheit bezahlt wurde, was die Rechte der Arbeiter, die fundamentalen Menschenrechte und die in den traditionellen Formen des Sozialstaates verwirklichte Solidarität in ernste Gefahr bringt.“ (Zweites Kapitel Nr.25)

„Die Überzeugung, sich selbst zu genügen und in der Lage zu sein, das in der Geschichte gegenwärtige Übel allein durch das eigene Handeln überwinden zu können, hat den Menschen dazu verleitet, das Glück und das Heil in immanenten Formen des materiellen Wohlstands und des sozialen Engagements zu sehen. Weiter hat die Überzeugung, daß die Wirtschaft Autonomie erfordert und keine moralische „Beeinflussung“ zulassen darf, den Menschen dazu gedrängt, das Werkzeug der Wirtschaft sogar auf zerstörerische Weise zu mißbrauchen. Langfristig haben diese Überzeugungen zu wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Systemen geführt, die die Freiheit der Person und der gesellschaftlichen Gruppen unterdrückt haben und genau aus diesem Grund nicht in der Lage waren, für die Gerechtigkeit zu sorgen, die sie versprochen hatten. Wie ich schon in meiner Enzyklika Spe salvi geschrieben habe, entfernt man auf diese Weise die christliche Hoffnung aus der Geschichte …“ (Drittes Kapitel Nr.34)

Ich will die Zitate an dieser Stelle abbrechen, man mag nun selbst weiterlesen. Zeigen wollte ich an dieser Stelle auch nur, dies ist weit mehr als ein christlicher Kommentar zur Finanzkrise. Es ist ein Ruf an die Welt, von einem abschüssigen Weg abzulassen, der in die Irre führt, nicht der Verkehrsunfall auf diesem Weg war das Problem, es ist der Weg selbst.

Eine kleine persönliche Bemerkung zum Abschluß. Ursprünglich war dieser Ort auch aus dem Bemühen heraus entstanden, mit Menschen in Kontakt zu bleiben, mit denen dieser aus gewissen Gründen schwierig geworden war, das hat nur teilweise funktioniert. Dafür ist anderes eingetreten, was mir ebenfalls wichtig geworden ist, etwa auf neue interessante Menschen zu treffen. Wiederholt ist mir dabei aufgefallen, daß jemand, den ich überhaupt nicht kenne, dies hier für unterhaltsam hält. Ich kann nur sagen, das war nicht unbedingt beabsichtigt. Gerade gestern war es etwa mehr ein ambitionsloses Vor-mich-Hin-Geplappere.

Ich will damit nur sagen, es freut mich, wenn das jemand hier unterhaltsam findet, aber, tut mir leid, im Zweifel werde ich eher über das schreiben, was ich für mich für bedeutsam halte, und das ist heute eben diese Enzyklika.