Ich lese gerade mit großem Vergnügen in der Historia Augusta, einem allgemein als Schundwerk spätantiker Geschichtserfindung bekannten Überlieferungsstück. Doch die tägliche Nachrichtenlektüre ruft mich zum Glück vorübergehend in die mißliche Gegenwart zurück.
Das Unangenehme an Podcasts ist, man hört eben aus der Stimme auch den Habitus der Beteiligten heraus. Dafür muß man das Ganze nicht lesen, sondern kann nebenbei so belanglos alltäglichen wie notwendigen Tätigkeiten nachgehen.
Der umtriebige Journalist Ulf Poschardt hat im Gespräch mit dem tapferen jungen Herrn Mannhart von Apollo News sein neuestes Buch „Bückbürgertum“ vorgestellt und mir während des Zuhörens meinen widerwilligen Respekt zunehmend erworben.
Zum Glück hat Meister Klonovsky soeben alles, was zu sagen wäre, dazu gesagt. Gruselig fand ich etwas anderes. Ihm wurde offenkundig von einem Leser eine Personenanalyse beider vorgelegt, die eine KI generiert hätte:
„Poschardt ist im Kern ein liberaler Vitalist: Er will mehr Freiheit, Wagnis, Tempo und Eigenverantwortung. Klonovsky ist eher ein konservativer Kulturpessimist: Er will Maß, Gedächtnis, Rangordnung und verlorene Formen bewahren. Der eine fürchtet die lähmende Anpassung, der andere den kulturellen Zerfall.“
Beide seien kluge, unterhaltsame und notwendige Störenfriede, aber auch eitel, selbstverliebt und gelegentlich zynisch. Sie funktionierten hervorragend als Rauchmelder. Aber sie seien nicht die Feuerwehr, und man solle sie nicht mit den Leuten verwechseln, die anschließend das Haus wieder aufbauten.
Diese Beschreibung halte ich für Herrn Klonowsky für reichlich ungerecht, diesen tapferen Arbeiter im Weinberg der Wahrheit. Aber wenn das wirklich KI war, das verstörte mich denn schon.
Herr K. wolle Maß, Gedächtnis, Rangordnung und verlorene Formen bewahren. Ja, welcher Mensch, der noch leidlich bei Verstand ist, nicht?
Zur Verdeutlichung des Problembergs füge ich ein Bild an, das mir zugesandt wurde.





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