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Freitag, 3. Juli 2009
Königgrätz
Aus dem Nebel der Geschichte taucht heute etwas anderes auf, die Schlacht von Königgrätz. Allen, denen deutsche Geschichte ein sehr entlegener Gegenstand ist, etwa weil sie in Neuseeland leben, sei gesagt, in den letzten 140 Jahren ist Deutschland bereits zweimal wiedervereinigt worden, nur daß es beim ersten Mal etwas größer ausfiel.
Königgrätz nun brachte den entscheidenden Sieg Preußens über Österreich und damit eine der Voraussetzungen für die spätere Reichsgründung 1871, nachdem Österreich aus dem Deutschen Bund ausgeschieden war. In Österreich bewirkte diese Niederlage übrigens den inneren Ausgleich mit Ungarn, mit der man der entstandenen Schwäche entgegenwirken wollte.
Bei dem Dorf Sadowa trafen also am 3. Juli 1866 mehr als 400.000 Soldaten aufeinander, die Truppen Preußens gegen die Österreichs und Sachsens. Wer an genaueren Schlachtenbeschreibungen interessiert ist, mag hier und oder hier (http://www.deutsche-schutzgebiete.de/deutscher_krieg_schlacht_bei_koeniggraetz.htm) nachlesen. Die Schlacht war sehr blutig und nach stark wechselhaftem Verlauf und erbitterten Kämpfen ging der Plan Helmuth von Moltkes endlich auf und Preußen siegte.
Kardinalstaatssekretär Antonelli, der davon am Abend des 4. Juli in Rom erfuhr, soll entsetzt ausgerufen haben: "Casca il mondo!" ("Die Welt stürzt ein!").
Und in Paris kam die Furcht auf, daß nun im Osten ein geeintes Deutschland unter preußischer Führung entstehen könne. Dieses zu verhindern, entstand darauf der Schlachtruf „Revanche pour Sadowa!“ („Rache für Sadowa!“).
Noch auf dem Schlachtfeld soll der preußische Militärmusiker Gottfried Piefke den Königgrätzer Marsch komponiert haben, für Näheres schaue man hierher (übrigens, auch Lexikonartikel können unterhaltsam sein: „… in Österreich hingegen ist er aus naheliegenden Gründen sehr selten zu hören.“). Das Andenken an Königgrätz, eine der Gedenkikonen des 2. Kaiserreichs, ist mit diesem weitgehend verlorengegangen. Nur der Königgrätzer Marsch ist noch heute einer der beliebtesten und meist gespielten deutschen Militärmärsche.
Allerdings, wenn man sich einen Eindruck von dem Tiefststand historischer Bildung, der Verwirrtheit menschlicher Hirne und auch sonst reichlich Unerfreulichem der heutigen Zeit verschaffen möchte, dann suche man einfach einmal nach einem Musikbeispiel für diesen Marsch und schaue kurz in die Kommentare. Manchmal sind solche Dinge aussagekräftiger für eine Epoche als ganze Bibliotheken.
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