Sonntag, 25. Mai 2008

Sonntag oder die Insel in der Zeit



Das Stillstehen der Zeit in einem Augenblick, einem Bild, die Bedeutungen irrlichtern zwischen den Dingen, springen von einem Ort zum anderen, der Beobachter von sich selbst abgelöst.








Donnerstag, 22. Mai 2008

Moment


Alles was uns sicher scheinen mag, ist nicht mehr als ein gefrorener Moment, und wenn wir ihn in uns aufheben, bleiben wir, er in uns und wir in ihm, um ein weniges mehr nach seinem Vergehen bestehen.

Sonntag, 18. Mai 2008

Trinitatis


„Im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, von der alle Autorität kommt und auf die, als unserem letzten Ziel, alle Handlungen sowohl der Menschen wie der Staaten ausgerichtet sein müssen...“.

So beginnt die irische Verfassung. Nicht von ungefähr, denn der Legende nach hat der Nationalheilige der Iren Patrick diesen mit einem Kleeblatt die Dreieinigkeit Gottes erklärt und das dreiblättrige Kleeblatt wurde so zum irischen Nationalsymbol (shamrock). Es scheint also eine gewisse Neigung bei den Iren für diese christliche Vorstellung zu geben, die ansonsten eher weniger im öffentlichen Bewußtsein vorkommt.


In der Confessio Augustana von 1530 wird über die Trinität festgehalten:

„Erstlich wird einträchtiglich gelehrt und gehalten, laut des Beschlusses concilii Nicaeni Konzils, daß ein einig göttlich Wesen sei, welches genannt wird und wahrhaftiglich ist Gott, und sind doch drei Personen in demselbigen einigen göttlichen Wesen, gleich gewaltig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiger Geist, alle drei Ein göttlich Wesen , ewig, ohne Stück, ohne End, unermeßlicher Macht, Weisheit und Güte, ein Schöpfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und wird durch das Wort Persona verstanden nicht ein Stück, nicht eine Eigenschaft in einem anderen, sondern das selbst bestehet, wie denn die Väter in dieser Sache dies Wort gebraucht haben.

Derhalben werden verworfen alle Ketzereien, so diesem Artikel zuwider sind, als Manichäi, die zween Götter gesetzt haben, einen bösen und einen guten. Item Valentiniani, Ariani, Eunomiani, Mahometisten und alle dergleichen, auch Samosateni, alte und neue, so nur Eine Person setzen und von diesen zweien, Wort und heiligem Geist, Sophisterei machen und sagen, daß es nicht müssen unterschiedene Personen sein, sondern Wort bedeute leiblich Wort oder Stimme, und der heilige Geist sei erschaffene Regung in Kreaturen.“

1. Artikel, „Von Gott“


Die Trinität gehört zu den großen Paradoxien des christlichen Glaubens, wie es eigentlich nahezu allen Dogmen wesentlich ist. Und schon die heftige Abwehrhaltung die den obigen Text auszeichnet, zeigt, Gott ist nur zu ahnen, wenn sein Geheimnis gewahrt wird.

Was wir von Gott sagen mit Worten wie “unendlich”, “allmächtig”, “ewig” sind letztlich keine Begriffe, die Näheres bestimmen sollen, sondern sie wollen zeigen, was jede Kategorie übersteigt, und nachdem alle Kategorien verbraucht sind, etwas Unsagbares spürbar wird. Von Seiten des Menschen ist nur diese negative Theologie möglich, alles auszuschließen, was seine Heiligkeit mindern würde, und darum sind diese 3 Personen der Trinität vielleicht beschreibbar als die drei Wege, auf denen Gott aus diesem Ahnen zu uns kommt.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Über Literatur


„Wir ordnens. Es zerfällt.
Wir ordnens wieder und zerfallen selbst.“

Die Literatur hätte ebenso ihre Bedeutung, wenn das Folgende nicht der Fall wäre, aber, aber wenn eine Wendung exakt und konzentriert eine Erfahrung beschreibt, ein Fingerabdruck menschlicher, biographischen Wahrheit, dann ist es, als wären Zeitfäden zum Erstarren gebracht worden, um daraus ein Bild zu weben, das wahr ist“.

„... nicht mehr gerechnete Jahre
mit dem unendlichen Glück, als wär es nicht innen, läge
keinem gehörend im sanften
Rasen der Erde umher, von göttlichen Kindern verlassen.“

beides von Rainer Maria Rilke

Montag, 12. Mai 2008

veni creator spiritus

Veni, Creator Spiritus, Komm, Gott Schöpfer, heiliger Geist,
mentes tuorum visita, besuch das Herz der Menschen dein,
imple superna gratia, mit Gnaden sie füll, denn du weißt,
quae tu creasti, pectora. daß sie dein Geschöpfe sein.

Qui diceris Paraclitus, Denn du bist der Tröster genannt,
altissimi donum Die, des Allerhöchsten Gabe teur,
fons vivus, ignis, caritas ein geistlich Salb an uns gewandt,
et spiritalis unctio. Ein lebend Brunn, Lieb und Feur.

Tu, septiformis munere,
Du bist mit Gaben siebenfalt
digitus paternae dexterae, der Finger an Gotts rechter Hand;
Tu rite promissum Patris, des Vaters Wort gibst du gar bald
sermone ditans guttura. mit Zungen in alle Land.

Accende lumen sensibus;
Zünd uns ein Licht an im Verstand,
infunde amorem cordibus;
gib uns ins Herz der Liebe Brunst,
infirma nostri corporis das schwach Fleisch in uns, dir bekannt,
virtute firmans perpeti. erhalt fest dein Kraft und Gunst.

Hostem repellas longius, Des Feindes List treib von uns fern,
pacemque dones protinus: den Fried schaff bei uns deine Gnad,
ductore sic te praevio daß wir deím Leiten folgen gern
vitemus omne noxium. und meiden der Seelen Schad'.

Per Te sciamus da Patrem, Den Vater uns wohl kennen lehr
noscamus atque Filium; und Jesum Christum, seinen Sohn,
Teque utriusque Spiritum daß wir auch geben gleiche Ehr,
credamus omni tempore. dir beider Geist in einem Thron.

Deo Patri sit gloria Gott, unser Vater sei allzeit,
et Filio, qui a mortuis aus Herzensgrund von uns gepreist;
surrexit, ac Paraclito Lob sei Herr Jesu, dir bereit´t
in saeculorum saecula. mit Gott dem werten heilgen Geist.


Hrabanus Maurus, +856
Martin Luther, 1546


„Credo quia absurdum“, das dem Kirchenvater Tertullian zugeschriebene "ich glaube, weil es widersinnig ist“, weist nicht zuletzt auf das eine: Wenn sich regelmäßig das schlicht Vernünftige durchsetzen würde, hätte das Christentum nie eine Chance gehabt.

Pfingsten feiern wir die Herabkunft des Heiligen Geistes, der 3. Person der Trinität, die Gestalt, in der Christen an Gott glauben. Es herrschte immer eine gewisse Ungewißheit über dessen wahre Natur. Was regelmäßig Schwärmer aller Art dazu veranlaßt hat, daß der Heilige Geist ihr „Lieblingsgott“ war, weil sie in Wahrheit ihr eigenes eher überschaubares Ego mit dessen Benutzung aufblasen konnten und tatsächlich verwechselten, indem sie in eine Art regellosen Machtrausch verfielen, nun dürfte jeder Rausch überwiegend regellos sein aber vielleicht läßt sich soviel sagen:

Der Heilige Geist ist die Gegenwart Gottes ins uns, die Zusicherung, daß die Welt in Wahrheit nicht kalt und seelenlos ist und nicht nur das Leben sich mechanisch immer weiter selbst wieder erschafft, sondern daß aus Geist Leben entspringt.

Sonntag, 11. Mai 2008

Et in Arcadia ego


Jemand von mir Hochgeschätztes hört kurioserweise auf den Namen Arkadi und er fügt zur Erklärung gern an, „wo die glücklichen Hirten wohnen“.

Arkadien ist einer der mythischen Fluchtorte unseres abendländischen Geistes, ob als Phantasie des französischen Hochadels gegen die Zumutungen ihres Königs oder als Erfindung des Römers Vergil, der in der griechischen Landschaft Arkadien das reine Menschentum findet.

Wenn man die Gewißheit gewinnt, innerlich an einer Art Ende angekommen zu sein, versucht man, all das in sich aufzurufen, was Bestand, Ermunterung, Bedeutung verheißt, wenn das Wort nicht so grauslich wäre, eine Art „geistige Inventur“.

Mein anderer, mehr persönlicher Wunschort wäre Gondor aus dem“ Herrn der Ringe“, ich verweigere mich dem Begriff eines Fluchtorts, denn wie jeder Leser weiß, ist Gondor das Gegenteil eines idyllischen Orts, es begegnen Grausamkeit, Verrat, Verzweiflung, all die üblichen menschlichen Dinge, aber man taucht ein in ein Gefühl, wie die Welt wäre, wenn sie richtig wäre, und die Dinge so wären, wie die Dinge sein sollten, und man nicht in einer Fälschung leben müßte.


Claude Lorrain, „Landschaft mit Ziegenhirt“, 1637
gefunden hier

Freitag, 9. Mai 2008

Arkadien


Das Einzige, was wir der Zumutung des Lebens entgegensetzen können, ist unser Sinn für Schönheit und unser guter Geschmack.