Sonntag, 6. April 2025

Eine Meditation über den Sonntag Judika

Antonio Ciseri, Ecce Homo, zw. ca.1860 – 1880

Predigt Judika


Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Jesu Verhör vor Pilatus

28Da führten sie Jesum von Kaiphas vor das Richthaus. Und es war früh; und sie gingen nicht in das Richthaus, auf das sie nicht unrein würden, sondern Ostern essen möchten. 29Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach: Was bringet ihr für Klage wider diesen Menschen? 30Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. 

31Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten. 32(Auf das erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde.) 33Da ging Pilatus wieder hinein ins Richthaus und rief Jesus und sprach zu ihm: Bist du der Juden König? 

34Jesus antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben's dir andere von mir gesagt? 35Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan? 36Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen. 37Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? 

Jesus antwortete:
Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. 38Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?


Mihály Munkácsy, Ecce Homo!,1896

Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. 39Ihr habt aber eine Gewohnheit, daß ich euch einen auf Ostern losgebe; wollt ihr nun, daß ich euch der Juden König losgebe? 40Da schrieen sie wieder allesamt und sprachen: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Mörder.

Arthur Kampf: Verspottung Christi, vor 1950

Jesu Geißelung und Verspottung

1Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. 2Und die Kriegsknechte flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurkleid an 3und sprachen: Sei gegrüßt, lieber Judenkönig! und gaben ihm Backenstreiche. 4Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennt, daß ich keine Schuld an ihm finde. 5Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und ein Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch!

Johannes: 18, 28 – 40; 19, 1 - 5

Liebe Gemeinde,

der Sonntag Judika markiert den Punkt im Jahr, an dem wir aus der allgemeinen Fastenzeit in die eigentliche Passionszeit treten. Die Vorbereitung hat ein Ende, nun sollen wir uns bewähren.

Wir sollen unseren Glauben beweisen, indem wir unter das Kreuz des Herrn treten.

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. (Mt 20,28)

So steht es über diesem Sonntag und alle Texte, die wir gehört haben, führen uns in dieselbe Richtung – an das Kreuz. Darüber wollen wir mehr meditieren, als dass ich predige.

Hier am Kreuz sollen wir einen ganz anderen Begriff finden vom Gottesdienst. Viel zu gerne gefallen wir uns nämlich in der Annahme, wir würden Gott dienen, wenn wir uns in unseren Kirchen versammeln. Welchen Dienst aber könnten wir Gott leisten? Und vor allem, welchen Gewinn sollte er davon haben?

Nein, das, was wir in unseren Kirchen feiern und woran wir uns und alle Menschen wieder und wieder erinnern, ist der Dienst, den Gott an uns geleistet hat. Gott selbst geht ans Kreuz, nachdem er vor den Richterstuhl der Mächtigen gezerrt worden ist.

Das Gerichtsverfahren ist dabei ein wesentlicher Bestandteil von Jesu Leidensweg und es ist nicht grundlos am Sonntag Judika in Parallelität zum Isaaksopfer gestellt worden.

Wir sind in beiden Fällen die Begleiter auf einem Weg, den Vater und Sohn gemeinsam gehen. Das ist auch darum von Bedeutung, weil wir als Menschen jedes Recht und alle Gerechtigkeit nur verstehen können, wenn wir den als Gesetzgeber Mächtigen immer als Vater und Sohn des Gesetzes begreifen.

Aus Recht kann nämlich nur dann Gerechtigkeit wachsen, wenn sich der, der das Gesetz erlässt und insofern der „Vater des Gesetzes“ wird, auch bereit ist, sich selbst in aller Konsequenz dem Gesetz zu unterwerfen und zum „Sohn des Gesetzes“ zu werden.

Es gingen die beiden miteinander.

Rembrandt Harmenszoon van Rijn, die Opferung Isaaks, 1635

Will man den Prozess gegen Jesus verstehen, dann muss man zuvor die ungeheuerliche Geschichte des Isaaksopfers ganz verinnerlichen.

Es ist eine kaum zu ertragende Prüfung, die einem Vater auferlegt wird, wenn er opfern soll, was ihm das Liebste ist und was er so lange ersehnt hat. Wie soll er, was er doch schützen muss, aus der Hand geben? Hat er nicht das Recht, aufzubegehren gegen so einen maßlosen Herrn?

Es gingen die beiden miteinander.

Hat Christus nicht noch viel mehr Grund, gegen die Richter, vor die er gestellt wird, aufzubegehren? Mit einer unfassbaren Bigotterie hebt das Geschehen an. Während sie den Schuldlosen ausliefern und wider alles Recht seinen Tod verlangen, sorgen sie sich um die Beachtung der Reinheitsvorschriften und darum, nach erledigter Schandtat, das Osterlamm essen zu dürfen. Der Herr aber begehrt nicht auf, weil er weiß, dass er selbst im Begriff steht, das Opfertier zu sein, das geschlachtet werden soll.

So auch tausende Jahre zuvor der Junge Isaak. Dämmerte es seinem kindlichen Gemüt, dass er zum Opfer ausersehen ist, als er dem Vater die Frage stellt, wo denn das Lamm sei, dessen es doch zum Opfer eigentlich bedarf?

Cornelis de Vos, das Opfer Abrahams, zw. ca.1631 – 1635

Es gingen die beiden miteinander.

Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten ihn nicht überantwortet. Ihr Urteil geht der Erörterung und der Aufklärung des Sachverhalts bereits voraus. Pilatus soll nur noch vollstrecken, was sie längst beschlossen haben.

Musste Abraham nicht annehmen, es wäre bei seinem Gott tatsächlich beschlossen, dass sein Sohn sterben muss? Sonst wäre er doch nicht losgezogen nach Morija. Sonst hätte er doch den Berg nicht aufgesucht, auf dem der Opferstein bis heute zu besichtigen ist.

Herzog Anton Ulrich-Museum, Jan Lievens, das Opfer Abrahams,
 ca. 1638, von hier

Wie konnte Christus so ruhig bleiben, als sich abzeichnete, dass ihm das Kreuz aufgerichtet werden würde?

Es gingen die beiden miteinander.

So unfassbar das jeweilige Geschehen ist, so unzweifelhaft bleibt es bis zum jüngsten Tag, dass es Jesus genau wie Isaak über die gesamte Wegstrecke der stärkste Trost gewesen ist, dass sie neben sich den Vater wussten, an dessen Liebe nicht zu zweifeln war. Vertrauen zu Gott ist die einzige Brücke über die Ungewissheiten und Dunkelheiten unserer Existenz.

Die Unfassbarkeit des Geschehens auszuhalten ist die sicherste Abwehr gegen die Verführung zur Empörung, durch die wir uns dann gegen Gott und seinen Ratschluss stellen würden.

Bist du der Juden König? Jesus antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben's dir andere von mir gesagt? Alles in diesen Geschichten dreht sich um die Königsfrage! Wer ist König? Kann man sich zum König machen oder gemacht werden? Wird man zum König, wenn man eine Krone trägt?

Mattia Preti, Ecce Homo, zw. 1656 – 1666

Christus belehrt uns in dieser Frage mit den Worten: „Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll.

Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.“ Der Herr ist die Wahrheit und allein darin gründet sein Königtum.

Es gingen die beiden miteinander.

Das Geschehen nimmt in beiden Fällen den ihm von Anfang an bestimmten Verlauf. Gerade dadurch wird gleichzeitig die ganze Vergeblichkeit dessen deutlich, was wir als Menschen tun. Zwar versucht Pilatus, den schuldlosen Menschen aus den Fängen des Verhängnisses zu befreien, wird aber gewahr, dass er nicht der Herr des Verfahrens ist.

Wird nicht auch Abraham darüber nachgesonnen haben, wie er den Knaben retten kann? Auch er machte aber die schmerzende Erfahrung, dass er ihn nicht retten konnte, wenn er gleichzeitig am Gehorsam gegen seinen Gott festhalten will. So hebt er am Ende Isaak auf den Altar und anschließend den Arm mit dem Messer.

So ging auch Jesus am Ende heraus und trug eine Dornenkrone und ein Purpurkleid. Und in beiden Fällen möchte man sprechen: Sehet, welch ein Mensch!

nach Agostino Carracci (1557–1602), Ecce Homo

Judika ist der Name dieses Sonntags. „Gott, schaffe mir Recht und führe meine Sache wider das unheilige Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!“
Abraham hätte nicht Recht schaffen können, indem er sich dem Willen Gottes widersetzt. Und schon gar nicht setzten die „Söhne Abrahams“ Recht mit ihrem Gerichtsprozess über den Herrn.

Recht und Gerechtigkeit haben ihre Quelle allein bei Gott, der uns wieder mitnimmt an sein Kreuz.

So wie Isaak allein durch Gottes Handeln am Ende zum Leben gerettet wurde, so werden wir auch gerettet, indem Gott seinen Sohn in den Tod preisgab. Das allein sollen wir lernen in diesen Tagen vor der Feier des Leidens und Sterbens Jesu, dass er der König ist, dem wir Gehorsam schulden. Im Tod und im Leben ergeben wir uns ihm.

Alsace, Bas-Rhin, Église Sainte-Richarde de Marlenheim, 
Tableaux "Vie du Christ", von hier

Nicht Abraham und auch nicht die Söhne Abrahams sind Richter über Gottes Handeln, sondern beide sind mit uns berufen zum Gehorsam gegenüber seinem Willen. Gott vollstreckt im Lande Morija genauso wie auf dem Berge Golgatha, was er zuvor verheißen hat. Wir sollen uns unter sein Kreuz beugen, wir sollen seinem Sohn folgen, wir sollen bei ihm sein, denn wir glauben unerschütterlich und bitten: Gott, schaffe mir recht. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle eure Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unseren Herrn. Amen
Thomas Roloff


Kreuzkirche Magdeburg

nachgetragen am 8. April

Samstag, 29. März 2025

Über Friedenseichen &

 

Auf dem obigen Bild sieht man, wie unser Herzog Borwin zu Mecklenburg mit anderen eine Friedenseiche pflanzt. Er habe dieses Zeichen sehr bewußt gesetzt. Seine Familie sei während der letzten 100 Jahre in besonderer Weise von Kriegen, Revolutionen etc. betroffen gewesen. Hinzu kommt, sage ich, daß dieser einzig fortbestehende Familienzweig des Herzogshauses mit seiner halb russischen Herkunft auch das alte Europa verkörpert, in dessen Trümmern wir heute leben. Was mehr, als Präsenz zu zeigen und Zeichen zu stiften, ist da möglich.

 Zur eigentlichen Veranstaltung muß ich weiter nichts sagen, weil ich fröhlich auf einen ausführlichen Bericht auf dem Strelitzius-Blog verweisen kann und damit einer solchen Aufgabe enthoben bin.


Hinzu kam die Wiedereröffnung der Schloßkoppel. Das war einmal ein Landschaftspark, geschaffen um 1808 aus einem als Viehweide benutzten Bruchgebiet von Hofmarschall von Hobe im Auftrag des Herzogs Carl. Dieser Park öffnete den Schlossgarten gewissermaßen in die umgebende Landschaft. 110 Jahre später interessierte das nicht mehr so und es entstand eine Art Urwald.


Das ist er immer noch. Aber ein Urwald mit Wegen, Brücken und Bänken, magischen Tümpeln, in die gewesene Bäume gestürzt sind. Und den Franzosensteg gibt es wieder. Das Ufer des Zierker Sees ist auch durch die ganzen Wasserableitungen ziemlich sumpfig geworden. Aber hier kam man bis ans Ufer und kommt es jetzt wieder.  Im Februar 2014 hatte ich mich einmal tollkühn über die morschen Balken gewagt (später wurde der Weg dann noch mehr zerstört, um der dergleichen Abenteurer in die Schranken zu weisen), die letzten Bilder sind von damals.

 



Unser Herzog hat mit seiner Präsenz auch hier das, was seine Vorfahren begonnen haben und diesmal, wenn auch in anderer Gestalt fortdauern darf, gewürdigt.



Um mit einer Pointe zu enden. Am Borkenhaus, wo ich stand, führt ein Weg vorbei, und das Slawendorf ist in der Nähe. Prompt stoppte ein Pritschenwagen, und ein guter Bekannter krähte mich munter an, warum ich mich in diesem Jahr dort noch nicht gezeigt hätte. Ich fürchte, ich war so verdattert, daß ich, um zu antworten, unseren Herzog habe stehen lassen.


Aber immerhin ist der Wanderstock, mit dem ich endlich wieder einigermaßen gehen kann, von dort, selbstgeschnitzt natürlich. 


Merkwürdig, wie sich die Dinge unerwartet zu einem sinnvollen Ganzen fügen können.

nachgetragen am 8. April


Freitag, 28. März 2025

Trauergottesdienst für Renate Treptow in Schönhausen/Elbe

Herr Roloff hat heute am 28. März diese Beerdigung auf die ihm bekannte Bitte der Verstorbenen hin in seinem ehemaligen Wohnort gehalten.

Es gab an diesem Platz zwar schon Trauerpredigten für Schrifstellerinnen und preußische Prinzessinnen, aber eine Predigt dieser Art, obwohl es davon zahlreiche gegeben hat, habe ich üblicherweise nicht gebracht. Warum die Ausnahme?

Mir hat ihre Art, der Tonfall, bei diesem, wenn man so sagen will "gewöhnlichen“ Anlaß, bis hin zum frommen Sinnspruch, sehr zugesagt.

Darum mußte ich auch etwas von den Schlußgebeten mitteilen, und vor allem stehen die beigefügten Bilder, bis auf das letzte, für persönliche Erinnerungen an den Geburtsort des Fürsten Bismarck.

Ansprache

Es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Und als er das gesagt hatte, verschied er. Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen die Frauen zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.

Amen

Lukas 23/24

Der Friede des Auferstandenen sei mit euch!

Liebe Familie von Renate Treptow, liebe Trauergemeinde,

über diesem Gottesdienst steht ein Wort aus dem Buch des Propheten Jeremia: „Herr, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not!“ Es ist die Tageslosung des 18. März 2025 gewesen und damit des Tages, an dem Renate Treptow nach einem langen Leben von 90. Jahren und zehn Monaten gestorben ist.

Sie hatte sich aus ihrem Haus noch selbst auf den Weg zur Dialyse bringen lassen. Diese lebenserhaltende Plage gehörte bereits seit einigen Jahren zu ihrem Alltag. Auf der Fahrt dahin hat sie sich dann aber auf einen ganz anderen Weg gemacht.

Nachdem sie die Einschränkungen und schweren Gebrechen des Alters sehr tapfer und mit der ihr eigenen Gelassenheit trug, hat sie nun Zuflucht genommen bei dem, der neue Stärke und Kraft schenken kann.


Bis zuletzt hat sie mit fast allem, was sie tat, ein Beispiel davon gegeben, was als Sinnspruch in ihrem Haus in der Heidestraße hängt:

Was ist die größte Kunst auf Erden?
Mit frohem Herzen alt zu werden -
zu ruhen, wo man schaffen möchte,
zu schweigen, wo man ist im Rechte.


Es heißt dann weiter:

Die Kunst lernt keiner völlig aus,
drum gibt's auch manchen harten Strauß
in alten Tagen durchzukämpfen,
bis wir des Herzens Unruh dämpfen.

Und willig uns ergeben drein,
in stiller Demut nichts zu sein.
Dann hat uns Gott nach Gnadenart,
die beste Arbeit aufgespart.

Kannst du nicht regen mehr die Hände,
kannst du sie falten ohne Ende;
herabziehn lauter Himmelssegen,
auf all die harten Lebenswege.

Und ist die Arbeit dann getan
und naht die letzte Stund heran,
von oben eine Stimme spricht:
"Komm, du bist mein, ich lass dich nicht!“


Sie wird die Zeilen oft gelesen haben, wurde stets, wenn sie nach Hause kam, an sie erinnert. Sie wusste, worum es sich handelt. Unsere Zeit auf dieser Welt ist endlich. Rechtzeitig hat sie alle notwendigen Vorkehrungen getroffen.

Darum sind wir heute hier auf diese Weise versammelt.
Auf ihren Wunsch hin, und Renate Treptow wusste ihren Wünsche Nachdruck zu verleihen, bin auch ich heute noch einmal bei euch und wir blicken gemeinsam auf ihr langes Leben.

Renate war das erste Kind der Eheleute Adolf und Erna Rakowski und kam am 18. Mai des Jahres 1934 in Gelsenkirchen-Buer zur Welt. Es war das Jahr, in dessen weiteren Verlauf Reichspräsident Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg starb.

Nur wenige Jahre später kam die Familie, dann bereits mit zwei Kindern, nach Schönhausen an die Elbe. Für den Vater, der Dachdecker gewesen ist, war es hier wohl einfacher den Seinen das Auskommen zu sichern.

Von 1940 bis 1948 besuchte Renate die hiesige Volksschule und begann, unmittelbar nach deren Abschluss als Näherin zu arbeiten. Das eröffnete die Möglichkeit zu einer Lehre als Industrieschneiderin, die sie 1952 erfolgreich abschloss.

Neunzehn Jahre alt war Renate Rakowski als sie im Mai 1953 Hans Treptow heiratete. Zwei Söhne wurde ihr geboren. Noch im Jahr der Hochzeit Hans-Hartmut und 1959 Wolfram.

Es war der Familie wichtig, den Kindern einmal im Jahr eine Urlaubsreise zu ermöglichen.

Immer im Wechsel fuhr man gemeinsam an die Ostsee nach Dierhagen oder nach Friedrichsbrunn in den Harz.

1971 begann Renate bei der Post zu arbeiten, die in Schönhausen ein eindrucksvolles Gebäude besaß, dessen rote Klinkerbauweise für ganz Deutschland so charakteristisch gewesen ist. Aus ihrem Erzählen konnte man schließen, dass ihr diese Zeit viel Freude bereitet hat. Renate blieb der Post bis zum Ende der DDR-Zeit treu und ging 1989 in Rente.

2007 gab es mit dem Tod ihres Mannes eine tiefe Zäsur. Renate schrieb mir mit ganz einfachen Worten: „Mein Mann verstarb nach 54 guten Ehejahren.“ Mehr war in ihren Augen nicht zu sagen. Es weht uns hier noch einmal der Geist einer ganz anderen Generation an. Wir begegnen Menschen, die noch wussten, welche Bedeutung es hat, sich vor dem Altar ein Versprechen zu geben und welche Verantwortung darin liegt, gemeinsame Kinder zu haben. Renate hätte sich dem niemals entzogen, denn das gegebene Versprechen galt in guten und in schlechten Tagen. Nur der Tod konnte sie scheiden.

In ihrem Ruhestand entdeckte Renate Treptow nun eine neue Passion, die sehr viel über sie aussagt. Sie organisierte in regelmäßigen Abständen Klassentreffen und Jubelkonfirmationen.

Sie hatte das dazu notwendige unwiderstehliche Wesen, dessen Freundlichkeit man sich zuweilen aber auch erst erschließen musste. Ihr abzusagen traute sich in der Regel niemand. So ermöglichte sie Wiederbegegnung, Gespräch und Gemeinschaft. Es waren jedes einzelne Mal sehr schöne Feste, von denen im Ort noch lange gesprochen wurde.

Das war ihr Dienst an diesem Dorf, für den ihr Dankbarkeit gebührt. Es war gleichzeitig ein Beispiel, das sie uns gegeben hat. Es macht Sinn, Gemeinschaft zu pflegen, Erinnerungen auszutauschen, gemeinsam zu singen, zu lachen und auch zu beten. In den Jubelkonfirmationen stellen sich Menschen ganz bewusst neu unter den Segen Gottes. Wir waren uns auch immer einig, nicht danach zu fragen, ob sich im Laufe der Jahrzehnte das eine oder andere Band zur Kirche gelöst hatte. Wer Gott um seinen Segen bittet, der wird gesegnet und soll ein Segen sein.

Durch diesen beharrlichen Dienst ist Renate Treptow eurem Dorf auch zum Segen geworden. Auch das danken wir ihr heute. Diesen Dank möchte ich aber mit einer Bitte verbinden, von der ich sicher glaube, dass sie in Renates Sinn ist. Kommt nicht nur an die Särge, um von dem Schöpfer zu hören, der uns ins Leben gerufen hat und der uns auch im Tod nicht verlässt. Zu ihm hat Renate Zuflucht genommen. Auch darin gibt sie euch allen ein Beispiel. Kommt nicht nur an die Särge, sondern sucht verstärkt auch im Leben die Gemeinschaft des Glaubens.

Gott wartet auf uns und will Segen ausgießen auf unser Tun und auf unser Leben. Ein Gemeinwesen zerfällt ohne seinen verbindenden Glauben, der auf uns von unseren Vätern überkommen ist und weitergetragen wurde. Noch steht da die romanische Kirche und bildet beziehungsreich die Mitte eures Dorfes und eurer Gemeinschaft. Sie steht da für euch. Ihre Glocken rufen.

Euch, den Angehörigen von Renate Treptow, sage ich, tragt ihr Vermächtnis weiter. Erinnert euch gern an sie. In einer ganz besonderen Weise betrifft das Dich, Sebastian. Deine Oma hat Dir großes Vertrauen geschenkt, sie hat Dir schon im Leben alles anvertraut. Achte darum auch alles, was sie geglaubt hat, denn darin kannst Du und könnt ihr alle, die Gemeinschaft mit ihr bewahren.

Darum geht es heute. Lasst die Gemeinschaft untereinander zu einem lebendigen Ausdruck davon werden, dass Ihr in Gemeinschaft mit Renate Treptow bleibt, die bei Gott Zuflucht genommen hat in ihrer Not und die in seiner Herrlichkeit zu neuer Stärke und Kraft finden wird, denn so spricht der Prophet Jeremia:

„Herr, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not!“

Amen

Der Friede des Auferstandenen bleibe alle Zeit bei euch. Amen.

Zum Paradies mögen Engel dich geleiten, die heiligen Märtyrer dich begrüßen und dich führen in die heilige Stadt Jerusalem.
Die Chöre der Engel mögen dich empfangen, und durch Christus, der für dich gestorben, soll ewiges Leben dich erfreuen.


Mit der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit allen Engeln und Heiligen und vereint mit der ganzen Kirche beten wir, wie Christus uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.


Gehet hin im Frieden des Herrn.

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.


Thomas Roloff 

Freitag, 3. Januar 2025

Auf einem Hügel - ein magischer Ort

 

Der erste wirkliche Schnee des Winters und ein Ort, wie aus dem Herrn der Ringe entsprungen. Nur daß die damals noch nicht die Gotik kannten, wie zu mutmaßen ist. Ein achteckiger zweigeschossiger Bau in gotischen Formen, bekrönt von einer Laterne mit einem Kreuz. Ein magischer Platz also, von dem wenigstens die Bilder hoffentlich eine Ahnung zu vermitteln vermögen.


Ein Gutsbesitzer aus dem Schwerinschen (unser Großherzogtum war durchaus übersichtlich, es sind wenig mehr als 10 km nördlich der Residenzstadt), weitläufig verwandt mit dem Turnvater Jahn, hatte im Gedenken an seine früh verstorbene Gattin diese Kapelle auf einem Hügel errichten lassen. Genauer gesagt, mußte er dafür den Großherzog Friedrich Franz II. zuvor um Erlaubnis bitten.

Aus dem Antrag des Eduard Rudolph Jahn vom 28. Januar 1851 an Höchstdenselben:

„Allergnädigster Großherzog und Herr!

Durch die Gnade des hochseeligen Großherzogs Herrn Friederich Franz wurde es meinem verstorbenen Vater gestattet, auf einer waldigen Anhöhe der hiesigen Feldmark, dem sogenannten Klingenberge, ein Familienbegräbniß errichten zu dürfen; es wurde die Stelle von Predigers Hand geweiht… und ruht mein verstorbener Vater daselbst einige und zwanzig Jahre.

Es verletzt mich tief, wenn ich die Stätte des Friedens, der ich vor einem halben Jahre auch mein Teuerstes, meine geliebte Gattin anvertrauen mußte bei vorkommenden Fällen stets wieder zerstoren sehn und wage ich Ew. königl. Hoheit wieder meine unterthänigste Bitte dahin auszusprechen: Euer königl. Hoheit wollen huldreichst zu genehmigen geruhen, daß ich auf dem sogenannten Klingenberge eine Grab-Kapelle, als Familienbegräbniß errichten darf.

Durch die harte Hand des Schicksals tief gebeugt, glaube ich hierin einigen, wenn auch nur schwachen Trost zu finden...“

Der Bitte wurde entsprochen, die Kapelle wurde errichtet. Aber sie wurde nie geweiht, die Angehörigen blieben vor ihr bestattet. Möglicherweise deshalb, weil der Gutsbesitzer Jahn nicht mehr sehr lange an diesem Ort verblieb. So wurde es früh zu einem gewissermaßen verwaisten Ort.


Einige Umstürze später gab es die sehr reale Gefahr, daß auch dieser Ort verschwinden könnte und allenfalls als ruinenaftes Zeichen bestehen bleiben.

Wenn etwas Schönes vor dem Verfall geretttet wird, hat das schon allein deshalb eine besondere Magie. Und dieses Wunder geschah. Aus privater Initiative, mit erkämpften Fördermitteln, aber vor allem der unglaublichen Unterstützung der umliegenden Anwohner.


Einer der wesentlich Beteiligten, Prof. Behrens von der Fachhochschule Neubrandenburg, führte mich und Freunde zu dem Ort und rollte seine Erkenntnisse und Mutmaßungen aus. Etwa, daß unser Neustrelitzer Baumeister Buttel wohl der Urheber gewesen sein müsse. (Es sind keine Unterlagen überliefert.) Ja, wer denn sonst? Selbst seine „Baufehler“ zeugen von seiner Gesinnung, mit der er Schönheit über Nützlichkeit stellte, was den Nachfahren die Sache etwas schwerer machte.

Daß der Professor und seine Gattin das Kreuz gesponsert haben, wie ich beiläufig hörte, wird ihnen zweifelsohne im Himmelreich wohl angerechnet werden.


Ach, und endlich habe ich die Gelegenheit, denen, die auf diesen letztlich etwas vernachlässigten Ort dennoch stoßen, ein 

Gesegnetes und mit Freude und Hoffnung erfülltes Neues Jahr 

zu wünschen.

 

 nachgetragen am 16. Januar 2025


Mittwoch, 25. Dezember 2024

Und wir sahen seine Herrlichkeit – Predigt zum 1. Weihnachtstag

Aachener Evangeliar, ca. 800-20, der Evangelist Johannes rechts, neben ihm sein Sinnbild, der Adler; von hier


Predigt über Joh 1,1-5.9-14

Das Wort ward Fleisch

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort 2Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. 4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen. 9Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. 10Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt kannte es nicht. 11Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, die an seinen Namen glauben; 13welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. 14Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Amen


Liebe Gemeinde,

kaum ein Text des Evangeliums hat eine vergleichbare Wirkung entfaltet. Diese Verse sind eine philosophische Weihnachtsgeschichte. Sie sind zugleich ein Bekenntnis und eine Aufnahme der Schöpfungserzählung. Schöpfung und Erlösung treten hier zueinander. Das eine ist ohne das andere offensichtlich undenkbar und wir erfahren mit dem Weihnachtsfest, warum das so ist.

Die Schöpfung drängt hin auf die Erlösung und erst die Erlösung vollendet die Schöpfung. Das, was im siebten Schöpfungstag bereits anklang, die Ruhe Gottes, wird in der Erlösung manifest.

Daher sind diese heiligen Tage von einer so großen Bedeutung für uns Menschen und für unsere Beziehung zu Gott. Immer wieder wird mit den Worten des Evangelisten gerungen. Am berühmtesten wohl die Interpretation Goethes.

Faust, Im Studierzimmer (aus Faust I):

Geschrieben steht: Im Anfang war das Wort!
Hier stock' ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muss es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Dass deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh' ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!

Wort, Sinn, Kraft und Tat sind vielleicht Bedeutungen, die allesamt in dem eingeschlossen sind, wovon hier die Rede ist. Schöpfung und Erlösung – am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Im Anfang war alles eins. Dann ist mittels des Schöpfungswortes alles aus Gott hervorgegangen. Das gesamte Universum und alles Leben sind eine Äußerung Gottes.

Gott selbst ist Ursprung und Mitte seiner Schöpfung und er umschließt sie zugleich mit der ungeheuerlichen Dimension seines geistigen Seins. Wir Menschen können davon nur stammeln und formelhaft anbeten, was uns da entgegentritt. Wir Menschen können nur verstummen, wenn wir gewahr werden, dass wir ein Teil dieses Geschehens sind. Denn in ihm, im Wort, war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Blick auf die Johanneskirche von Ephesus, von der Zitadelle von Selçuk, von hier  

Ruinen der von Kaiser Justinian über dem Grab des Johannes gestifteten Basilika in Ephesus, von hier und hier

Dies markiert den tiefen Bruch, der die Schöpfung durchzieht. Wir Menschen sind von ihm genommen und zeugen doch nicht von ihm. Dabei sind wir in die Schöpfung nur aus diesem einen Grund hineingestellt, nämlich mit unserem Leben sein Licht zu werden. Mache Dich auf und werde Licht! Unser Leben, unsere Lebendigkeit soll in der Schöpfung vom Schöpfer zeugen und als ein Licht in die Finsternis scheinen. Wir tun dies aber nicht.

Die Schöpfung wurde der Erlösung bedürftig. Darum sandte Gott seinen Sohn. Gott wurde Mensch. Er nahm Anteil an seiner bereits gefallenen Schöpfung. Den aller Welt-Kreis nie beschloss, / der liegt in Marien Schoß; Der Schöpfergott steigt in seine Schöpfung herab und wird Mensch.

Das, was durch einen Menschen in die Schöpfung hineingetragen wurde, die Gottesferne, die Entfernung von Gott, kann auch nur durch einen Menschen aufgehoben werden, durch den Menschen Jesus Christus. Mit ihm ist die äußerste Gottesnähe tatsächlich geworden.

Das ist es, was wir heute feiern. Gott hat sich in einer Weise seiner eigenen Schöpfung ausgeliefert, wie das nur Mütter ermessen können, weil sie ein Kind unter dem Herzen trugen. Gott hat sich ganz und gar in den Gehorsam, in die Liebe und in die mütterliche Fürsorge Mariens gestellt. Er war ganz der Erfüllung dessen ausgesetzt, was die selige Jungfrau am Verkündigungstag versprochen hatte: Mir geschehe, wie du gesagt hast. Dort sprach sie dasselbe Wort, das Gott am Beginn der Schöpfung sagte: FIAT, es geschehe – mir geschehe. Schöpfung und Erlösung treten hier geradezu auch wörtlich zueinander.

Der Weg zum Heil ist uns darin wieder geöffnet, dass wir an ihm Anteil nehmen. In der Weihnacht sollen wir unser Herz zur Krippe bereiten, denn er kommt in sein Eigentum. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Darin liegt die einzigartige Tat Gottes, darin werden Kraft und Sinn offenbar. Das Wort ward Fleisch.

Das Wort, das Gott selbst ist, wurde Mensch und hat dieses Menschsein nicht wieder abgelegt. Christus hat das Menschsein durch alle Abgründe des Leidens getragen und es im Tod besiegelt.

Das ist es, was wir in der Weihnacht feiern. Wir, die Geschöpfe des Allmächtigen, werden zu Kindern Gottes, zu Geschwistern des Herrn. Ganz neu soll unser Jubel anheben. Das Dankgebet ist der Sinn unseres Daseins. Darin finden wir Kraft, um ihm zu folgen. Wort und Antwort sollen im steten Wechsel klingen. Gott ruft uns in seinem Sohn und wir antworten mit unserem nun nicht mehr endenden Dank.

Anton Bruckner, Te Deum; WAB 45, Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker, Wiener Singverein, hier gefunden


Die Gemeinschaft der Dankenden wiederum ist die Kirche, die betet:

Dich, Gott, loben wir, dich, Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle, dir Himmel und Mächte insgesamt,
die Kerubim dir und die Serafim, mit niemals endender Stimme zu:
Heilig, heilig, heilig der Herr, der Gott der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde von deiner hohen Herrlichkeit.

Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
Dich der Propheten lobwürdige Zahl;
dich der Märtyrer leuchtendes Heer;
dich preist über das Erdenrund die heilige Kirche;
dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;
und den Heiligen Fürsprecher Geist.
Du König der Herrlichkeit, Christus.
Du bist des Vaters allewiger Sohn.
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht,
bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel und denen,
die glauben, die Reiche der Himmel aufgetan.
Du sitzest zur Rechten Gottes in deines Vaters Herrlichkeit.
Als Richter, so glauben wir, kehrst du einst wieder.
Dich bitten wir denn, komm deinen Dienern zu Hilfe,
die du erlöst mit kostbarem Blut.
In der ewigen Herrlichkeit zähle uns deinen Heiligen zu.

Rette dein Volk, o Herr, und segne dein Erbe;
und führe sie und erhebe sie bis in Ewigkeit.
An jedem Tag benedeien wir dich
und loben in Ewigkeit deinen Namen, ja in der ewigen Ewigkeit.
In Gnaden wollest du, Herr,
an diesem Tag uns ohne Schuld bewahren.
Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser.
Lass über uns dein Erbarmen geschehn, wie wir gehofft auf dich.
Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt.
In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.
Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unseren Herrn. Amen

Thomas Roloff

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Herr Roloff zitiert am Ende das Te Deum (deutsch: Dich, Gott, loben wir), eines der ältesten und traditionsschwersten Lob- und Bittgebete der Christenheit.

nachgetragen am 26. Dezember

Dienstag, 24. Dezember 2024

Frohe Weihnachten!

 

Frohe und gesegnete Weihnachten!