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Donnerstag, 27. August 2009

Über Desprez, Blake und eigentümliche Eigenheiten


Josquin Desprez “Mille regretz“
hier gefunden


Es ist seltsam, wenn einen andere besser verstehen als man sich selbst, aber da das eher einen persönlichen Hintergrund hat, wollen wir die Erklärung dazu ans Ende stellen.

Ich habe sicher schon einmal erwähnt, daß zu den merkwürdigen Vorlieben, die ich irgendwann einmal entwickelt habe, die für die Frühe Musik gehört. Josquin Desprez (auch Josquin des Préz genannt) war ein bedeutender Komponist der frühen Renaissance und starb am 27. August 1521. Das obige Stück ist das Chanson “Mille Regretz“, übrigens ein Lieblingswerk von Kaiser Karl V. Während das untere Beispiel eine Vertonung des 91. Psalms darstellt genauer, seiner ersten 8 Verse. Da die Vertonung auf Latein ist, wollen wir bei dieser Gelegenheit den (ganzen) Psalm in Erinnerung rufen.

Psalm91

1. Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

2. der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe!

3. Denn er errettet mich vom Strick des Jägers und von der schädlichen Pestilenz.

4. Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und deine Zuversicht wird sein unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,

5. daß du nicht erschrecken müssest vor dem Grauen des Nachts, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,

6. vor der Pestilenz, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die im Mittag verderbet.

7. Ob tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen.

8. Ja, du wirst mit deinen Augen deine Lust sehen und schauen, wie es den Gottlosen vergolten wird.

9. Denn der Herr ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht.

10. Es wird dir kein Übels begegnen, und keine Plage wird zu deiner Hütte sich nahen.

11. Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

12. daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stößest.

13. Auf den Löwen und Ottern wirst du gehen und treten auf den jungen Löwen und Drachen.

14. Er begehrt mein, so will ich ihm aushelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen;

15. er rufet mich an, so will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen.

16. Ich will ihn sättigen mit langem Leben und ihm zeigen mein Heil.



Josquin Desprez "Qui habitat"
hier gefunden


William Blake
Inferno, Canto V, 37-138, The Whirlwind of Lovers
hier gefunden

Prof. Aue war so freundlich, mich über seine neueste Übersetzung zu informieren. Es handelt sich um William Blakes Gedicht „London“, sie findet sich hier.

William Blake

To see a world in a grain of sand

To see a world in a grain of sand
And a heaven in a wild flower,
Hold infinity in the palm of your hand
and eternity in an hour.


Eine Welt zu sehn in dem Körnchen Sand

Eine Welt zu sehn in dem Körnchen Sand,
einen Himmel in wilder Blume,
hält Unendlichkeit in der off'nen Hand
und die Ewigkeit einer Stunde.

Übersetzung / Translation
von / by Walter A. Aue


Wie unschwer zu erkennen ist, handelt es sich hier um ein anderes Gedicht Blakes, den berühmten Anfang eines dann des weiteren nicht mehr so berühmten Werkes. Und warum dies, nun, er lag mit seinem Hinweis, dies sei wohl nicht meine Tasse Tee, nicht so falsch, obwohl ich erst halb widersprochen habe. Aber es wäre natürlich armselig, wenn man nur schätzen würde, was man auch mag.

Und es ist in der Tat wieder ganz bemerkenswert, was er dort auf seiner Seite zu Blakes „London“ zusammengetragen und erklärt hat. Nur irgendwie gibt es bei mir ein instinktives Zurückziehen vor dem Unerfreulichen, dem Häßlichen oder Grausamen, obwohl ich natürlich weiß, daß es ein Teil des Lebens ist und also auch zur Kunst dazugehört, ich kann mich sogar an die Faszination, die es haben muß, heranempfinden (zumal man ja oft das am interessantesten findet, was man nicht versteht oder was einem fremd ist), aber am Ende lande ich dann doch lieber bei „To see a world in a grain of sand“.