Sonntag, 6. September 2015
Sonntag & (nicht mehr ganz so misanthrophisch)
Manchmal laufen die Tage einfach doof. Gerade hat mein Lieblingsmoderator sein persönliches Ich-bin-auch-dabei-Bekenntnis zur gegenwärtigen Flüchtlings-Hysterie abgeliefert (und mein Mißfallen rührt von der fabrikmäßig erzeugten Wolke als angemessen erklärter Meinungen dazu, weniger von denen, die hier unbedingt her wollen). Daß er sich anschließend über Heilpraktiker amüsierte (die an ihrem gestümperten Zeug fast eingegangen wären), riß es nur teilweise heraus. Ich mußte wahrlich auch das erdulden (die Jungfrau ist meine Zeugin), aber im Grunde ist es die gleiche unverdauliche Sauce.
Wo wir gerade beim Essen sind: Liebe Brüder und Schwestern in Christo, die ihr dies vielleicht (wahrscheinlich) gerade lest, ich mag euch, wirklich, alle, fast, aber der vorherrschende Frömmigkeitsstil heute, man müßte jetzt sehr verschieden sprechen, aber das würde hier nicht hin passen (ich kann nur noch verlieren heute) - ich ertrage das nur mit größerer moralischer Anstrengung, wenn es über eine Stunde geht. Ich bin strukturell anders. Tut mir leid.
Die Krönung war der abendliche Besuch des befreundeten Palais-Eigentümers (alles läßt sich steigern), der seinen Geburtstag nachfeiern wollte und sich angelegentlich nach der herzoglichen Familie erkundigte. Wie gesagt, es gibt Tage, da kann man nur verlieren. Wir wollen darum versuchen, dies endlich mit Anstand zu absolvieren. Der Groll ist jetzt heraus.
Ich war, wie angedeutet, nachmittags verhindert, darum hatte ich den Nachmittag zuvor vorgekocht, etwas, das es dann doch am späten Sonntag-Vormittag gab und nicht am Abend, wie zunächst geplant. Da dürfte es sich um eine wirkliche Premiere handeln. Obwohl, die andere Variante - Gemüsesuppe mit Kognak + wenig komfortable Bilder... Da muß die Vorsehung mitgespielt haben.
Frau W. und ich haben also ab 11.29 Uhr das folgende eingenommen: Eine Gemüsesuppe.
Ich hatte Speck ausgelassen, den schwarzen Rest entsorgt, darin (also nicht im Rest) Zwiebeln angebraten, eine, leider fertige, Mischung Suppengemüse hineingeworfen, das andere zuvor mit Fond abgelöscht. Dazu frischer Thymian und Rosmarin, Oregano, Bohnenkraut, Balsamico-Essig, ein Eßlöffel Honig und noch anderes Zeug (meine Erinnerung verläßt mich bereits). Und fette Würste, die ich ebenso nicht mag, die mußten gleichfalls darin auslaugen (an Geschmacksverstärkern dürfte folglich kein Mangel bestanden haben).
Mit Ach und Krach schaffte ich es zum vereinbarten Treffpunkt für, siehe oben, aber Frau Mutter erzählte mir später, die hochbetagte Nachbarin habe in der Küche in den Topf geguckt und anschließend nicht eher Ruhe gegeben, bis sie als Beute etwas davon mit sich davon tragen konnte, um eine Stunde später quasi euphorisiert zurückzukehren, immerhin also das.
Abgesehen vom nicht ganz mißlungenen Essen, wo bleibt das Positive? Zunächst, im Strauß oben war etwas von hier, und dann: Meine Zuflucht liegt einfach im Schönen, und für die Frommen unter uns, die hat auch der Herrgott hervorgebracht. Und das ist mein unendlicher Ort, zu sein.
Mittwoch, 2. September 2015
Auch dieses Schiff versank
Mitunter gelingt es sogar Frau W. noch, mich zu verblüffen. Eine betagte Besucherin hatte sich kürzlich empört, da habe sie doch tatsächlich erst jüngst hier im Hause eine Fahne des letzten verflossenen Regimes gesehen (Schwarz-Rot-Gelb mit dekorativem Innenleben also).
Man schloß sich allgemein der Empörung an, und ich wandte ein: Nun ja, in meinem „Flügel“ stünde auch allerlei Historisches herum; so etwa ein Wimpel in Blau-Gelb-Rot und einer in Schwarz-Weiß-Rot (ein authentisches Stück aus dem letzten Kaiserreich, das mir einmal ein Potsdamer Antiquitätenhändler als Zugabe freundlicherweise schenkte).
Das wäre ja wohl etwas völlig anderes, denn, so ihr schlagendes Gegenargument (und sie hat sich noch nie für "Politik" interessiert): Blau-Gelb-Rot – das seien die Mecklenburger Farben, und Schwarz-Weiß-Rot eine deutsche Fahne...
Mein Gott, was muß das Vergangene noch mächtig gewesen sein, damals, vermutlich um 1970, umschlossen von einem dazu ganz feindselig anderen Vergangenen, nunmehr, in den Zeichnungen eines vielleicht 8jährigen. Aber der Geist hat halt seine ganz eigenen Wege.
Da sitzen wir nun also am Sedan-Tag und gedenken der Trümmer unseres Vaterlandes. Was hätte es für ein großartiges Jahrhundert werden können. Wenn unsere Vorfahren nur den Krieg gewonnen hätten, oder ein Patt herausgeschlagen, oder besser noch, zuvor einfach nichts getan, einfach nichts, außer Abwarten. Ich meine den ersten verheerenden, im vergangenen Jahrhundert.
Das böswillige Märchen von der deutschen Alleinschuld hat Sir Christopher Munro Clark hinreichend eliminiert. Daß er aus den Fakten keine Wertungen ableiten mochte, mein Gott, er ist Australier und hat immerhin das getan, was einen Historiker, früher, auszeichnete (deshalb haben wir aus hygienischen Gründen auch nicht auf den deutschsprachigen Artikel in einem beliebten Medium dazu verwiesen). Unsere Vorfahren waren leider in gewisser Weise so naiv, Begriffe wie „Ritterlichkeit“ noch ernst zu nehmen, vielleicht waren sie einfach zu jung im Geschäft (die „verspätete Nation“ usw.).
Zudem konnte man sich nicht mehr vorstellen, daß es das wirklich Böse in diesem höchst-kultivierten Europa noch geben könne. Nun ging die Zeit über sie hinweg. Und anschließend mußte so eine noch größere Lüge über die vorige gestülpt werden, um die erste zu verbergen (Versailles).
Das wissen wir heute alles besser. Wie man zu allen Zeiten anschließend alles besser wußte (z.B. indem man einen „entlarvenden“ Text von Heidegger (den ich nicht mal mag, soviel Privatheit muß erlaubt sein) triumphierend hervorzieht). Aber das war sehr beiläufig.
In den Trümmern des Vaterlandes gedenken wir also heute eines Etwas, dem wir noch immer angehören. Wir waren aus der Zeit gefallen, wohl von Geburt an. Darum müssen wir auch nicht so sehr der Gegenwart anhängen. Aber trauern dürfen wir, das gestehen wir uns aus eigener Vollmacht zu, wie über das Vergangene so auch über das Zukünftige.
Frankfurt am Main, Goetheplatz mit dem Hotel zum Schwan,
die 25-jährige Jubiläumsfeier des Sedantags am 2. September 1895,
Deutschlands Riesen bei Sedan
Zu Sedan auf dem Turme beim welschen Kriegspanier
Steht mit verschränkten Armen ein junger Offizier.
Sein Blick schweift in die Runde, der Feind steht vor dem Tor,
Doch deckt ihn noch im Tale des Morgens Nebelflor.
Nur drüben auf der Höhe, südlich von Frenoir,
Hebt sich vom Morgenhimmel ein Umriß, deutlich klar.
Zwei Riesen, scheint es, halten für Deutschland hier die Wacht,
Reglos wie angewurzelt, still-düster wie die Nacht.
- Er hebt das Glas zum Auge und stellt es schärfer ein:
,Was Teufel, seh' ich richtig! Das muß Graf Moltke sein!
Mit eingekniffnen Lippen, das Fernrohr in der Hand,
Nimmt er wohl schon zum voraus Besitz von unserm Land!
Und neben ihm der Hüne, das muß Graf Bismarck sein!
Nur eine deutsche Eiche hat solchen Wuchs allein.
Vraiment! Ich kenn' ihn wieder. Das ernste Angesicht
Und diese hohe. Stirne, die zwei vergißt man nicht.`
Sedan, nun Gott befohlen! Der Tag wird schwer und heiß!
Nun, Frankreichs müder Kaiser, gib alle Hoffnung preis!
Dort stehen Deutschlands Riesen, zwei Säulen stark und schlicht.
Sie siegen oder fallen, ein Drittes gibt es nicht.
Da löst sich aus der Stille schon ein Kanonenschlag
Und grüßt mit Donnerstimme den angebrochnen Tag.
Nun singen tausend Vöglein, aus Stahl und Blei gedreht,
Nun summen tausend Bienen, wo nur ein Franzmann steht.
Ein Regen von Geschossen fällt nieder auf das Land,
So ging einst Sedan unter im heißen Schwefelbrand.
Und immer enger schloß sich der deutsche Eisenring,
Bis an des Turmes Zinne das weiße Banner hing.
Da reckte Bismarck höher den stolzen Gliederbau
Und ließ das Auge schweifen empor zum Himmelsblau.
Graf Moltke hielt den Degen und legte Hand in Hand
Und sprach den schlichten Segen: "Herr, Du hast es gewandt!"
Hermann Dressier, Illustrierte Westdeutsche Wochenschau, 1910
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Sonntag, 30. August 2015
Sonntag &
Herr Pohlmann aus Neubrandenburg, der getreu seit Jahren die hier vorfindbaren Sonntagsbanalitäten verfolgt (mit Ausnahme der geistlichen Beiträge mutmaße ich mal, die selbstredend, da selten von mir, nicht banal sind) hätte mich mit seinen letzten Kommentaren fast dazu gebracht, eine Sülze zu versuchen. Nicht, daß ich die besonders mag, aber das kann ja kein Ausschlußkriterium sein.
Es fand sich aber eine Alternative, eine Quasi-Sülze, von Frau Reimer-Meißner aus Rödlin zubereitet, die mag ich auch nicht, die Sülze, die sich tatsächlich Aal in Gelee nennt. Darauf hatte Frau W. nämlich schlagartig großen Appetit, ich habe keine wirkliche Ahnung, wie es geschmeckt hat. Der Aal war ihr jedenfalls ein wenig zu verkocht. Der Einwand verwunderte, wo sie es sonst immer gern sehr weich hat, andererseits mochte sie der Nachbarin nichts abgeben, also war's wohl nicht so schlecht. Sie erschrak ein wenig über den (moderaten) Preis der Delikatesse, aber auf mein Nachfragen stellte sich schnell heraus, daß sie als Vergleich noch die Preise von 1890 im Kopf hat, oder so. Als Kind mußte sie in Weichselmünde jedes Wochenende Aal essen. Es hat also wohl auch eine nostalgische Note. Mein eigener Beitrag dazu war lediglich der darüber gestreute Schnittlauch.
Wo wir schon mal beim Fisch waren, habe ich dann noch ein Stück Lachs mitgebracht und auf Thymian mit Rosmarin in Butterschmalz im Ofen gegart, obenauf Dill. Das war nicht ganz schlecht. Aus dem Sud ließ sich sogar noch unter Beigabe von Kräuter-Schmelzkäse eine kleine Sauce zaubern. Gut "zaubern" ist leicht hochgestapelt.
Dazu Reis mit etwas Butter zuoberst. Beim Lachs fehlen diesmal die Zitronen. Der Grund ist banal, die sind in den Mohrrüben versteckt, genauer, deren Saft, zusammen mit Weißweinessig und einem Eßlöffel Honig (ich vergaß ganz, ich hatte sozusagen noch einen Industrie-Apfel mit hineingerieben, es ist unglaublich, wie Äpfel in diesen Zeiten nach – nichts schmecken können).
Das war's. Keine geistreichen Verrenkungen zum Schluß. Eine Allerweltsgeschichte gewissermaßen. Und nur die Strelitzie auf der Serviette deutet an, daß sie in Neustrelitz stattfand.
A “translation” added the following Monday evening
Mr Pohlmann from Neubrandenburg, who faithfully already follows for years my boring Sundays concerning news (except for the spiritual contributions I presume (he just has denied it), well they are of course usually not banal at all, since I'm rarely the author), has almost prompted me with his last comments to try something like a brawn in aspic jelly. Not that I particularly like it, but this may not be an exclusion criterion.
But there was an alternative, a quasi-brawn Mrs Reimer-Meissner, a fisher-woman from Rödlin, prepared for us, which I also don't like that much, the brawn, it's actually called eel in jelly. I have to blame dear Mrs W. for it, she was suddenly invaded by the desire for eel in jelly. I have no real idea how it tasted. The eel was overcooked a little in her opinion. The objection was surprising a bit because meanwhile she likes all eating stuff rather very soft, on the other hand she refused to share something with the neighbour when I proposed it, so it was probably not so bad.
She startled a little bit about the (reasonable) price of the delicacy, but my inquiries made it quickly apparent she still compares prices with those of 1890, or so. As a child she had to eat eel in Weichselmünde, her birthplace in Prussia, every weekend. It has therefore probably a nostalgic note. My own contribution was only to sprinkle chives over the eel.
Since we were already at the fish place I brought a piece of salmon as well and cooked it in butter with thyme, rosemary and dill on top in the oven. That was not all bad. From the gravy I could even with the addition of some herbal soft cheese “conjure” a little sauce. Well "magic" is certainly stacked high.
Served with rice and a little butter on top. The salmon was missing the lemons this time. The plain reason, they are hidden in the carrots, more accurately, the juice, along with white wine vinegar and a tablespoon of honey.
That's it. No witty fakery finally. Just the ordinary story it is. And only the Bird of Paradise on the napkin indicates it took place in Neustrelitz.
Dienstag, 25. August 2015
Religionen sind Ausdruck des menschlichen Umgangs mit der Wirklichkeit Gottes - Navid Kermani
St Andrews Cathedral Ruins from the Front
Zwischen diesen Nachrichten von Tempelsprengungen, man darf das gern absurd finden, wenn ich glaube, sie jedes Mal zu spüren, ein verblüffendes Interview mit Navid Kermani. Das hat zum einen meinen festen Groll gegen den Islam gemildert (das trifft es nicht) angesichts der Menschen, die darin aufgewachsen sind. Er hat mir aber vor allem, hoffe ich, einen Schlüssel an die Hand gegeben (nach dem ich lange gesucht habe), wie man diesen Abschaum (und zugleich anderen, der meinte St. Andrews oder Cluny zerstören zu dürfen, der gerechte Gott wird beider Verworfenheit strafen am Ende der Zeiten) weise verachtet und zugleich fromm zu erklären vermag, warum.
„Sie (die Wahhabiten) zerstören… nicht nur die Gräber der Heiligen, verbieten... nicht nur die mystischen Formen der Religion, sondern überhaupt die traditionelle Kultur und Architektur. Sie haben nicht den geringsten Respekt vor der Vergangenheit, weder als ästhetisches Gefüge, noch für die klassische islamische Gelehrsamkeit, und schon gar nicht für die Volksfrömmigkeit.“ Man denkt, er spräche von Maoisten und Anverwandten.
„Ich glaube, es gibt zwei Dimensionen, wo sie (die Religion) etwas Elementares zum Leben beizutragen hat: die ethische Dimension und eben die ästhetische. Aus Nächstenliebe und Barmherzigkeit tun religiöse Menschen Dinge, die 'man' normalerweise nicht erwarten würde... Also, die Liebe, das ist das eine, das Beispiel der Nächstenliebe, wenn es in den Religionen gelebt wird. Und das andere ist eben der ästhetische Reichtum der Religion.“
Das deutet nur die Richtung an, und ich forsche eben gerade sehr nach Begriffen, die die dahinter auffindbare Wahrheit begreifbar machen. Das „Ästhetische“ klingt einfach nicht wesentlich genug, wo es das doch so sehr ist. Aber wahrscheinlich werde ich eher gleich einschlafen, darum zuvor dies. Ach, einen Nachtrag gibt's auch, und hier endlich das Gespräch.
St. Andrews, Ruine der Kathedrale und Friedhof
Sonntag, 23. August 2015
Sonntag &
Da ich gestern in vornehmer Gesellschaft fast meinen Teller zu Boden geworfen hätte (es war sehr warm, die Gabel, wie auch immer, mit ihrer unteren Seite in meine Richtung gerutscht, so daß ich mich beim Beiseite-Schieben eher darauf stützte, die Hebelwirkung machte u.a. höllischen Lärm, ich höre den kollektiven Aufschrei von inklusive 2 mecklenburgischen Herzoginnen immer noch, das Leben halt + ich bin einfach zu ungeschickt für diese Welt), dachte ich, dann sind wir eben heute erst recht rustikal.
Sprich Schnitzel, in deren Eigelb-Ummantelung sich allerdings ein paar Kräuter verirrt hatten. Obendrauf Spiegeleier und Zitronenhälften (je nach Vorliebe). Blumenkohl mit Muskat. Aus dem Eisgefängnis wiedergefundener weihnachtlicher Rotkohl (der überraschend gut war).
Oh und ich habe in Mirow meiner kitschigen Teetassen-Sammlung ein weiteres Objekt zugefügt, hier einmal in gnädigem,
und dann in realistischem Licht,
aber so können wir nicht enden (Realismus ist schließlich auch nur ein weiterer Name für Illusionen). Das Essen selbst war übrigens gar nicht übel, es war auch ein Wunschessen (nicht von mir), offensichtlich waren andere Erinnerungen da nicht allzu verheerend.
Dann werde ich also den Füllfederhalter aufschrauben und weitere Erinnerungen aufzeichnen, wofür immer das gut sein mag.
Since yesterday I had the privilege to attend a circle of noble and distinguished people (it's bad English I know) while have thrown almost my plate to the ground (it was very warm, the fork, however, slipped with its lower side in my direction, so when I pushed it aside rather leaned it forward, and it made an infernal noise, I can still hear the collective outcry of including 2 Mecklenburg duchesses; well that's life + I'm just too clumsy for this world), I thought, then we want to be really rustic today.
In other words a “Schnitzel”, in the yolk-shell, however, were lost a few herbs. On top fried eggs and lemon halves (depending on your preference). Cauliflower with nutmeg. In the icy prison I found Christmassy red cabbage (which was surprisingly good).
Oh and I have added from Mirow to my kitschy mug collection another object here once gracious, and then in realistic lighting, but we can't end this way (finally realism is just another name for illusions). The dish itself wasn't that bad by the way, it was a wished dish btw. (not by me), obviously the memories weren't too devastating.
Then therefore I will unscrew the pen trying to find more worthwhile memories, whatever it may be good for.
Über Heilung – eine Predigt
Während ich noch etwas müde den gestrigen Tag sortiere, den Gottesdienst in der Stadtkirche auslasse (tut mir leid) und stattdessen gerade dem Pastor Olaf Latzel von der St. Martini Gemeinde zu Bremen zuhöre (hoffentlich erzählt er nicht wieder, ich müsse fest glauben, daß die Welt in mathematisch exakt 6 Tagen geschaffen wurde, Nachtrag: Nein, hat er nicht, es war hörenswert) – die kurze Predigt, die Herr Roloff wohl gerade hält. Ich habe jedenfalls keine anderen Nachrichten.
Predigt zum 12. Sonntag nach Trinitatis
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen
Und da er wieder ausging aus der Gegend von Tyrus und Sidon, kam er an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der zehn Städte.
Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte.
Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und spützte und rührte seine Zunge und sah auf gen Himmel, seufzte und sprach zu ihm: Hephatha! das ist: Tu dich auf!
Und alsbald taten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge war los, und er redete recht.
Und er verbot ihnen, sie sollten's niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten.
Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.
Mk 7, 31-37
heute vor genau 25 Jahren beschloss die Volkskammer in Berlin den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik nach Artikel 23 des GG zum 3. Oktober 1990. Im Rohbau des wiedererrichteten Stadtschlosses findet darum heute eine Festveranstaltung statt. Ohne Zweifel war das einer der bedeutendsten Beschlüsse der deutschen Parlamentsgeschichte. Es war ein Beschluss, der uns aus der Nachkriegszeit tatsächlich in eine Friedensordnung führte.
Man kann diesen Teil unserer Geschichte auch als einen Prozess der Gesundung betrachten und sich darin unserem heutigen Evangelientext annähern.
Ganz bewusst hat die Kirche ihn in den Zusammenhang mit dem Prophetenwort Jesajas und der Bekehrungsgeschichte des Paulus gestellt, die wir als Lesungen gehört haben.
Es geht um ein umfassendes Heil-Werden des Menschen und der menschlichen Gemeinschaft.
Folgen wir zunächst dieser im wahrsten Sinne „anrührenden“ Geschichte der Heilung des Taubstummen.
Sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war.
Das ist es immer, was erforderlich ist, dass wir Freunde haben, die wissen, was erforderlich ist, was helfen könnte in einer Lebenslage, in der wir uns selbst nicht mehr zu helfen wissen. Ein Mensch ist taub und stumm. Wie kann er da am Leben teilnehmen? Es ist ein großes Glück, dass er Gefährten um sich hat, die für ihn Hoffnung fassen und ihn zu dem bringen, von dem sie aus welchen Gründen auch immer glauben, dass er helfen kann.
Sie baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege.
Das was sie ahnen, vielleicht schon anderswo gesehen oder davon gehört haben ist, dass der Kranke berührt werden muss. Wer in die Nähe dieses wandernden Menschen kommt, der wird zum Guten verändert werden. Das ist ihnen ganz unzweifelhaft.
Und er nahm ihn aus der Menge beiseite…
Das ist vielleicht der alles entscheidende Punkt. Der Herr nimmt den Betreffenden aus der Menge. Er macht ihn zum Individuum, zu seinem Gegenüber. Hier wirkt nicht der Herr über die Menge, der sich durch seine Wunder Respekt und Achtung, Treue und Gefolgschaft sichern will. Das alles hat Christus nicht nötig. Hier wirkt der Mensch gewordene Gott, der den einen aus der Menge nimmt und der die Macht hat, ihn anzureden. Ich und Du, wir verbinden uns. Hier beginnt die Heilungs- und Glaubensgeschichte.
…und er legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel.
Wir erfahren hier ein wenig davon, dass Christus tatsächlich irgendwelche medizinischen Kenntnisse besessen hat. Er heilt hier nicht einfach durch sein Wunder wirkendes Wort, er macht da etwas mit dem Kranken. Wir erfahren nur das, was die Umstehenden aus entsprechender Entfernung gesehen haben, oder was der Kranke selbst gewahr geworden ist.
… und sah zum Himmel auf seufzte und sprach zu ihm…
Hier wird uns Christus als Herr der ganzen Welt offenbart. Dies ist nämlich der Augenblick seiner Mittlerschaft.
Er ist der alleinige und einzige Mittler zwischen Himmel und Erde, zwischen Mensch und Gott. Hier bekommen wir es vor unsere Augen gestellt, dass Christus Himmel und Erde berührt und eine unzerstörbare Verbindung zwischen beiden stiftet, in der wir heil werden.
Hefata! Tu dich auf!
Er sagt es und es geschieht. Wie im Akt der Schöpfung der Welt. Es wird ganz klar und deutlich: Unser Erzählen vom Schöpfer der Welt, vom inneren Zusammenhang der Dinge und vom Sinn des Glaubens ist kein spekulatives Gerede, sondern es betrifft den einen Menschen, der aus der Menge genommen ist und der Du bist.
Verkündet es aller Welt, dass sie heil werden kann. Sagt es den Menschen, dass sie gerettet sind.
Alles was der Herr hier tut, ist die Erfüllung der Prophetie, die der Menschheit von Anfang an gegeben war. Alles was der Herr tut, macht deutlich, dass das Wirken des Schöpfers kein Ende gefunden hat, sondern auch und gerade in der Erlösung aller Dinge neuen Ausdruck findet.
So beten wir darum für unser Volk und für unser Land, dass wir uns nach Gesundheit, nach Heil-Werden, nach Wiederaufrichtung und nach Wachheit sehnen – wozu wir auch durch den Lauf der Geschichte wieder alle Möglichkeiten geschenkt bekommen haben. Lasst uns so auch das Zeugnis des Glaubens aufrichten, wie Jesaja es verheißen und wie Paulus es an sich erfahren hat.
Wie sollten wir uns da berauschen an Zerfall und Niedergang, so als wäre das Schwinden der Ordnungen des Glaubens und der christlichen Kirche gleichsam ein Befreiung und ein Glück.
Nein, vielmehr wird es ein „Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern wird es aus sein. Und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten.“
Das ist es, was wir als Christen erhoffen und warum wir beten. Wir glauben an den, der uns aufrichtet und der alle Menschen gesund machen will und wird.
So spreche denn auch ich: Hefata! Tu dich auf!
Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unseren Herrn.
Amen
Thomas Roloff
Samstag, 22. August 2015
Varia
An diesem Sonnabend-Abend hatte ich eine Art von Epiphanie. Tut mir leid. Schreiben mochte ich (Tage später) eigentlich nicht mehr darüber, selbst meine elektronische Schreibhilfe fiel mir bei diesem Anlaß in den Arm (und zernichtete einiges). Und rekonstruierte Ekstasen wirken doch immer leicht hölzern-albern. Also lassen wir das.
Was wahr ist - nach einem merkwürdigen Tag arbeitete ich mich den Schloßgarten empor, ohne Kamera, und mir fiel der Unterkiefer herunter; mein Gott soviel Schönheit. Erneut. Die filigranen Schatten der Bäume vor der künstlich angeleuchteten Hauptfassade. 'Deine Kamera ist viel zu doof dafür, das einzufangen', dachte ich noch, 'versuche es mit Worten', ich eilte nach nebenan, holte die Kamera. Ja. Das Ungenügen halt, in beidem. Aber.
In solchem Moment wird die Schloßkirche zu dem Ankerplatz für den Ort, wo einem nichts mehr widerfahren kann. Gebaute Schönheit umgreift Gott, es ist eine Begegnung und darin ein Austausch von Würde. Und solches erleben zu dürfen, zählt allein. Das nicht mitteilen zu können, wie gesagt, es tut mir leid.
Noch einige weitere Bilder (aus diesem Anlaß, also aus Mirow, die Strelitzer Herzöge sind dort in der Johanniterkirche begraben, jährlich gibt es deshalb eine Gedenkandacht), aber das wäre eine andere Geschichte (und meine ursprünglichen Gedanken dazu sind sehr wahrscheinlich nun völlig zurecht verschollen).
geschrieben am 25. August
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