Dienstag, 23. August 2016

Über vorzeitige Melancholie


Agnes Miegel

Frühherbst

Die Stirn bekränzt mit roten Berberitzen 
steht nun der Herbst am Stoppelfeld, 
in klarer Luft die weißen Fäden blitzen, 
in Gold und Purpur glüht die Welt.

Ich seh hinaus und hör den Herbstwind sausen, 
vor meinem Fenster nickt der wilde Wein, 
von fernen Ostseewellen kommt ein Brausen 
und singt die letzten Rosen ein.

Ein reifer roter Apfel fällt zur Erde, 
ein später Falter sich darüber wiegt - 
ich fühle, wie ich still und ruhig werde, 
und dieses Jahres Gram verfliegt.


Early Autumn

With crimson barberries adorned, stands dashing 
the Autumn at the stubbled ground, 
in clearer air the silver threads are flashing 
and gold and purple in the world abound.

I'm looking out where autumn winds are soughing, 
through vines that touch my window with a sigh, 
far, far away I hear the Baltic laughing 
and singing my last rose a lullaby.

A red, ripe apple from the tree descended, 
a tardy butterfly above it sways - 
I sense how this year's grief has ended 
and how my quiet silence stays. 

Translation by Walter A. Aue

Ein wenig zu früh für ein Herbstgedicht? Nun, mitunter bricht das Unzeitgemäße einfach vorzeitig ein. Die unglaublich verdienstvolle Sammlung von Übersetzungen des Prof. Aue ist jetzt tatsächlich verschwunden. Eine Barbarei von Verantwortlichen der Dalhousie University in Nova Scotia, an der er zuletzt gelehrt hatte. Ob er die Kraft aufbringen kann, das alles noch einmal zugänglich zu machen; ich weiß es nicht.

Mein langsames Verstummen hier hat seine eigenen privaten Gründe, mit denen ich aber niemanden behelligen mag.

Mittwoch, 10. August 2016

Ein Traum, ein Traum ist unser Leben


Jännerwein - Hoher Gesang

Johann Gottfried Herder

In Mitte der Ewigkeit

Ein Traum, ein Traum ist unser Leben 
auf Erden hier. 
Wie Schatten auf den Wogen schweben 
und schwinden wir.

Und messen unsre trägen Schritte 
nach Raum und Zeit; 
und sind (und wissen's nicht) in Mitte 
der Ewigkeit... 


Within Eternity

A dream, a dream is our being 
of mortal clay, 
like shadows on the road we're fleeing 
and fade away.

We measure progress by the ride of 
an hours' strife, 
and live - and know not - right inside of 
eternal life... 

Translation by Walter A. Aue

Bei den „trägen Schritten“ stehen eigentlich „Tritte“, aber ich fand, das spricht sich nicht gut, es ist der Anfang von „Amor und Psyche auf einem Grabmal“, und der Rest ist, nun ja, aber das soll ja öfters vorkommen, daß ein Gedicht großartig beginnt, um dann erbärmlich abzusaufen.

Und in einer anderen Variante schweben Schatten auf den „Wegen“. Dieser eine Buchstabe macht einen großen Unterschied und findet sich in der Übersetzung wieder. Beides hat sein Recht und seinen Reiz. Auf dem Wasser kann man versuchen, ein Boot zu steuern, wenn es einen denn läßt. Wege scheinen verläßlicher. Und da kommt einem natürlich Hölderlin in den Sinn mit seinem kaum ergründlichen „Spieluhrvers“. Einer der tiefgründigsten deutscher Sprache, so man sich kurz fassen will.

Friedrich Hölderlin

Die Linien des Lebens

Die Linien des Lebens sind verschieden, 
Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen. 
Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen 
mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden. 


The Lines of Life...

The lines of life are different, they sever 
just like the roads, just like the mountain ranges. 
What here we are, a God molds there - and changes 
us toward reward and joy and peace forever.  

Translation by Walter A. Aue

Do not go gentle into that good night



Dylan Thomas

Do not go gentle into that good night

Do not go gentle into that good night, 
Old age should burn and rave at close of day; 
Rage, rage against the dying of the light.

Though wise men at their end know dark is right, 
Because their words had forked no lightning they 
Do not go gentle into that good night.

Good men, the last wave by, crying how bright 
Their frail deeds might have danced in a green bay, 
Rage, rage against the dying of the light.

Wild men who caught and sang the sun in flight, 
And learn, too late, they grieved it on its way, 
Do not go gentle into that good night.

Grave men, near death, who see with blinding sight
Blind eyes could blaze like meteors and be gay, 
Rage, rage against the dying of the light.

And you, my father, there on the sad height, 
Curse, bless, me now with your fierce tears, I pray. 
Do not go gentle into that good night. 
Rage, rage against the dying of the light.


Geh Du nicht sanft in jene Gute Nacht

Geh' Du nicht sanft in jene Gute Nacht, 
Das Alter soll ein Loh'n, ein Wüten sein: 
Zürn, zürn dem Dunkeln Deiner Sonne Pracht.

Die Weisen akzeptier'n des Dunkels Macht, 
Doch, weil ihr Wort verlor des Blitzes Schein, 
Geh'n sie nicht sacht in jene Gute Nacht.

Die Guten, schon entlaubt, erzähl'n entfacht 
Von sünd'ger Taten Tanz im grünen Hain, 
Und zürnen ihrem End der Blütenpracht.

Die Wilden, die den Flug der Sonne mitgemacht 
Und seh'n, zu spät, sie ließen sie allein, 
Sie geh'n nicht sanft in jene Gute Nacht.

Die Ernsten, nah dem Tod zum Seh'n erwacht, 
Daß lodern kann auch blinder Augen Schein, 
Sie zürnen ihrem End' der Lichterpracht.

Und Du, mein Vater, Deinen Flug vollbracht, 
Wein' Fluch und Segen jetzt dem Sohne Dein; 
Geh' Du nicht sanft in jene Gute Nacht: 
Zürn, zürn dem Dunkeln Deiner Sonne Pracht! 

Translation/ Übersetzung
by / von Walter A. Aue

Herr Prof. Aue, dessen Übersetzung ich heute Morgen unbedingt noch bringen wollte, hat hier im Kommentar erklärt, warum seine verdienstvolle Seite jeden Augenblick verschwunden sein wird. Wir sind selbst etwas müde derzeit, da paßte Herr Dylan Thomas ganz gut.

Dienstag, 2. August 2016

Wo die Affen herstammen, eine erzählte Geschichte

Albrecht Dürer, Melencolia 

Wenn man müde ist, fällt einem vieles wieder ein. Die Erzählungen von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann etwa treiben zuverlässig die Tränen ins Gesicht Aber dafür haben wir weit später immer noch Zeit. Nicht hier.

Die Unterhaltungen mit Herrn Roloff laufen in der Regel darauf hinaus (ich denke, das kann man hinreichend zuverlässig mutmaßen, also ist es nicht indiskret), daß wir nach wenigen Kontroversen einig darüber sind, was für ein angenehm, wohl eingerichteter und aufblühender Ort die Welt, mindestens aber Deutschland, doch wäre, wollte man unseren gemeinsamen Grundsätzen und Einsichten folgen. Nur über die praktischen Folgen geraten wir regelmäßig, wenn auch nicht übermäßig, auseinander (Kann man Rußland ausrechnen? Ist der Gott der Muslime auch unser Gott? Nun ja).

Ohne auf unser Räsonieren und (mein) Bramarbasieren im Detail einzugehen, heute habe ich etwas gelernt, und wollte es daher ganz schnell mitteilen (lieber würde ich meine nicht ganz unbedeutenden (des Gegenstandes wegen, nicht auf Grund meiner akzidentiellen Person) Nachträge zu einem gewissen Ende schreiben). 'Wenn der menschliche Geist durch kulturelle Anstrengungs-Bereitschaft nicht ausgelastet ist, fällt er auf sich zurück und verfällt' oder so. Wir kommen darauf zurück.

An sich mag ich diese Attitüde des: „Wie ich hier und hier schon mehrfach zutreffend geschrieben habe,“ - sehr völlig nicht. Aber in diesem Fall geht es eben nicht um mich; ich bezweifle auch zunehmend, daß ich das alles über die Jahre selbst geschrieben habe. Deshalb muß ich mich wohl immer wieder selbst „Googeln“.

Was ich gesucht hatte, kam durch ein falsches Wort auf ein wirklich herrliches Stück 19. Jh. Berlin. Doch „Des Vetters Eckfenster" von E. T. A. Hoffmann hatte ich gesucht, und war der geronnenen Überzeugung, darüber Gescheiteres geschrieben zu haben War wohl nur mal in meinem Kopf, hoffentlich. Ein falscher Fehler.

Aber. Es ist schon schön.“Nante. O ja Herr Criminell, die Sache verhält sich sich so, wie Sie mir gefragt haben, erst ledig gewesen, un nu verheirathet noch sind. Jetzt habe ick 'ne Frau, ick bin mit ihr 6 1/2 Jahre verheirathet, wenn wir noch 1/2 Jahr beisammen bleiben, können wir den 7jährigen Krieg miteinander feiern...“

"'Dieser Markt', sprach der Vetter, 'ist auch jetzt ein treues Abbild des ewig wechselnden Lebens. Rege Tätigkeit, das Bedürfnis des Augenblicks trieb die Menschenmasse zusammen; in wenigen Augenblicken ist alles verödet, die Stimmen, welche im wirren Getöse durcheinanderströmten, sind verklungen, und jede verlassene Stelle spricht das schauerliche: ›Es war!‹ nur zu lebhaft aus' ".

Ich hab's noch mal gelesen, aber ich mag nicht, könnten sie einem nicht einen Hammer auf den Kopf schlagen mit der Mitteilung, und ab jetzt bist Du selber klug? Ich schreibe gerade nur gegen meine Müdigkeit an. Bin auch gleich fertig.

Das angeführte Zitat (selbst der alte Link dorthin ist mittlerweile falsch; glaube nicht, daß ich da zu abwesend war *grr), 2 Monate vor seinem Tod. Das ist eine wundervolle kleine Erzählung...

„'Aber dies Fenster ist mein Trost, hier ist mir das bunte Leben aufs neue aufgegangen, und ich fühle mich befreundet mit seinem niemals rastenden Treiben. Komm, Vetter, schau hinaus!'

Ich setzte mich, dem Vetter gegenüber, auf ein kleines Taburett, das gerade noch im Fensterraum Platz hatte. Der Anblick war in der Tat seltsam und überraschend. Der ganze Markt schien eine einzige, dicht zusammengedrängte Volksmasse, so daß man glauben mußte, ein dazwischengeworfener Apfel könne niemals zur Erde gelangen.

Die verschiedensten Farben glänzten im Sonnenschein, und zwar in ganz kleinen Flecken, auf mich machte dies den Eindruck eines großen, vom Winde bewegten, hin und her wogenden Tulpenbeets, und ich mußte mir gestehen, daß der Anblick zwar recht artig, aber auf die Länge ermüdend sei, ja wohl gar aufgereizten Personen einen kleinen Schwindel verursachen könne, der dem nicht unangenehmen Delirieren des nahenden Traums gliche...“

Das geht sehr tiefsinnig so weiter. Aber wer bin ich, das zu erklären.

Und jetzt werden wir erleichtert endlich wieder banal: Junge Menschen, die quietschen, "Ich habe 10!", ein anderer, der heute vormittags an meinem Fenster vorbei humpelte (Baugrube übersehen, oder war es nur der Bordstein? Daß Schnitzeljagd wieder so aufregend werden könnte...).

Her R. noch einmal: Wenn die menschliche Natur nicht kulturell angestrengt wird (oder so), vor allem durch den Glauben, eine schöpfungsmäßig verankerte Ordnung nicht mehr wiedererkennt (man ahnt die Richtung und sinkt nach hinten)... Dann ja, fällt alles zurück.

Und darum ist es eine bewiesene Tatsache, daß der Mensch nicht vom Affen abstammt: Sondern der Affe vom Menschen (hm, aha?); bewiesen durch das alte unergründliche Wissen der Märchen. Es stimmt übrigens, nur ist es in seinem Fall die Variante der Brüder Grimm, folgend dem Hans Sachs. Es taucht verschiedentlich, natürlich variiert, auf. Die nachfolgende Variante ist böhmisch. Ich bezweifle zwar ihren Volkscharakter, aber man muß es auch einmal auf sich beruhen lassen können. Es ist wunderschön:

Volksmärchen aus Böhmen

Eines Tages kam Jesus, der Herr, mit St. Peter zu einem Schmiede, der eben vor dem Amboß stand und glühendes Eisen schmiedete. Vor der Schmiede aber saß ein sehr alter Mann und wärmte sich in der Sonne, und das war des Schmiedes Vater. Jesus der Herr bat den Schmied um eine milde Gabe; der hartherzige Schmied aber fuhr die heiligen Wanderer grob an und jagte sie davon. Das ärgerte den heiligen Peter, der nun zu dem Schmiede sagte: »Du wirst es schon einmal bitter bereuen, daß du den Heiland so hart behandelt hast!« Da lachte der Schmied und rief spottend aus: »Wenn einer von euch der Heiland ist, so möge er ein Wunder wirken und dort meinen uralten Vater in einen Jüngling verwandeln!« Christus erwiderte kein Wort, ging aber zu dem alten Väterchen hin, führte es zu dem Schmiedeherde und hielt es plötzlich ganz in die Flammen hinein. Der Schmied erschrak zu Tode über diese unerhörte Tat; aber wie sehr erstaunte er, als nach einer Weile der Herr Jesus die Hand vom Feuer zurückzog und statt des uralten Väterchens ein blühend schöner Jüngling zum Vorschein kam! Da zweifelte der Schmied nicht länger, daß der Fremde Jesus der Herr sei. Er schämte sich seiner groben Rede, fiel auf die Knie und wollte den Herrn anbeten; aber dieser war bereits samt dem heiligen Peter vor seinen Augen verschwunden. Nun fing erst alles recht über das verjüngte Väterchen zu staunen an. Auch die Frau des Schmiedes kam herbei, um sich über das Wunder zu ärgern, denn sie selber war alt und häßlich. »Hätte der Herr Christus lieber mich in das Schmiedefeuer hingestellt!« rief sie neidisch aus und begehrte dann von dem Schmiede, er möge sie in die wunder wirkende Flamme hineinhalten, damit auch sie jung und schön werde. Der Schmied weigerte sich lange, dies zu tun; endlich aber wagte er doch das Kunststück. Kaum hatte er die Frau in das Feuer gestellt, so begann sie fürchterlich zu schreien, so daß der Schmied sie schnell wieder herauszog und in den nebenan stehenden Zuber mit Kühlwasser warf. Aber wie sah die Alte aus! Schwarz wie eine Kohle und zusammengeschrumpft wie ein Schwamm! Auf ihr Geschrei stürzten von rechts und links zwei Nachbarinnen herbei, um zu sehen, was geschehen sei. Beide aber waren guter Hoffnung, und als sie nun plötzlich die verbrannte Schmiedefrau in dem Wasserzuber erblickten, erschraken sie heftig und versahen sich. Als nun ihre Stunde gekommen war, gebar jede von ihnen – einen Affen! Die beiden kleinen Affen wurden später ein Paar, und von diesem stammen alle Affen der Welt ab.

Gestern, als mir die Kräfte schwanden, schrieb ich noch  - "*grr wir schreiben gerade,  morgen, bin wirklich müde". Aber es ist doch erfreulich daß man, selbst wenn vollständig sich selbst neben sich stehend glaubend, noch einen geraden Satz zusammenbringt (und die anderen noch rechtzeitig fortspülen konnte). Ich bedaure eventuelle Unannehmlichkeiten.

Et si male nunc, non olim sic erit.

Dienstag, 26. Juli 2016

Kleiner psychedelischer Nachtrag


Ach diese kleine schräge Geschichte muß ich doch nachtragen. Dieser Sommer ist typisch mitteleuropäisch merkwürdig. Innerhalb von Stunden wechselt das Wetter von Wolkenbruch zu sengender Sonne und wieder dem Gegenteil dazu. An diesem schon etwas zurückliegenden Tag war es wieder so. Der Vormittag drückend unangenehm, nachmittags wurde es besser, zum Abend hin wieder unerträglich. Keine Einbildung, ich habe recht nüchterne Bekannte gefragt, denen erging es ebenso.

Wir waren inzwischen von einer ganz lieben lebensklugen Frau sauberer gemacht worden (die Wohnung, bestimmter gesagt). Mein Fehler war vermutlich, mich nachmittags auf die Terrasse zu setzen. Warum? Nun es begann mit einem leichten Wind und dem entsprechenden, bekannten bedeutungsschwangeren Rauschen in den Blättern (etwas psychedelisch, aber nicht unangenehm; ein klar bestimmter, aber kaum beschreibbarer Zustand). Vermutlich war die Sonne weitergewandert.


Jedenfalls war mein Kopf plötzlich voll von Latein (das ich natürlich nicht verstand) und seltsamen Bildern, die Schloßkirche schwamm majestätisch in einem unbegrenzbaren Raum. Leider habe ich anschließend 2 Leute mit einem Bericht davon belästigt. Nur darum der Nachtrag. Mein Resumé bleibt bestehen, da hat sich der liebe Gott einfach mal vertan  (ich bin für Visionen völlig ungeeignet), oder es war der Anflug eines Sonnenstichs.

nachgetragen am 10. August

Montag, 25. Juli 2016

Erlkönig


Falkenstein - Erlkönig

Johann Wolfgang von Goethe

Der Erlkönig

Wer reitet so spät
      durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater
      mit seinem Kind;
Er hat den Knaben
      wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher,
      er hält ihn warm.

„Mein Sohn, was birgst du
      so bang dein Gesicht?“ -
„Siehst, Vater, du
      den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig
      mit Kron und Schweif?“
„Mein Sohn, es ist
      ein Nebelstreif.“

"Du liebes Kind,
      komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele
      spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen
      sind an dem Strand,
Meine Mutter hat
      manch gülden Gewand."

„Mein Vater, mein Vater,
      und hörest du nicht,
Was Erlenkönig
      mir leise verspricht?“
„Sei ruhig, bleibe
      ruhig, mein Kind:
In dürren Blättern
      seuselt der Wind.“

"Willst, feiner Knabe,
      du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen
      dich warten schön;
Meine Töchter führen
      den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen
      und singen dich ein."

„Mein Vater, mein Vater,
      und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter
      am düsteren Ort?“
„Mein Sohn, mein Sohn,
      ich seh es genau:
Es scheinen die alten
      Weiden so grau.“

"Ich liebe dich, mich reizt
      deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig,
      so brauch ich Gewalt."
„Mein Vater, mein Vater,
      jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir
      ein Leids getan!“

Dem Vater grauset's,
      er reitet geschwind,
Er hält in Armen
      das ächzende Kind,
Erreicht den Hof
      mit Müh' und Not:
In seinen Armen
      das Kind war tot.



Schubert - Der Erlkönig -  Dietrich Fischer-Dieskau

Johann Wolfgang von Goethe

[ á la Franz Peter Schubert ]

Elf-King

Who's riding so late
      through night so wild?
It is a father,
      he holds his child;
his son he cradles
      within his arm,
he keeps and shields him
      from frost and harm.

"My son, are you hiding
      your face in fear?"
Oh, father, see
      the Elf-King appear!
The King of Elves
      with crown and tail!"
"My son, it's fogs
      adrift the vale!"

"Thou pretty child,
      do come with me!
Such fine amusements
      shall I have with thee;
such pretty flowers
      grow on the shore,
my mother's got
      gold dresses galore."

"My father, my father,
      and do you not hear
how Elf-King softly
      tries to endear?"
Be still now, stay
      composed, my son:
you hear the breezes
      through dry leaves run."

"Wilt, pretty youngster,
      thou come with me?
My daughters shall be
      attending thee;
my daughters nightly
      their dances keep
and cradle and coddle
      and sing you to sleep."

"My father, my father,
      and do you not see
daughters of Elf-King
      beckoning me?"
"My son, my son,
      I see them quite clear:
those old willows look so
      grizzled and queer."

"I love you, I'm roused by
      your beautiful shape:
And if you're not willing
      I'll have you by rape."
"My father, my father,
      he's coming for me!"
Elf-King has done me
      an injury!"

The father's flesh creeps,
      he's riding like wild
his arms are protecting
      the whimpering child,
he reaches at last
      the old homestead:
Still in his arms
      the child
           was dead.

Translation/ Übersetzung
by / von Walter A. Aue

Wir denken ja gern, die Dinge, die wir mögen und die uns vertraut sind, wären für die Ewigkeit, sind sie hoffentlich auch, aber jedenfalls nicht hier. Am 25. Juli a.c teilte mir Herr Prof. Aue mit, daß seine Website, die an diesem Ort gelegentlich aufgetaucht ist, demnächst verschwinden wird, im August. Den haben wir inzwischen, es ist ein Nachtrag. Wenn man nicht mehr 16 Jahre alt ist, hat man unter gewöhnlichen Umständen das eine oder andere erfahren. Die in ungünstigeren Zeiten geboren wurden weit mehr davon, ich weiß. Aber das war offen gestanden ein Schlag in die Seele. Wir beginnen also mit Herrn v. Goethe, den gab es hier noch nicht so oft.

Der Ignoramus, der wir nun einmal sind, hat den Freiherrn ja schon des öfteren in den Verdacht des Oberflächlichen ziehen wollen. Aber hier ist er über sich hinausgewachsen. Diese psychologische Genauigkeit vor dem Grauen, in das jemand geworfen wird, das Ausgeliefert-Sein, die Versuche desjenigen, dem die Sorge obliegt, sich an das Bekannte und Vertraute zu klammern, obwohl er dem selbst längst nicht mehr traut. Eine Art hoffnungsloses Singen in dunkelster Nacht. Und selbst das Wesen des Grauens ist tastend beschrieben. Große Kunst, die sogar sprichwörtlich geworden ist.


Unser Großherzog war mit dem Herrn v. Goethe gut bekannt. Darum das Bild.
nachgetragen am 3. August

Sonntag, 24. Juli 2016

Sonntag & (gewissermaßen)

 

Die jüngere menschliche Evolution ging vermutlich so vonstatten: Als es bei unseren in Afrika beheimateten Vorfahren wieder einmal über 30° C war, sagten sich einige, das hält ja kein Affe aus und zogen gen Norden, bis sie sich im Schatten eines Eisbergs befriedigt niederlassen konnten. Die, die den Zustand eines abschmelzen Gehirns zu schätzen wußten, blieben zurück, oder so.

Ein Nachtrag sozusagen, aber auch nicht wirklich. Denn der Lachs, der an jenem Tag gekocht wurde, den bekamen einen Tag später die Katzen. Es war mir einfach zu warm und ich mochte am Ende nicht mehr.

Jüngst wurde ich wieder einmal wegen der ausbleibenden Essensbeiträge angeklagt. Und da dachte ich mir, bring Bilder vom letzten halbwegs erfolgreichen Versuch. Es ist erstaunlich, was in Menschen mitunter so hochkommt. Frau W. gelüstete es jedenfalls urplötzlich nach fettem Bauchfleich (das es kaum noch zu kaufen gibt). Davon existieren jedenfalls Bilder. Und es war im Juli. Am 10. davon, genauer gesagt.

Das Bauchfleisch, ich versuche mich gerade zu erinnern, wurde von mir also kleingeschnitten und gekocht, die Reihenfolge bekomme ich nicht mehr zusammen, jedenfalls kamen dazu – Lorbeerblatt, Pfeffer, Piment, Essig, Zucker, Salz – es fehlt sicher noch einiges. Ich hab es unter innerlichem Protest abgeschmeckt.

Für mich gab es dann Rosmarin-Kartoffeln, ein Steak und Bohnen. Wie gesagt, warum sollte man die netten Momente vorenthalten. 

Ich sehe gerade, auf einem der Bilder erkennt man im Hintergrund die Kulisse vom "Weißen Röß'l", die, der Jungfrau sei's gedankt, ab heute endlich abgebaut wird.  Man darf das alles auch ganz anders sehen, etwa so, wir wollen fair bleiben. Aber ein Monat Probe + überlautem Generator gewissermaßen vor dem Fenster hat im Endeffekt die Wirkung einer Neutronenbombe. Da wächst erst einmal nichts mehr. 

Wenn ich nicht gleich einschlafe, gibt es bald weitere Nachträge. Wir werden sehen.




nachgetragen am 1. August