Freitag, 15. März 2013

Freitag - Abend


Nachdem ich heute die Spinnweben aus meinem Studierstübchen entfernt hatte (ein wenig, sie waren einfach nicht mehr schön anzusehen, die Spinnen müssen jetzt eben neue machen), den Staub von den Büchern gepustet und was man sonst in diesem Fällen so tut, hatte ich mir zur Belohnung ein paar Tulpen zugeeignet, wie man sieht.

Ich schreibe gerade ein paar Nachträge fertig, über Wilhelm I. etwa, bei anderen bin ich mir noch nicht so ganz sicher (das Zeitgenössische ist mir doch recht zuwider). Also, sofern mir nicht gerade die Decke auf den Kopf fallen sollte, müßte es morgen früh ein paar nachgetragene Anmerkungen hier geben.



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Nachtrag:

Bevor mich der nächste schilt, dieser Ort sei eingeschlafen, es gibt derzeit 2 Nachträge, die ich mir eher abgerungen habe, wie auch immer:

Hier findet sich ein längerer Beitrag zum 125. Todestag Kaiser Wilhelm I.

Und so man nachfolgendem Link folgt, liest man etwas über 200 Jahre „Eisernes Kreuz“.

Der übliche Sonntagsbericht muß leider noch bis heute Abend warten (es war eine Ente). Aber man schaue doch bitte einmal in die Kommentare zu diesem Beitrag, Herr Prof. Aue hat dort sehr Schönes (übersetzt und auf englisch) zu Spinnen zusammengetragen.

Kommentare:

Rosabella hat gesagt…

lieber Martin,
dankeschön für diese stimmungsvollen Momentaufnahmen aus Ihrem Studierstübchen ... mir scheint, das Entfernen der Spinnenweben hat sich gelohnt ... so wird nun auch wieder der Blick frei auf das Bild von Luise, was mir direkt aufgefallen ist

schaue ich bei mir hier am Arbeitsplatz nach rechts an die Wand, hängt ein kleiner Rahmen mit demselben Porträt wie das Ihrige ... in meinem Falle aber in Miniaturmalerei gefertigt ... das Original hat, wenn ich mich nicht täusche, die von mir sehr verehrte Marie Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun seinerzeit gemalt

als kleines Dankeschön für die schönen Fotos lasse ich Ihnen noch ein Gedicht von Heinrich von Kleist da

herzliche Wochenendgrüße an Sie und Ihre Frau Mutter



An die Königin Luise von Preussen [3. Fassung]


Erwäg ich, wie in jenen Schreckenstagen,
Still deine Brust verschlossen, was sie litt,
Wie du das Unglück, mit der Grazie Tritt,
Auf jungen Schultern herrlich hast getragen,

Wie von des Kriegs zerrißnem Schlachtenwagen
Selbst oft die Schar der Männer zu dir schritt,
Wie, trotz der Wunde, die dein Herz durchschnitt,
Du stets der Hoffnung Fahn uns vorgetragen:

O Herrscherin, die Zeit dann möcht ich segnen!
Wir sahn dich Anmut endlos niederregnen,
Wie groß du warst, das ahndeten wir nicht!

Dein Haupt scheint wie von Strahlen mir umschimmert;
Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert,
Wenn er durch finstre Wetterwolken bricht!


MartininBroda hat gesagt…

Nun, in diesem Fall war es wohl ein Herr Grassi -http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Luise_Joseph_Grassi_1802_min.jpg
- aber ich kannte die Malerin gar nicht, habe daher einmal geschaut, sehr eigentümlich angenehm.
Ja, das ist nun einmal das, was man in den Andenkenläden kauft, ein Ölbild ist leider noch nicht an mir vorbeigelaufen, aber hier in der Nähe gibt es zum Glück wieder eine Luisengedenkstätte, in Hohenzieritz, ihr Sterbeort, da habe ich es gekauft. Und dann besitze ich noch eine deutlich größere Büste von ihr, sollte ich vielleicht auch einmal zeigen.
Die Grüße habe ich längst weitergesagt und sie werden freundlich erwidert.
Ja, was Kleist zu ihr gedichtet hat, ist wohl das beste, was es gibt, und er vermag es, auch heute noch die Faszination und Zuneigung verstehen zu lernen, die sie auslöste.
Auch Ihnen, liebe Sabine, eine gute und erfüllte Zeit.

Rosabella hat gesagt…

lieber Martin,

danke für die vielen interessanten Informationen ... oh ja, die Büste würde ich gerne mal sehen ... vielleicht können Sie ja mal einen kurzen "Luisen-Post" mit passendem Foto verfassen ?!

ich hätte mir auf dem Flohmarkt vor langer Zeit fast mal eine gekauft, habe es aber dann doch gelassen, weil sie mir schlichtweg zu teuer war (sie war aus Alabaster!)

im übrigen habe ich noch einen Link für Sie betr. Le Brun und Luise-Porträt

http://www.preussen.de/de/heute/kunstsammlung/luisen-portraet_von_vigee-le_brun.html

das Original hängt, wie dort zu lesen, seit 1997 in der Burg Hohenzollern

also dann, gehaben Sie sich wohl ... und bis bald

Walter A. Aue hat gesagt…

Erneuerung? Ja, aber auch ein bisschen Gedenken:

Emily Dickinson:

The spider as an artist

The spider as an artist
Has never been employed
Though his surpassing merit
Is freely certified

By every broom and Bridget
Throughout a Christian land.
Neglected son of genius,
I take thee by the hand.

---------------------------

The Spider holds a Silver Ball

The Spider holds a Silver Ball
In unperceived Hands —
And dancing softly to Himself
His Yarn of Pearl — unwinds —

He plies from Nought to Nought —
In unsubstantial Trade —
Supplants our Tapestries with His —
In half the period —

An Hour to rear supreme
His Continents of Light —
Then dangle from the Housewife's Broom —
His Boundaries — forgot —

---------------------------

A spider sewed at night

A spider sewed at night
Without a light
Upon an arc of white.
If ruff it was of dame
Or shroud of gnome,
Himself, himself inform.
Of immortality
His strategy
Was physiognomy.

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Walt Whitman :

A noiseless, patient spider

(from Leaves of Grass, 1900)

A noiseless, patient spider,
I mark’d, where, on a little promontory, it stood, isolated;
Mark’d how, to explore the vacant, vast surrounding,
It launch’d forth filament, filament, filament, out of itself;
Ever unreeling them — ever tirelessly speeding them.

And you, O my Soul, where you stand,
Surrounded, surrounded, in measureless oceans of space,
Ceaselessly musing, venturing, throwing,— seeking the spheres, to connect them;
Till the bridge you will need, be form’d— till the ductile anchor hold;
Till the gossamer thread you fling, catch somewhere, O my Soul.

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(Links, comments and poor translations)

Jason Shaw hat gesagt…

What a lot of books, so nice, books of old and book of new, a book for me and a book for you. We read and share and share and read.

MartininBroda hat gesagt…

@Rosabella Vielen Dank für den Link, ich denke, ich habe die Büste schon einmal im Bild verwendet, aber Ihre Anregung ist natürlich nicht auf unwillige Ohren gestoßen.
Es gibt nur ein kleines Erschwernis.
Ich muß Ihnen nicht sagen, wie oft ich schon etwas zur Königin geschrieben habe. Als ich mich googelte, war ich selbst überrascht. Ich habe daher auch den 10. März verstreichen lassen.
Man ist immer so in Gefahr, sich zu wiederholen, aber sie ist eine Gestalt, die mir wirklich sehr nah ist, wir werden also sehen. Herzliche Grüße!

MartininBroda hat gesagt…

@Jason I would so love to do this (I own even some english written books, which are so wasted on me), but unfortunately there is a little bit of cold water between us :)

MartininBroda hat gesagt…

@ Prof. Aue Ich hatte in meinem Nachtrag Unsinn geredet, mein Unterbewußtsein hatte mir offenbar vorgegaukelt, Sie hätten Ihre Übersetzungen mitgeliefert, ich gestehe, Sie mehr als einmal gelesen zu haben; nur Whitmans Spinne war mir gänzlich unbekannt, obwohl sie es ebenfalls längst übersetzt hatten. Mea culpa!

Übrigens ist ihr Eric Boerner Link dort tot, das Internet ist wirklich eine mühsame Veranstaltung. Und wo wir gerade bei Marginalien sind, Ihre Umlaute werden bei mir als Fragezeichen dargestellt, merkwürdig.

"Till the gossamer thread you fling, catch somewhere, O my Soul." Über diesen einen Vers müßte man wohl länger nachdenken, ehe man etwas sagen sollte, beeindruckend.

Walter A. Aue hat gesagt…

Lieber Herr Wisser,

ja, das Internet waechst und waechst - und faellt mehr und mehr auseinander. Meine Uebersetzungsseiten haben einmal funktioniert, nun tun sie das vielfach nicht mehr. Sie sind so alt und in so beduerftigem Code geschrieben, dass ich sie bald aus dem Netz werde herausnehmen muessen. Denn reparieren kann ich sie nicht, sagt mir zumindestens mein Experte, Dr. Alz Heimer.

Uebrigens, die Fragezeichen koennen Sie leicht wieder in Umlaute umwandeln, via (je nach Browser) -> Tools -> Encoding -> Western (ISO 8859-1 (vom Google Browser, der jetzt, glaube ich, Unicode 8 verwendet). Sicher bin ich mir aber da nicht.

Heutzutage bin ich halt kein Mensch mehr, denn der Mensch hat nur ein Recht auf Existenz als twitterndes Facebook.

Zeit, abzureissen wie ein Vierz'ger Zwirn (wienerisch fuer, na Sie wissen schon was).

MartininBroda hat gesagt…

Heilige Jungfrau! Da hab ich ja was angerichtet. Nehmen Sie die Seiten nur nicht aus dem Netz, und nicht, weil Sie mich dort unverdienterweise einmal erwähnt haben, lieber Herr Prof. Aue.
Sehen Sie, der erwähnte "ins Nichts" führende Link als Beispiel.
Es ist doch dem verständigen Menschen unbenommen, nach der bewußten Übersetzung von Eric Boerner zu suchen, die Sie empfohlen hatten, und er findet sie dann auch binnen weniger Minuten, und zwar hier
http://home.arcor.de/berick/illeguan/index.htm
Der unverständige Mensch, sollte der uns interessieren?

MartininBroda hat gesagt…

@Prof. Aue Ihre Übersetzungsseiten. Sehen Sie sie doch ein wenig wie einen alternden antiken Tempel, der eher noch an Würde gewinnt, wenn er nicht mehr so glatt poliert daherkommt und hier und da einiges fehlt. Wer käme auf die Idee, ihn deshalb abzureißen?
Die twitternden FB-Wesen. Beides besitze ich, FB nutze ich widerwillig. Es sind Durchgangsmedien, nur dem Augenblick zugehörig. Viele mögen sich großartig fühlen, wenn Menschen und Dinge dort "interessant" an ihnen vorbeirauschen. Und ertragen die "Löcher" nicht, wenn das Rauschen nachläßt.
Dies ist ein Medium, ebenfalls brüchig und veränderlich, aber es gibt doch die Chance, einen ernsten Gedanken ein paar Jahre überdauern zu lassen und es stiftet tatsächlich etwas wie Vertrautheit mit anderen Menschen und deren Gedanken.
Geben Sie nicht den Ratzinger, bitte. Alles Gute.

Walter A. Aue hat gesagt…

Ich soll nicht Ratzinger geben? Das ist herrlich! Und dabei zum antiken Tempel zu werden, den die Zeit und der Wind noch markanter machen? Edle Einfalt und stille Groesse, selbst wenn farblos und bruechig? Besseres kann ich mir nicht wuenschen!

Herzlichen Dank uebrigens fuer den Boerner URL - und vergeben Sie mir, bitte, meinen wienerischen Hang zur Hyperbole!

Es gruesst Sie herzlichst

Ihr

Lazarus

Rosabella hat gesagt…

lieber Martin,

und nun sehe ich gerade in den Suchergebnissen, wie oft Sie sich in Ihrem Blog bereits Luise gewidmet haben, vor allem in 2010 ... da erwähnte ich in Ihrem Beitrag vom 19. Juli doch tatsächlich auch schon o. g. Malerin ... ich habe das völlig vergessen ... bitte um Entschuldigung, dennoch habe ich ein Foto "Ihrer" Luise nicht finden können ...

wünsche Ihnen einen angenehmen Tag!

herzliche Grüße von Sabine,
auch an die Frau Mutter

MartininBroda hat gesagt…

@Prof. Aue Schon geschehen, und ich grüße herzlich zurück!

MartininBroda hat gesagt…

@Rosabella Ach Du Schreck, ich wollte nur andeuten, warum ich letztens etwas zurückhaltender wurde. Ich versuche das aber noch einmal.
So unhöflich das klingt, aber ich wollte gestern Abend noch bei Ihnen kommentieren, bin aber darüber eingeschlafen, das lag aber an mir, nicht an Ihrem Hebbel. Bitte um Vergebung.
Ich wünsche Ihnen auch einen ganz wunderbaren Tag.
Herzlich M. W.