Samstag, 9. Juli 2016

Nachträge


Zeit für Nachträge (wir waren etwas schreibmüde u.a.). Das Warten, Unterhaltsames geschähe vielleicht, welches das Pausieren der Essensbeiträge etwa aufwöge, sollte nicht belohnt werden. Also bleiben wir ereignisarm. Am 26. Juni durfte ich mit dem Chor den Herrn loben, in Feldberg, es war, einmal abgesehen davon, daß ich mir fast die Seele aus dem Leib geschwitzt hätte, angenehm. Das Eingangsbild zeigt besagte Kirche.


This I Believe (The Creed) - En esto Creo (El Credo)

Zufällige Begegnungen sind mitunter recht kurios. Es gibt da ein Stück – Our God is three in one – Creed (das Credo), eigentlich christliche Populärmusik aus Australien, ich finde das Arrangement unserer Frau Chorleiterin besser, um nicht zu sagen erwachsener, der Chor mag es, aber ich kann mich natürlich täuschen, die Zuhörer oft weniger. Wie auch ein offenkundig empfindsame junger Mann, der bemerkte, es habe ihn ganz traurig gemacht (aber als Zugabe gab dann ja immerhin etwas rhythmisch Fröhliches, das riß es wohl wieder heraus). Das obige Stück ist das Original in Spanisch, ich mag es eher noch, obwohl ich gar kein Spanisch kann.


Da dies bisher Essensbeiträgen vorbehalten war, ein kleiner Einschub, ich hatte für besagten Sonntag sogar etwas recht Nettes vorgekocht. Fleischklöße in Gemüsesuppe. Die Klöße wurden ziemlich gut - gemischtes Hackfleisch, Eier, gehackte Zwiebeln, wenig Semmelmehl, Muskat, soweit so bekannt, aber dazu gab es eine Art von Gewürz-Supergau - Mittelmeerkräuter, frisch gehackt als auch getrocknet, viel frischer Pfeffer, Einheimisches, wie Petersilie, das als grobe Zusammenfassung, mir fällt auch nicht mehr alles ein. Das Ergebnis war umwerfend, im guten Sinne. Aber ich hatte das Vergnügen nur für mich, daher auch keine Bilder.




Ach ja, die Katzen, sie kamen und sind wieder fort. Die Katzen-Mutter schaut mir gerade beim Schreiben zu. 4 Stück hatte sie vertrauensselig im Korbsessel hinter der Terrassentür abgelegt, und irgendwann entwickelten sie einen großen Eifer, unter den Küchenschränken zu verschwinden, wenn die Tür einmal auf war. Nett waren sie ja, aber es war zuviel. Freundliche Mitmenschen haben sie jetzt in ihren Garten verschleppt.


Um mit etwas Kuriosem fortzufahren: „Ach, ist schon wieder Kinderlandverschickung?“ Die Kaufhalle (Supermarkt) war am Abend auffallend belagert von jungen Menschen, die irgendwie, unter ethnologischen Gesichtspunkten, merkwürdig aussahen (aber ich bin ja auch aus dem vorvorigen Jahrhundert, mindestens, und da wird man etwas fremd zur Gegenwart). Nach meiner Frage stutzte die freundliche Dame an der Kasse kurz, verneinte dann aber ganz sachlich: „Nein, ist doch wieder Festival in Lärz“. Es gibt also doch noch Erinnerungen, die allgemein mitschwimmen.

Das Festival nennt sich Fusion, begann am 29. d. M. und zelebriert nach eigener Aussage eine Art „Ferienkommunismus“. Um die sozusagen poetische Eigenbeschreibung nicht vorzuenthalten: „Fernab des Alltags entsteht für vier Tage eine Parallelgesellschaft der ganz speziellen Art. Im kollektiven Ausnahmezustand entfaltet sich an einem Ort ohne Zeit ein Karneval der Sinne, indem sich für uns alle die Sehnsucht nach einer besseren Welt spiegelt.“

Es ist zum Glück ganz weit weg, jedenfalls nicht in Hörweite, wahrscheinlich schrecklich laut und subversiv, und wie eben gesagt, weit weg und schon wieder vorbei. Was man vom anderen Extrem nicht behaupten kann, es ist sehr wohl in Hörweite, und noch nicht vorbei, allerdings die Proben, und das ist der schlimmere Teil.




Sollten Sie etwas, daß sie sowieso nie mochten, in einer Dauerschleife ertragen müssen, wie etwa: „Was kann der Sigismund dafür, daß er so schön ist“, nach der Hälfte abgebrochen und wiederholt, oder nach ¾ oder 7/8, gefühlt ewige Mal (oder: „Es muß was Wunderbares sein, von Dir geliebt zu werden.“ Oder: „Die ganze Welt ist himmelblau.“ Oder als Krönung des Ganzen: „Im Salzkammagut, doa kamma gut lustig sein, wenn die Musi spielt, holdrio“), dann werden Sie für jeden Wolkenbruch dankbar, der das unvermeidliche Eintreten des Wahnsinnig-Werdens hinauszögert. Man kann natürlich auch bis nach Mitternacht Mozart hören, falls sich kein Regen einstellen will.

Die Schloßfestspiele führen diesmal folglich „Im weißen Rößl“ auf (etwa 200 Meter entfernt), inzwischen war verregnete Premiere, man weiß ab jetzt also wenigstens, wann Schluß ist. Und damit beenden wir den ersten Teil unserer Nachträge.


Kommentare:

DirkNB hat gesagt…

Schön, mal wieder was zu lesen. ;-) Ich mag ja die launige Art, ob gewollt oder nicht.

Einen Satz möchte ich herausgreifen, der mich in anderem Zusammenhang beschäftigte, aber irgendwie auch passt und ich meinen Gedankenmüll diesmezüglich irgendwo lassen muss. Der Satz bezog sich auf das eingebundene Video: "Das obige Stück ist das Original in Spanisch, ich mag es eher noch, obwohl ich gar kein Spanisch kann." Ist es wirklich notwendig, die Sprache von Gesangsstücken zu verstehen? Sicher mag es Einzelfälle geben, aber in der breiten Masse?

Wie komme ich drauf? Dieser Tage sprachen der Vorsitzende der hiesigen Bürgerinitiative für mehr deutschsprachige Musik bei NDR Radio MV und einer seiner Stellvertreter im Radio genau darüber - also deutschsprachige Musik - und ihren Vorteil, dass man die Texte versteht. Okay, das ist so nicht ganz richtig. Sie sprachen eher über die Übermacht der englischen Texte und ihrem Nichtverständnis, aber es kommt sinnlich auf das gleiche hinaus.
Da kommt die Frage, wenn man sich mit der Materie befasst, auf, ob es wirklich sinnvoll ist, die Texte zu verstehen. Im pauschalisierten Mittel ist das kulturelle Niveau entsprechenden Liedgutes seit den 1950er Jahren (um mal irgendwo einen Punkt festzumachen) eher unterirdisch und mit dem Humor eines Siebtklässlers versehen. Wenn ein regionales und regional bekanntes Gesangsduo einen volkstümlichen Titel namens "Swingerklub" herausbringt, dessen erzwungenes Wortspiel vermutlich mit dem Swing als Doppeldeutigkeit spielt, spiegelt es das von mir gemeinte Niveau wieder. Und das sind ja keine Einzelfälle.
"Tu das Ding rein, schala lala la" ist auch so eine Textzeile, die, so isoliert gesehen, Wortspielalarm auf Basis eines Siebtklässlers, mit mitgrölgerechter "Stimmungsmusik" unterlegt. Der textliche Kontext bringt es zumindest mit der ersten Strophe eher auf den Fußballplatz, aber wer weiß, wie es weiter geht. Ich habe dann abgedreht.

Es ist keine Crux, fremdsprache Texte in Liedern nicht zu verstehen, es ist vermutlich eher ein Segen. Gute Texte sind eher die Ausnahme.
Übrigens: Ein Teil des oben genannten Gesangsduos hat übrigens einen Doktortitel...

MartininBroda hat gesagt…

Nein, um spät zu antworten und zugleich dafür um Entschuldigung bittend - man muß den Text nicht verstehen. Ein oberflächliches Verständnis mag helfen, sich zu orientieren (daß man z.B. in etwas ganz Grenzwertiges nicht mit einstimmt). Aber mehr auch nicht. Sobald man in die genauso verbrauchten Untiefen hinabsteigt, ist der Spaß der sozusagen jungfräulichen Frische dahin.

Ich kann z.B. leicht oberflächlich Englisch. Sollte ich unsere tollen Gospel-Songs, deren Sinn mir durchaus einleuchtet, auf Deutsch singen müssen, ich würde vermutlich nach spätestens dem 2. Lied schreiend hinausstürmen, weil jemand gewaltig versucht, mir mein Sprachzentrum zu zerstören. In diesem Schwebezustand aber bleibt alles schick.

Ach so, und vielen Dank für die Eingangsbemerkung.