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Mittwoch, 19. August 2009

Lektüreabenteuer &



Ein sehr interessanter Kalender heute. U.a. ist Blaise Pascal am 19. August 1662 gestorben. Ich habe kürzlich einmal ein paar Zitate von ihm zusammengetragen (wer es hier nachlesen will, muß den banalen Einstieg hinter sich lassen). Von Pascal kam ich zu Nietzsche, von diesem auf die entsetzliche rationalistische Ödnis des vorherrschenden Protestantismus im 19. Jahrhundert... So schlägt der Verstand manchmal merkwürdige Kapriolen, wenn man beginnt zu lesen.

Ich blieb in der Tat an dieser Bemerkung Nietzsches hängen: „‚Ohne den christlichen Glauben‘, meinte Pascal, ‚werdet ihr euch selbst, ebenso wie die Natur und die Geschichte, un monstre et un chaos.‘ Diese Prophezeiung haben wir erfüllt: nachdem das schwächlich- optimistische achtzehnte Jahrhundert den Menschen verhübscht und verrationalisiert hatte.“

Es ist schon eigentümlich, daß er sich gerade an ihm so sehr abmühte, ich weiß nicht, ob Nietzsche jemanden jemals wirklich mochte (sich selbst eingeschlossen, diese Selbstüberhöhungen sind immer ganz verdächtig), aber bei ihm wurde er wohl fast schwankend, es handelt sich übrigens um eine späte Bemerkung aus dem Nachlaß.

Ich werde jetzt bestimmt nicht mit meinen Gedankengängen langweilen, aber zwei Zitate von ihm, am Wege aufgelesen, die ich aus verschiedenen Gründen unterhaltsam fand, sollten es doch sein (übrigens, eine erfreuliche Kurzdarstellung zu Pascal fand ich auch noch hier):

„Der Verbrecher ist häufig genug seiner Tat nicht gewachsen: er verkleinert und verleumdet sie.“
Jenseits von Gut und Böse, 109

„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, daß er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“
Jenseits von Gut und Böse, 146.

Genug vom übellaunigen Herrn Nietzsche, wer will, mag hier noch weiterlesen.



Andrea di Pietro della Gondola, genannt Palladio starb ebenfalls heute, am 19. August 1580. Und das ist doch einmal ein Name, wo einem das Herz aufgeht, war mir auch schon einmal aufgefallen, obwohl ich bisher, denke ich, nicht recht begründet habe, warum eigentlich.



Vielleicht so: „Wer die Schönheit angeschaut mit Augen / Ist dem Tode schon anheimgegeben…“

Ach und dann starb Kaiser Friedrich III. am 19. August 1493, jemand, der als „des Römischen Reiches Erzschlafmütze“ tituliert wurde, aber seine Feinde schon allein dadurch besiegte, daß er sie alle überlebte.



Und um noch zwei überraschende Volten zu schlagen: Die Schafgarbe habe ich den Nachbarn abgeschwatzt, die sie loswerden wollten.



Und dann werde ich noch zwei Schnipsel von Adele Sandrock anbringen (der Topos ist wirklich mal neu, aber im 2. taucht sie persönlich gar nicht auf), die am 19. August 1863 geboren wurde, so kann ich wenigstens heute heiter enden.







Freitag, 19. Juni 2009

Über Gewitterregen und einen nachdenklichen Franzosen



Ausnahmsweise mal etwas Persönliches. Also ich gestehe, als Kind war ich nicht unbedingt der Gruppenmensch, das führt noch heute dazu, daß manchmal ein irrationales Unbehagen in mir aufbricht, wenn ich etwa in eine lautstarke, biertrinkende Gruppe pubertierender Jugendlicher gerate, die vor einem Gewitterregen Zuflucht auf einem überdachten Bootssteg sucht, so wie ich.



Ich bin nicht sehr klein und auch nicht ausgeprägt ängstlich, aber ich habe mich sicherlich mit einem ziemlich dämlichen Gesichtsausdruck wortlos dort an den Rand gestellt und gewartet, daß es endlich aufhört. Darauf löst sich einer der Gruppenanführer aus seiner Horde, ein vierschrötiger vermutlich 17jähriger und fragt mich „Junger Mann, wollen sie auch ein Bier“.



Das klingt vermutlich völlig anders, als es auf mich wirkte, denn ich war verblüfft, und ehrlich gesagt, zolle ich ihm auch Respekt für die anständige Geste, was sie tatsächlich war, wenn ich auch höflich ablehnte, was mich jetzt noch ärgert.

Eigentlich wollte ich heute etwas über Blaise Pascal schreiben, der am 19. Juni 1623 in Clermont-Ferrand geboren wurde, doch so reicht es nur zu ein paar Zitaten:

„Die Wahrheit kann nicht durch eine Wette entschieden werden, aber es muß gewettet werden. Es gibt keine Freiwilligkeit, Sie müssen sich darauf einlassen. Wenn Sie nicht wetten, daß es Gott gibt, müssen Sie wetten, daß es ihn nicht gibt. Wofür entscheiden Sie sich? Wägen wir den Verlust dafür ab, daß Sie sich dafür entschieden haben, daß es Gott gibt: Wenn Sie gewinnen, gewinnen Sie alles, wenn Sie verlieren, verlieren Sie nichts. Setzen Sie also ohne zu zögern darauf, daß es ihn gibt.“

"Allein ist der Mensch ein unvollkommenes Ding; er muß einen zweiten finden, um glücklich zu sein."

"Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen …,habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können."

„Nichts ist dem Menschen so unerträglich, als wenn er sich in vollkommener Ruhe befindet, ohne Leidenschaften, ohne Beschäftigungen, ohne Zerstreuungen, ohne Betriebsamkeit. Dann fühlt er seine Nichtigkeit, seine Verlassenheit, seine Unzulänglichkeit, seine Abhängigkeit, seine Ohnmacht, seine Leere. Sogleich werden vom Grunde seiner Seele die Langeweile, der Trübsinn, die Traurigkeit, der Kummer, der Verdruß und die Verzweiflung aufsteigen.“

„Der letzte Schritt der Vernunft ist anzuerkennen, daß es unendlich viele Dinge gibt, die über sie hinausgehen. Sie ist nur schwach, wenn sie nicht soweit geht, das anzuerkennen.“

„Jesus Christus hat nichts anderes getan, als die Menschen zu lehren, daß sie sich selbst liebten…“

„Nicht im Raum muß ich meine Würde suchen, sondern in der Ordnung meines Denkens. Ich werde keinen Vorteil davon haben, wenn ich Grund und Boden besitze. Durch den Raum erfaßt und verschlingt das Universum mich wie einen Punkt. Durch das Denken erfasse ich es.“

"Das Herz hat seine Gründe, welche die Vernunft nicht kennt."

"Der Mensch ist nur ein Schilfrohr, das schwächste der Natur; aber er ist ein denkendes Schilfrohr.“

"Der Mensch ist weder Engel noch Tier, und das Unglück will es, daß, wer einen Engel aus ihm machen will, ein Tier aus ihm macht."

"Je mehr Einsicht man hat, desto mehr Größe und Niedrigkeit entdeckt man im Menschen.“

"Vielfalt, die nicht auf Einheit zurückgeht, ist Wirrwarr; Einheit, die nicht auf Vielfalt gründet, ist Tyrannei."

" Wir begnügen uns nicht mit dem Leben, das wir aus unserem eigenen Sein haben; wir wollen in der Vorstellung der anderen ein imaginäres Leben führen, und darum strengen wir uns an, in Erscheinung zu treten. "