Samstag, 9. Juli 2011

Nachtrag, abends


Joseph von Eichendorff

Zwielicht

Dämmrung will die Flügel spreiten,
Schaurig rühren sich die Bäume,
Wolken ziehn wie schwere Träume -
Was will dieses Graun bedeuten?

Hast ein Reh du lieb vor andern,
Laß es nicht alleine grasen,
Jäger ziehn im Wald und blasen,
Stimmen hin und wieder wandern.

Hast du einen Freund hienieden,
Trau ihm nicht zu dieser Stunde,
Freundlich wohl mit Aug und Munde,
Sinnt er Krieg im tückschen Frieden.

Was heut müde gehet unter,
Hebt sich morgen neugeboren.
Manches bleibt in Nacht verloren -
Hüte dich, bleib wach und munter!

nachgetragen am 10. Juli 2011

Donnerstag, 7. Juli 2011

Dienstag, 5. Juli 2011

Montag, 4. Juli 2011

Otto von Habsburg


Hindenburg hat ihn ganz selbstverständlich mit „Eure Majestät“ angesprochen, da vertraute man noch darauf, daß die Dinge bald wieder in Ordnung geraten würden, es war ja auch noch nicht so lange her, daß alles durcheinander geriet, nun ist dieser lange tot; wir aber warten und warten. Und jetzt ist auch der andere Beteiligte dieser Gespräche dahingeschieden.

Otto von Habsburg, ältester Sohn des letzten regierenden Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn ist gestorben, im 99sten Jahr. Man hatte mir vor 21 Jahren gesagt, „Kaiserliche Hoheit“ wäre angemessen, als ich mit ihm zu Tisch sitzen durfte, ich war jung und weit zu wenig gebildet. Selbstredend ist es unangemessen, in einem solchen Moment von sich selbst zu sprechen, ich ringe einfach mit meinen Gedanken, das ist alles. Sein Vater, der selig gesprochene Kaiser Karl starb am 1. April 1922, es wäre eine unglaubliche lange Regierungszeit gewesen.

„Wir haben unsre Zuflucht dazu genommen, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung“, lese ich heute unter der Losung in Hebräer 6,18.

Welches ist die angebotene Hoffnung? Oder haben wir außer unserem Herrn nichts hier?

Ich hatte kürzlich begonnen, ein paar Gedanken über die Monarchie als solcher aufzusuchen, die gehören hier nicht her, ich weiß…, angefangen hatte ich mit Aristoteles, der bei allen Einsichten nicht weiterhalf, denn er schien innerlich so unentschieden:

„Ziel des Staates ist also das edle Leben, und jenes andere ist um dieses Zieles willen da… Man muß also die politischen Gemeinschaften auf die edlen Handlungen hin einrichten und nicht bloß auf das Beisammenleben.“

„Denn alle haben es mit irgendeiner Gerechtigkeit zu tun, aber nur bis zu einem gewissen Grade und nicht mit der ganzen und eigentlichen Gerechtigkeit. So scheint etwa die Gleichheit gerecht zu sein, und sie ist auch, aber nicht unter allen, sondern nur unter den Ebenbürtigen.“
Aristoteles, "Politik", Drittes Buch

Nach Christus sind die Dinge anders, fand ich, immer noch Aristoteles lesend, dann. Das Königtum verlor in der Begegnung mit Christus gewissermaßen das rein Technische, von dem Aristoteles wußte, nur wissen konnte, es bekam sozusagen eine Seele, und daß Monarchie und Religion so oft nahe beieinander zu finden sind, nun, beide bieten seitdem eine Art Transzendenzversprechen an, um es sehr nüchtern zu sagen, wenn auch das eine als der Diener des anderen. Oder anders, daß es in dieser Welt mehr gibt als den profanen Augenschein, und daß wir dies an wirklichen Menschen auch ablesen könnten. Versprechen werden eingelöst mitunter.

All dieser Hoffnungen wurden wir beraubt seit nahezu 100 Jahren. Und ich weiß, wie unangemessen es ist, jemanden nicht in seinem Versuch zu würdigen, der ein Leben durchkämpft, das eigentlich unlebbar ist (wer des Englischen mächtig ist, findet hier eine weit angemessenere Würdigung). Sagen wir nur, wir sind aus vielfältigen Gründen voll Trauer über das Hinscheiden Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit, bekannt als Otto von Habsburg.
beendet am 6. Juli 2011

Sonntag, 3. Juli 2011

Trüber Sonntag

poorly translated

Bei 93% Luftfeuchtigkeit erscheinen einem selbst 18°C als nicht unbedingt kühl, so daß also auch das heutige Sonntagsessen auf der Terrasse stattfand, in einer etwas gespenstischen Stimmung. Dafür war das Gericht reichlich profan, Hähnchen, geschmort auf Zwiebeln mit ein paar Kräutern (Thymian, Oregano, Rosmarin). Dazu Bohnen mit gebräunter Butter. Meine Frau Mutter hatte sich ihren Gurkensalat gemacht (mit Essig und Zucker). Dies nur kurz vermeldet, da es schon etwas später geworden ist.


Gloomy Sunday

At 93% humidity even 18°C not necessarily appear cool, so we were eating our Sunday meal on the terrace again, in a slightly spooky atmosphere. To compensate this, the dish was plain and conventional, chicken, braised with onions with a few herbs (thyme, oregano, rosemary). And beans with browned butter. My mother had made her usual cucumber salad (with vinegar and sugar). This is reported only briefly since it has become a bit late.


Samstag, 2. Juli 2011

Im Regen

Ich bin soeben im Regen spazierengegangen, nun, eigentlich war es eher ein Wolkenbruch, gefolgt von einem Gewitter, und der Regenschirm hat da auch nicht wirklich etwas gebracht, wie auch immer. Vielleicht liegt es daran, daß ich gerade etwas über die Romantik zu schreiben versuche, daß ich diesen biographischen Schluckauf hatte.

Als ich noch sehr sehr jung war, wähnte ich mich poetisch begabt, nun davon bin ich mittlerweile geheilt, aber genau das Folgende kam mir dabei in die Erinnerung zurück, es war mir tatsächlich fast vollständig eingefallen, so mußte ich feststellen, als ich anschließend nach dem Originaltext suchte, es ist gruselig, aber dennoch, seltsam.

Kindervers: Frühling

O Regen, Regen,
grünes Leid,
in Wegen sammelt
himmelweit
ein Traum sich,
leis verendend;

Und eine rosenfarb‘ne Kuh
schweigt dunkelsinnig tief dazu:
Wohin mag sich's noch wenden?

Auch schweigt der Wald,
der traulich alt
wie immer rührt die Zweige
und mir das Herz,
es gilt kein Schmerz,
ging etwas auch zur Neige.

Freitag, 1. Juli 2011

Georg Friedrich Kersting

Georg Friedrich Kersting, „Auf Vorposten“, 1815
hier gefunden

Als dann in der Gewalt Napoleons im harten Winter Rußlands Württemberger, Sachsen und andere Deutsche jämmerlich zugrunde gingen, die schließlich einen beträchtlichen Teil seiner „Grande armée“ ausmachten, wurde nicht nur mehr ein paar Romantikern deutlich, daß da möglicherweise unter dem Namen der Vernunft mehr Töpfe zerschlagen worden waren, als zu ertragen war.

Unter dem 26. Juni 1813 jedenfalls protokollierte Kanzler Metternich eine Unterredung mit Napoleon wie folgt: "Napoleon faßte sich, und mit ruhigem Ton sagte er mir folgende Worte ...: ‚Die Franzosen können sich nicht über mich beklagen; um sie zu schonen, habe ich die Polen und die Deutschen geopfert. Ich habe in dem Feldzug von Moskau 300.000 Mann verloren; es waren nicht einmal 30.000 Franzosen darunter.‘ ‚Sie vergessen, Sire, rief ich aus, daß Sie zu einem Deutschen sprechen.‘" Offen gestanden, glaube ich beiden allenfalls, daß sie sich irgendwie unterhalten haben, aber die Sache hat einen wahren Kern.

Warum dies, nun, das obige Bild zeigt eine Gruppe bekannterer Gestalten aus den Befreiungskriegen, gemalt von Georg Friedrich Kersting (genauer seine gefallenen Freunde Körner, Friesen und Hartmann). Dieser starb zwar am 1. Juli 1847 in Meißen, wurde aber in Güstrow geboren, und da es nicht so unüberschaubar viele bedeutende Mecklenburger gibt, wollen wir kurz an ihn erinnern. Außerdem war er mit Caspar David Friedrich befreundet und bedeutend war er zweifelsohne. Häufig wird er dem Biedermeier zugeordnet, aber wenn damit mehr als eine reine Zeitperiode gemeint sein sollte, ist das Unsinn, er war Romantiker.

Nach Thomas Mann hätte Goethe auf die Bilder einiger Romantiker am liebsten mit Pistolen geschossen. Kersting war davon ausgenommen, den schätze und unterstützte er auch. Vielleicht weil Kersting immer ein Romantiker mit starken klassizistischen Einschlägen blieb. Man ist sich allgemein einig, daß er vor allem bei der Darstellung von Innenräumen beeindruckt; besser gesagt, wenn er mit feinem psychologischen Blick bei grandioser Lichtführung Menschen darstellt, die in sich versunken lesen, oder am geöffneten Fenster ihre Seele der Natur öffnen, selbst wenn banalste Alltagsbeschäftigungen beschrieben werden, behalten die Dargestellten etwas abwesend Träumerisches etwa, oder doch etwas, das zeigt, daß sie über die Begrenzungen ihrer Welt hinausgehen, innerlich.

Deshalb eben ist er auch Romantiker, selbst wenn in gewisser Weise völlig gegensätzlich zu Caspar David Friedrich. Ich hatte mir dann noch ein paar Dinge zur Romantik als solcher aufgeschrieben, aber das paßt vielleicht besser an anderer Stelle. Wir wollen diesem menschenfreundlichen Maler nicht zuviel des anmaßend Hochgestochenen zumuten, es wird dafür andere Gelegenheiten geben.
beendet am 5. Juli

Georg Friedrich Kersting, „Lesender beim Lampenlicht“, 1814
hier gefunden