Samstag, 7. April 2012

Osternacht

Apollinaris von Ravenna

Schon wieder eine Predigt, nein, ich bitte nicht um Verständnis, denn dieses besitzt man oder besitzt es nicht, und es ist sinnlos, den Sinn für Unerkanntes abzuverlangen. Herr Roloff hat gerade diese Predigt gehalten, die ich nachfolgend gern mitteile.

Der Herr segne alle, die sich hierher verirrt haben.

Christus resurrexit! Vere resurrexit!
Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Ansprache Osternacht 2012
1 Thess 4, 13+14

Der Friede des Auferstandenen sei in dieser Nacht und alle Zeit mit Euch!

Liebe Gemeinde,

aus der tiefsten Nacht heraus sind wir in diese Kirche gezogen. In völliger Dunkelheit ragten die Pfeiler des Hauses empor und tragen das Dach der achthundertjährigen Kirche. Immer waren diese Säulen Gleichnis für die Bäume, jede Kirche darum immer auch ein Stein gewordener Garten. Deutlich wird das sehr häufig besonders schön an dem Rankenwerk romanischer Kapitelle und an dem Blattschmuck auch unseres wiedererstehenden Altars. In dieser Nacht sind wir also in einen Garten gezogen, der in Dunkelheit lag und haben ihm das Licht wiedergebracht.
In einem Garten hat auch das Leben Adams und Evas in der Schöpfung begonnen. Gott hatte ihn den ersten Menschen bereitet, und er schenkte ihnen alles, was ihnen zum Leben notwendig war. Der Garten ist somit das Urbild unserer Hoffnung eines einträchtigen Lebens der Menschen mit Gott und untereinander.

In dieser Nacht kehrt unser Bewusstsein davon zurück, dass wir in allem, was wir tun und glauben, diesen Garten wiederzufinden hoffen. Eine große Sehnsucht ist in den Menschen nach diesem Paradies – und das ist nur das persische Wort für den Garten, für einen Tiergarten, wenn wir ganz genau sein wollen.

In dieser Nacht sind wir in den Garten gezogen und stehen nun am Altar, von dem wir in diesem Augenblick gewahr werden, dass er uns nichts anderes vergegenwärtigt als ein Grab. Der Altar steht für das Grab unseres Herrn, der, aus Gethsemane kommend, nach seinem Sterben am Kreuz nicht ohne Absicht wieder in einen Garten gelegt worden war. „Es war aber an der Stätte, da er gekreuzigt ward, ein Garten, und im Garten ein neues Grab, in welches niemand je gelegt ward.“ Das berichtet uns Johannes. Niemand ist jemals im Paradies gestorben. Das Grab im Paradies ist leer geblieben, bis Jesus, der neue Adam, in die Welt kam und starb. In den Garten kehrt er zurück.

In diesen Garten sind auch wir in dieser Nacht gezogen. Es ist der Garten des gestorbenen und begrabenen Herrn. Es ist der Garten unserer Sehnsucht.

Hier nun hören wir die beiden Verse des Apostels Paulus, die er an die Thessalonicher schrieb: „Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht verhalten (wir wollen euch nicht im Unklaren lassen) von denen, die da schlafen (von den Entschlafenen), auf dass ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, das Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird Gott auch, die da entschlafen sind, durch Jesum mit ihm führen.“

In dem aus Steinen errichteten Garten, den wir um das Grab unseres Herrn herum bereitet haben, hören wir von seinem Auferstehen und finden das Grab leer. An dieser Tatsache, die uns durch alle Evangelisten und von der Kirche bezeugt ist, soll sich nun unsere Hoffnung entzünden, denn sie ist es, die uns unterscheidet, und die uns froh macht. Paulus macht auch auf diesen Zusammenhang aufmerksam. So wie der Garten unser Sehnsuchtsort ist, den wir mit unserer Hoffnung erfüllen, so lässt das Fehlen der Hoffnung den Menschen in Traurigkeit versinken. Es ist eine Traurigkeit, die daraus erwächst, dass man nicht glauben kann und will, wie Gott in allen Dingen ist. Wer nicht glaubt, dass Gott überall ist, der schafft sich selbst den Ort äußerster Gottesferne. Er reißt sich selbst aus dem ursprünglichen Zusammenhang der Schöpfung und versinkt in Verzweiflung und Leere. Darum lässt Dante über dem Tor zur Unterwelt die Aufforderung stehen: Lasst alle Hoffnung fahren.

Wir aber halten an der Hoffnung fest, dass Christus gestorben ist und begraben wurde, damit kein Ort mehr ist, an dem nicht auch Gott und damit Hoffnung sei. Mit dem Tod Christi ist die Macht des Todes gebrochen und unsere Hoffnung entzündet wie das Licht, das wir in den Garten getragen haben, und das nun nie mehr erlischt. Im Tode finden wir nur noch die Gemeinschaft mit seinem Tod. Es gibt nichts mehr, was wir in der Finsternis der Nacht des Todes zu fürchten hätten!

Keineswegs bedeutet das aber, dass dem Tod auch das Leidvolle genommen wäre. Auch der Tod Jesu war voller Leid und Schmerzen. Ein größeres Leiden kann nicht gefunden werden als das, welches der Herr auf sich genommen hat. Dennoch aber kann auch diese Wahrheit nur unsere Hoffnung entzünden, weil wir in allem eigenen Leiden nur Anteil nehmen an dem seinen. Wie wir nun aber Anteil nehmen werden an seinem Leiden und Sterben, so hoffen wir auch, dass Gott uns mit seinem Sohn führen wird, und wir von ihm ungetrennt bleiben. In dieser Nacht scheint aus dem Grab neues Sein, das Kreuz wird zum Lebensbaum, die Wunden des Herrn werden zu Quellen des Heils, und das Grab, der Altar, wird uns zum Tisch, und sein Leib und sein Blut werden uns zur Speise.

In dieser Nacht hören wir die Botschaft, die die ganze Schöpfung erlöst. Der Zug des Volkes Gottes kommt an sein Ziel, und das Sakrament ist uns das Siegel dafür, daß wahr ist, was wir glauben und bekennen:

Der Herr ist auferstanden!!!

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest, und die Gnade des auferstandenen Herrn sei alle Zeit mit Euch!!!
Thomas Roloff

Kommentare:

Morgenländer hat gesagt…

Lieber Martin,

ein gesegnetes Osterfest und herzlichen Dank an den Herrn Roloff für seine schöne Predigt.

Morgenländer

MartininBroda hat gesagt…

Dir auch ein gesegnetes Osterfest! :) Ich werde es ihm sagen.

Meckiheidi hat gesagt…

Danke für diese Worte und Bilder! Der "Steinerne Garten" - das gefällt mir sehr.
Frohe und gesegnete Ostern!

MartininBroda hat gesagt…

Ich bin etwas unsortiert offensichtlich, ich hatte das dem Herrn Roloff übermittelt, aber offenkundig versäumt, auch zu antworten. Ich bitte dafür um Entschuldigung. Also verspätete Ostergrüße zurück und ja, ich fand seine Predigt auch sehr wohltuend.