Sonntag, 3. Februar 2013

Sonntag &


Wir wollen es freundlich sagen. Wenn das Sichere offenkundig versinkt, klammern sich Menschen gern an das Gewohnte. Das ist ein bedeutsam-klingend-wollender Hinweis darauf, daß meine Frau Mutter nicht Rotwein zum Lamm haben wollte, sondern den üblichen Sekt etc. etc.

Es gab also Lamm-Lachs, angebraten und dann auf niedriger Temperatur im Ofen nachgegart (zum ersten Mal übrigens), mit Rotwein und Hühnerbrühe abgelöscht, dazu einige Rosmarinzweige, Wacholderbeeren und ein paar getrocknete Mittelmeerkräuter (als Hintergrundrauschen sozusagen). Ich muß denen Abbitte tun, die mir Ratschläge für Lammgerichte schickten und sich nun unbeachtet fühlen müssen. Nichts ist vergessen, ich fange halt nur an zu üben, hierbei.

Geschmacksmuster haben ja oft etwas von mittelalterlichen Landstraßen, in denen sich die Wagenräder über Jahre unverrückbar eingegraben haben. Man sollte derartiges zumindest sehen, man muß es nicht mögen, deshalb. Als Musik gab es übrigens eine Psalmen-Vertonung von Schütz. Auch das war angenehm. Ich wurde gerügt, nicht wenigstens diesen gewohnten Bericht abgeliefert zu haben, zu recht. Vielleicht ringe ich mir ja auch noch ein paar Nachträge ab, aber sicher nicht heute Abend.


nachgetragen am 4. Februar

Kommentare:

DirkNB hat gesagt…

Bei Lachs aller Art, also Lammlachs oder Schweinelachs, bin ich immer recht vorsichtig. Genauer gesagt: Ich bin so vorsichtig, dass ich mich da noch nicht rangetraut habe. Die Fleischstücke, so gut sie in einer Fleischtheke auch immer aussehen, wirken auf mich so, als dass sie nach der Zubereitung zwangsweise strohtrocken sind. Und dafür möchte ich dann mein Geld nicht ausgegeben haben. Aber Du meinst, das Prinzip "Scharf-Anbraten-Sanft-Fertiggaren" sollte gute Ergebnisse bringen?

naturgesetz hat gesagt…

When I saw the pictures, and being unfamiliar with the term "Lamm-Lachs," I thought "Those don't look like lamb shanks. As the text, supplemented by a google search, mad clear, they aren't lamb shanks. Perhaps it would be called lamb fillet in English. I gather it was a new experience for you as well as your mother; and I hope it was not too unpleasant. It sounds as if you're willing to try some more experiments with lamb sometime.

There was a TV commercial a number of years ago in which an Italian-American woman justified using Ragú spaghetti sauce instead of cooking her own (an hours-long process), by saying, "You gotta try new things." Of course, you don't really, but kudos to you for trying something new.

Walter A. Aue hat gesagt…

"Geschmacksmuster haben ja oft etwas von mittelalterlichen Landstraßen, in denen sich die Wagenräder über Jahre unverrückbar eingegraben haben."

Ein schoener Satz; ein Satz mit Resonanz, die ueber das Kochen hinausgeht.

Stimmt er nicht fuer fast alles, was der Mensch so kostet, denkt, spricht, tut, fuehlt? Und dann - ich denke an Politik, an Gesellschaft, an Religion - anderen auferlegt?

MartininBroda hat gesagt…

@DirkNB Ja, obwohl es in meinem Fall dann doch leicht trocken wurde, aber das lag daran, daß "jemand" einen Horror vor nicht 200%ig durchgegartem Fleisch hat *seufz

MartininBroda hat gesagt…

@naturgesetz Well I wasn't in the mood to translate it, I'm sorry. Indeed it's this -http://de.wikipedia.org/wiki/Lachs_(Fleisch) - sorry it's German as well, but yes, in short a kind of steak or fillet. And I liked it btw., maybe to much compromises, and I knew it of course, but never cooked it here for certain reasons. We should never give up with new things :)

MartininBroda hat gesagt…

@Prof. Aue Ich habe die Woche über hier und da nachgedacht, was zu antworten. Worte neigen ja oft zur Tendenz, einem einfach so zuzufallen und dann hat man sie und muß sich klug stellen. Und wer geschwiegen hätte, konnte sich weiter als Philosoph ausgeben.
Das ist das Merkwürdige an der Sprache, sie ist größer als wir selbst, aber wenn wir uns in ihr bewegen, enttarnt sie uns auch.

DirkNB hat gesagt…

Sowas kenne ich auch. Fleisch muss durch sein. 100%ig. Also so lange garen, bis es garantiert durch ist, und dann noch 5 Minuten. Und hinterher darüber beschweren, dass es trocken ist.

MartininBroda hat gesagt…

@DirkNB Ich sehe eben, da hatte ich mich zwar amüsiert, aber nicht geantwortet. Entschuldigung. So sind die Menschen halt oft Gefangene ihrer Gewohnheiten, die wie ein schlecht geschnittener Anzug an ihnen kleben. Aber sie kennen es nicht anders und reden es sich zurecht.

DirkNB hat gesagt…

Und früher war das Fleisch sowieso besser. ;-) Wobei da durchaus was dran sein könnte.