Samstag, 9. August 2014

Etwas Garten-Archäologie


Mitunter will man an einem unschuldigen Sonnabendmorgen nur ein paar eher schlichte rosa Chrysanthemen irgendwo dazupflanzen und am Abend des Tages hat man völlig ungeplant ein neues Rosenrondell.

Wie gelegentlich erwähnt, besteht der Untergrund des Gartens zu großen Teilen aus Bauschutt vom vergangenen Schloß. Man ist darum auch nicht wirklich überrascht, wenn man beim Graben auf ein Stück senkrecht im Boden steckendes Stück Eisen stößt und gräbt einfach weiter (bei einem geschlossenen Eisenkörper wäre ich hingegen dann schon vorsichtiger geworden). Nur will es einfach kein Ende nehmen, und zum Schluß hat man das:


Wo es nun schon einmal ausgegraben war, wäre es albern gewesen, es wieder zuzuschütten, die Schloßgärtnerei liegt um die Ecke, also hatte ich irgendwann ein neues dekoratives Element im Garten (der langsam etwas „gerümpelig“ aussieht, sprich leicht zu zugestellt) und ein paar blühende Rosen mehr, denn mit denen ist es offen gestanden ansonsten nicht „so dolle“ (mit wenigen Ausnahmen), vielleicht war das Wetter in letzter Zeit rosenunfreundlich (denn an anderen Orten in der Nachbarschaft sieht es ähnlich aus). Wie auch immer.

Meine Vermutung geht dahin, daß der Eisenring schon älter ist und dem Zweck diente, den reichlich vorhandenen Efeu am Weiterwuchern zu hindern, sprich, daß an dieser Stelle auch früher schon mal ein Blumenbeet angelegt war, was nun einfach wieder der Fall ist.




Die nachfolgenden Dahlien gehören zwar nicht dazu, sehen aber nett aus. Und dann noch etwas „Katzen-Content“, der soll ja immer erfreuen, hört man so. Nur für die Chrysanthemen, für die habe ich immer noch keinen passenden Platz gefunden, hm.



nachgetragen am 12. August

Kommentare:

naturgesetz hat gesagt…

That iron ring is an interesting find. Those are good pics and cute kitties.

Walter A. Aue hat gesagt…

"Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen."

MartininBroda hat gesagt…

@naturgesetz Thanks for you liked the pics. An interesting experience indeed, noting exciting, but interesting.

MartininBroda hat gesagt…

@Prof. Aue Es ist immer schwierig auf Zitate zu antworten. Ich habe kürzlich eine lange Rezension einer neuen Trakl-Biographie gelesen. Herr Raddatz nennt sie ja dort "brilliant", aber von dem, was er schreibt, fühlt man sich eher in der alten Erkenntnis bestätigt, daß jemand sich sehr lange mit etwas beschäftigen kann, ohne daß am Ende etwas wirklich Erhellendes dabei herauskommen muß:
http://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article130581334/Der-Giftige.html

Walter A. Aue hat gesagt…

Ah. Gut.

Ja, auf Gedichtzitate ist es fast unmoeglich, zu antworten (ausser rational, a la "Das ist bestimmt kein Brunnenrand").

(Gute) Gedichte gehoeren dem Herz, Prosa dem Hirn.
Poesie entsteht im und spricht das Unbewusste an, Prosa das Bewusste. Ausnahmen gibt es viele: Meist bestaetigen sie die Regel.

Das Unbewusste ist der viel wichtigere und entscheidendere Teil der menschlichen Psyche, darum duerfen wir seine Ansprechbarkeit (durch Gedichte, etc.) nicht verlieren.

Da gibt's ein klassisches Interview von der Canadian Broadcasting Commission (CBC) mit Margaret Atwood:

Interviewer: Miss Atwood, you are very well known as a writer of novels. Why do you write so many poems?

Atwood: I write poems to express things that I cannot express in prose.

Interviewer: Miss Atwood, I read you beautiful poem "xxx", but I did not understand it. What does it mean?

Atwood: If I could tell you in common language, the poem wouldn't exist.

Interviewer: (squirms)

MartininBroda hat gesagt…

@Prof. Aue Ich mußte noch einmal nachschauen, ob ich den ursprünglichen Anfangssatz etwa doch stehengelassen hatte, denn exakt so hatte ich zunächst begonnen. Ähnliches gilt ja auch etwa (mutatis mutandis) für die Malerei, wo ein mir bekannter Künstler gern sagt, wenn er es erklären könnte, hätte er es nicht zu malen brauchen.

Es ist vermutlich komplexer, gewisse technische Dinge kann man sehen und beschreiben, aber wirklich erklären tut dies halt nichts. Und bei dem Unbewußten würde ich natürlich nicht widersprechen, allenfalls anfügen, daß sich dort auch eine Vernunft zu erkennen gibt, die über das gewohnt "Rationale" hinausgeht.

Walter A. Aue hat gesagt…

Ja, natuerlich ist das Unbewusste vernuenftig. Meistens viel mehr noch als das Bewusste. Und Gut und Boese enthaelt es auch, genau so wie das Bewusste. Fast alles, was mir lieb ist - Mythos, Kunst, Poesie - kommt aus dem Unbewussten. Und was mir auf die Nerven geht - Spin, psychologische Werbung, Propaganda - kommt aus dem Bewussten, dem Logischen, dem Rationalen.

Ich stimme nicht immer mit den schoenen Predigten von Herrn Roloff ueberein, aber seinen letzten Satz

"Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft [hier im Sinne von Logik, Ratio], bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unseren Herrn. Amen."

kann ich voll unterschreiben.

Natuerlich, die Erwaehnung des Menschensohnes zeigt, wann und auf wen der Satz anwendbar ist: Auf die, die in neutestamentlichen Zeiten leben. Unsere Zeit ist alttestamentarisch. Unser Gott ist der Gott der Torah, nicht der der Bergpredigt. Wir glauben an den eifersuechtigen, grausamen, gewalttaetigen, sich und seine Edikte raechenden Gott, nicht an den Gott des Verstehens und Heilens.

Bis zum Verstehen der Bergpredigt, wenn sie nicht ueberhaupt den Menschen hoffnungslos ueberfordert, braucht es leicht noch vier Jahrtausende.

Und beides, die (alten, mosaischen) zehn+ Gebote und das (neue, aber schon im Pali Kanon erwaehnte) eine Gebot von Jesus von Nazareth gibt es sowohl im Bewussten wie im Unbewussten, wie koennte es anders sein?

MartininBroda hat gesagt…

Wie Sie sich denken können, bringt nach meinem Gefühl Ihr Gedankenknäuel da vieles Richtige und einiges, das ich so nicht unkommentiert lassen mag, aber ich ringe noch nach einer Antwort; nur daß Sie nicht denken, ich hätte es vergessen.

Aber dieses scheint Ihnen denn doch recht zu geben - Gott sei "die Unschuld des Bösen", erklärt es sich der Artikel:

http://www.welt.de/kultur/article131344626/Der-Islamische-Staat-und-die-Aesthetik-des-Wahnsinns.html

Walter A. Aue hat gesagt…

Der Artikel ist ausgezeichnet, danke! Das einzige, was mich wundert ist, dass der Autor so verwundert ueber das Benehmen der Fundamentalisten ist. Was hat er sich denn erwartet? Auch der Fundamentalist muss mit sich selber leben koennen. (So wie der Papst, der Kinder fuer einen Kreuzzug anwarb.)

Aber was mir noch mehr gefallen hat, war der "Gedankenknaeuel" Bravo, da capo! Besser haette man auch wissenschaftlich die Verflechtung und Verfilzung der Neuralproteine im dementen Hirn (Alzheimer, schau oba!) beschreiben koennen. Das Wort ist da wie ein befreiender Schwertschlag mitten durch den Knoten, der den unloesbaren loest. Danke (ich meine das vollkommen ehrlich, ich bin ihnen wirklich dankbar fuer das Bild. Und, nein, der Gedankenknaeuel war schon meine Schuld, nicht die meines Hirns.)

MartininBroda hat gesagt…

Bevor Sie noch denken, Ihr letzter Kommentar wäre irgendwie ins Vergessen gerutscht, das ist er ganz und gar nicht, was nicht bedeutet, daß ich viel dazu zu sagen hätte.

Ihr Enthusiasmus für das Gedankenknäuel hat mich allerdings tatsächlich etwas verblüfft, wie auch immer.

Hinter der Verstörtheit des Autors steckt glaube ich die moderne Schizophrenie, daß man die Vorstellung eines normativ aufgeklärten modernen Menschentypus hat, der sich nur durch zufällige Widrigkeiten noch nicht überall durchgesetzt habe (wobei man dafür die Abgründe des 20. Jhs. natürlich komplett ausblenden muß).

Tritt jemandem nun derart massiv ein "vormodernes" Bewußtsein entgegen (das eher an die 200 Vorhäute der Philister erinnert), ist er selbstredend erschrocken; hätte man ihm von der Befreiung von der Knechtschaft des Monopolkapitals erzählt, hätte er womöglich gnädiger auf die Leichenberge als eine Art Transistorium geblickt.