Sonntag, 24. August 2014

Sonntag & (einmal mehr verspätet)


Gleich wird jemand etwas erklären, ich habe zwar keine Ahnung was, aber es ist ganz offensichtlich.


Ich mutmaße einmal, das Essen wurde erklärt. Denn wir wurden zu dem Zeitpunkt von der 86jährigen Nachbarin überwacht, die sich nicht vorstellen konnte, daß man noch um 3 Uhr nachmittags zu Mittag essen könne, und eine große Flasche Johannisbeer - Likör mitgebracht hatte, um ihren Geburtstag nachzufeiern, dem Frau Mutter umständehalber nicht beiwohnen konnte (ich hatte in einem Anfall von Frömmigkeit dem Gottesdienst beigewohnt, war erst gegen 12 Uhr zurück, und ein größerer Braten braucht nun einmal seine 2 Std.).

Am Ende wurde glücklich beides niedergemacht, sowohl das Essen als auch der Likör, an letzterem habe ich allerdings kaum Anteil, an ersterem ein wenig mehr, trotzdem wurde ich für meine Zurückhaltung schwer gerügt und mein Gegenüber gelobt, so hat jeder seine Ideale vom Leben, nun ja.



Zum Essen selbst: Es war ein größerer Kotelett-Braten und ein kleinerer Schnitzelbraten (der war mir seit längerem in der Gefriertruhe im Weg). Beides wurde zusammen auf Butterschmalz und Zwiebeln mit Thymian und Rosmarin geschmort. Merkwürdigerweise wurde in dem einen Fall die Kräuterkruste eher schnell sehr dunkel, in dem anderen Fall dauerte es, aber zum Schluß sah sie in beiden Fällen gleichmäßig schwarz aus, obwohl ich regelmäßig den Sud darüber gegossen hatte. Dem Gesamt-Geschmack tat es aber wohl keinen Abbruch.


Dazu Rosenkohl, einen frischen Salat aus allem Möglichen (hauptsächlich Tomaten, Bohnen und Zwiebeln) und die unvermeidlich, da heftig erwarteten Riesenmengen von Sauce und Kartoffeln.




Ich gebe zu, diese dürren Zeilen hätte man auch schon eher zustandebringen können. Doch wem soll ich die Schuld an der Verzögerung zulegen - Herrn Roloff mit seinem Überraschungbesuch am Montag, dem Palaiseigentümer mit seinem Geburtstag am Dienstag oder gar der ersten Chorprobe nach der Sommerpause von gestern? Ich bin es wohl selbst und mag mir auch gar keine Entschuldigungen ausdenken, die sind sowieso für nichts gut.

Aber um nicht nur von Kartoffeln zu reden. Ich hatte Herrn Roloff vorgeschlagen, daß wir zum Stadthafen gehen könnten (schließlich wird jungen Mädchen schnell langweilig).


Die Idee war nicht die dümmste. Es stellte sich sogar ein gemütlicher Angler ein, der nicht nur allgemein in sächselndem Idiom über die Technik des Hechtfischens dozierte, er fing tatsächlich einen (nach eigener Auskunft waren es mittags zuvor sogar zwei gewesen), der war allerdings recht klein und durfte weiterleben. Und jetzt wurde es sogar leicht dramatisch.


Auf die Gefahr hin, einen veganen Leser zu verlieren (falls ich noch einen haben sollte), eine Vorbemerkung - Veganer schaue ich erst einmal aus dem gleichen skeptischen Augenwinkel an wie etwa ISIS-Milizionäre, Impf-Gegner, Peta-Aktivisten oder Maoisten (die Reihe ließe sich wahrlich lange weiterführen). Es gibt da einen sehr verwandten Grund-Sound. Jedenfalls kreischte auf einmal von einem der größeren Boote herab (wir waren immer noch im Hafen) eine „Veganerin“ ihre Vorwürfe hervor, wie man Kinder (!) bei diesen grausamen Tierquälereien zuschauen lassen könne, sie dagegen sei eine „Tierliebhaberin“ und gerade sehr entsetzt.

Der Erfolg der Tirade war erkennbar mäßig, denn auf dem Rückweg raunte die jüngere Tochter einem schüchternen Jungen, der ebenfalls angelte, halblaut zu: „Petri Heil!“, was mit einem erstaunt freudigen „Petri Dank!“ beantwortet wurde. Und ich sage dazu nur noch: „Peace!“.

nachgetragen am 28. August

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