Montag, 12. Januar 2015

Sonntag &


Die Versuchung ist erheblich, ein großes Mißlingen zum Anlaß für ein beträchtliches Vergnügen zu nehmen, im Nachhinein. Was war geschehen. Ich war wieder einmal verpflichtet, den Herrn zu preisen (diesmal in Neubrandenburg, ich habe mir Videos davon angeschaut, so schlecht war das nicht, nur sich selbst würde man natürlich am liebsten immer herausschneiden).

Insofern war absehbar, ich würde spät zurück sein, also besser kein Braten, der Stunden braucht - „Ich esse einfach eine Bratwurst“, hörte ich, da dachte ich noch, selbst wenn, bei einer wird es kaum bleiben (doch! nahezu). Mein Ehrgeiz war eingeschläfert genug, um zuzustimmen, unter der Prämisse – 'das geht schnell, das ist einfach, und von den Bratwürsten ißt du selbst ja sowieso nicht'. Aber schon fängt irgendetwas im Kopf an zu nagen und sagt z.B. Dinge wie, 'na ja, Sauce hast du dann ja nicht, also mach 'Stampfkartoffeln' (vulgo Kartoffelpüree) und Sauerkraut würde dazu passen, aber nicht so einfach in den Kochtopf geschüttet'.

Unterm Strich, hat es sehr lange gedauert und mangels Erfahrung ging einiges daneben. Erster Mangel: Ich weiß nicht, wann ich zuletzt Bratwürste gebraten hätte; ich mag die gar nicht, jedenfalls habe ich es nach der Art eines Steaks versucht, das Ergebnis war: Zitat: „Ich versuch gerade die herauszufinden, die am wenigsten bitter schmeckt.“

Zweites Mißgeschick, ich hatte keine ganzen Muskatnüsse mehr, es gab sie gerade nicht zu kaufen (merkwürdig), also nahm ich gemahlenen Muskat für den Kartoffelbrei, der vorher aufwendig mit Milch, Sahne und Butter verfeinert worden war, mindestens dreimal zu viel davon (an Muskat). Es war ein sehr überwältigendes Geschmackserlebnis.

Nur auf das Sauerkraut (das auch lange brauchte), also darauf lasse ich nichts kommen. Ich habe erst Zwiebeln angeschmort, dann Äpfel, die Zwiebeln mit dem Sauerkraut und Wacholderbeeren, Lorbeerblatt, Piment und Pfeffer vor sich hin köcheln lassen, fast ganz zum Ende die Äpfel dazugetan. Also das war gar nicht übel. Meine Rumpsteaks waren ebenso genießbar. Nur mein Gegenüber, das am liebsten Salzkartoffeln mit einer (sehr) reichhaltigen Sauce ißt, hatte eine Miene zum Eierabschrecken eingegraben und war nachhaltig verstimmt.

Ich habe am nächsten Tag die übrig gebliebenen Bratwürste ins restliche Sauerkraut geschnippelt und quasi das Ganze zur Suppe metamorphosimisiert - das Bittere hatte sich gänzlich verflüchtigt, war also wohl noch nicht so ganz in die Substanz der Dinge eingedrungen, und ich war's zufrieden. Zumal ich Sauerkraut eigentlich schon lange nicht mehr vertrage. Diesmal, so zubereitet, war es anders, immerhin ein weiteres Erfolgserlebnis.

Warum nun das Vergnügen? Einmal ein rationales, wie Pläne so herrlich schiefgehen können. Dann ein gewissermaßen lebenspraktisches: Die Horde Katzen draußen freute sich fordernd, mich bald sehen zu dürfen (natürlich aus höchst eigennützigen Gründen). Anderes erinnerte ebenso daran, daß so ein Sonntagsessen doch nur ein Detail eines Tages darstellt, natürlich ein höchst wichtiges, aber dennoch nur ein Detail. Und so wird schließlich auch ein dergeartetes Mißlingen am Ende zu einem auflockernd belebenden Element in dem großen Mosaik, das sich Leben nennt.






nachgetragen am 15. Januar

Kommentare:

DirkNB/Herdnerd hat gesagt…

Der kundige Kulinariker unterscheidet wohl zwischen Stampfkartoffeln und Kartoffelpüree. Letzteres - nach der Beschreibung - wurde am Sonntag serviert. Abwandlungen, die zum Beispiel statt der Milchprodukte mit Olivenöl, Oliven, Knofi und (Röst-)Zwiebeln) zubereitet werden, unterstreichen die Wandlungsfähigkeit des Pürees, das wider Erwarten um gar keinen Preis mit einem Pürierstab in Verbindung gebracht werden darf, da es sonst Schleim geheißen wird.
Der Kartoffelstampf zeigt nach der Zubereitung eine eher gröbere Struktur und wird nur im kleineren Maße mit Flüssigkeiten (s.o.) versorgt. Dafür eignet er sich zum Beispiel aber auch noch zum nachträglichen Anbraten, was etwas Bratkartoffelaromatik ins Gericht bringt.
Bitternes in der Bratwurst, die ich für mich nach Möglichkeit auch lieber durch ein Steak oder etwas anderes ersetze, lässt eher auf zu viel Hitze beim Anbraten schließen. Vulgo: Sie ist angebrannt. Auf dem Bild machen sie zwar nicht den Anschein, aber sehr gut gebräunt scheint sie ja zu sein. Was auch gegen das Braten einer Bratwurst spricht, ist die Eigenheit, dass sie zwar oben und unten bräunt, die Mitte aber doch eher blond bleibt, außer, man hat doch sehr gerade Exemplare, die man auf 4 Seiten anbraten kann. Die Zubereitung auf dem Grill verspricht da doch bessere Ergebnisse. Oder eben das langsame Braten bei niedrigerer Hitze. Vieleicht müsste man mal eine Variante im Backofen probieren, schön mit heißer Umluft. Sichere, optisch einwandfreie Ergebnisse werden vermutlich in einer Friteuse erfüllt ...
Wer es sich leisten kann ...

MartininBroda hat gesagt…

@Herdnerd Man ist doch immer wieder für jede Belehrung von Herzen dankbar, so sie denn hilft, das Meer des Unwissens ein wenig austrocknen zu lassen, wie in diesem Fall.

Tatsächlich hatte ich den Begriff recht lustlos übernommen und neigte persönlich auch eher zum Püree.

Bratwürste, habe ich inzwischen herausgefunden, sind tatsächlich in gewissem Maße eine Begriffstäuschung, weil – siehe oben. Aber einen Grill im überschaubar großen Wohnzimmer aufzustellen, wäre dann doch ein zuviel an kulinarischer Hingabe (am zumal zweifelhaften Objekt) gewesen.

DirkNB hat gesagt…

Zumal ein echter Holzkohlegrill in geschlossenen Räumen schon für den einen oder anderen Todesfall, nicht nur beim Grillgut, geführt hat, würde ich davon auch dringend abraten. Es gibt zwar durchaus Genüsse "für die man sterben" könnte oder möchte, gemeinhin gern verfloskelt, aber Bratwürste zählen nicht dazu.

MartininBroda hat gesagt…

Vollinhaltliche Zustimmung, wenn auch (unabsichtlich) verspätet.