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Dienstag, 13. Oktober 2020

Oktober


Sehnsucht will den Tag ertränken

Abend blüht aus Nebelbänken

Erdenschwere strebt empor

Hin zu einem lichten Tor.  

Unbegreiflich geh‘n dort ein

Halblicht und Karfunkelstein.




Sonntag, 5. November 2017

Nachtrag I - Stefan Zweig - Graues Land / Clouds in the reddish gloaming

Johan Christian Dahl  (1788–1857),
Wolken und Landschaft bei Mondschein, hier gefunden

Stefan Zweig

Graues Land

Wolken in dämmernder Röte
droh'n über dem einsamen Feld.
Wie ein Mann mit trauriger Flöte
geht der Herbst durch die Welt.

Du kannst seine Nähe nicht fassen,
nicht lauschen der Melodie.
Und doch: in dem fahlen Verblassen
der Felder fühlst du sie.


Grey Country

Clouds in the reddish gloaming
threaten the lonesome dale.
Like a man with a sad flute is roaming
autumn all over the pale.

You cannot lay hold of this passing
nor hear his sorrowful sound.
And yet you can feel it caressing
the fading, gloomy ground.

Translation/ Übersetzung
by / von Walter A. Aue

Carl Ludwig Christoph Douzette (1834 - 1924),
Mondschein über Barther Werft, hier gefunden

nachgetragen nachts 13. 1. '18

Donnerstag, 27. September 2012

Äpfel &





Ludwig Uhland

Einkehr

Bei einem Wirte wundermild
da war ich jüngst zu Gaste.
Ein goldner Apfel war sein Schild
an einem langen Aste.

Es war der gute Apfelbaum
bei dem ich eingekehret
Mit süßer Kost und frischem Schaum
hat er mich wohl genähret.

Es kamen in sein grünes Haus
viel leichtbeschwingte Gäste
Sie sprangen frei und hielten Schmaus
und sangen auf das Beste.

Ich fand ein Bett zu süßer Ruh
Auf weichen, grünen Matten
Der Wirt er deckte selbst mich zu
Mit seinem kühlen Schatten.

Nun fragt ich nach der Schuldigkeit.
Da schüttelt er den Wipfel
Gesegnet sei er allezeit
von der Wurzel bis zum Gipfel.


Dienstag, 15. November 2011

Herbst-Stücke


Und jetzt arbeiten wir uns ganz langsam an unsere Versprechungen heran. Wir schwächelten etwas letztlich. Folglich schien dieser Ort scheinbar erstorben zeitweise, dabei lag genug an halbfertigen Gedanken und ganzen Ideen herum. Dies soll nun teilweise behoben werden. Und der erste Nachtrag wären dann diese jahreszeitgemäßen Herbstgedichte. Das Wetter war aber auch zu herabziehend. Und dann lädt dieses allzuschnell zu derart philosophisch - melancholisch - platonischeren Gedanken ein, wie sie etwa bei Herrn Hesse zu finden sind (jemand war so freundlich, es dort gänzlich wiederzugeben, es ist eigentlich ganz nett, aber mit der Zeile zuvor macht er es doch zu seicht):

Sterblich sind auch die Lieder,
Keines tönt ewig wieder,
Alle verweht der Wind:
Blumen und Schmetterlinge,
Die unvergänglicher Dinge
Flüchtiges Gleichnis sind.
Hermann Hesse



Zu meiner Verblüffung stellte ich fest, daß ich den mir deutlich lieberen Rückert schon einmal angebracht hatte, nebst der freundlichen Übersetzung des Prof. Aue, hier nämlich.

Friedrich Rückert

Herbsthauch

Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen zu Tagen,
Was dir der blühende Frühling nicht trug,
Werde der Herbst dir noch tragen!

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu schmeicheln, zu kosen.
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er die Rosen.

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.



Und an Herrn Trakl, an dem haben wir uns letztens etwas abgemüht, das müssen wir noch einmal bei Tageslicht besehen, bevor wir hier etwas zeigen.

Georg Trakl

Ruh und Schweigen

Hirten begruben die Sonne im kahlen Wald.
Ein Fischer zog
In härenem Netz den Mond aus frierendem Weiher.

In blauem Kristall
Wohnt der bleiche Mensch, die Wang’ an seine Sterne gelehnt;
Oder er neigt das Haupt in purpurnem Schlaf.

Doch immer rührt der schwarze Flug der Vögel
Den Schauenden, das Heilige blauer Blumen,
Denkt die nahe Stille Vergessenes, erloschene Engel.

Wieder nachtet die Stirne in mondenem Gestein;
Ein strahlender Jüngling
Erscheint die Schwester in Herbst und schwarzer Verwesung.


Ja darüber muß man erst einmal hinwegkommen, also lassen wir uns doch lieber von dem guten Onkel Storm vorher noch auf den Boden des Faßlichen zurückziehen:

Theodor Storm

Und sind die Blumen abgeblüht,
So brecht der Äpfel goldne Bälle;
Hin ist die Zeit der Schwärmerei,
So schätzt nun endlich das Reelle!


nachgetragen am 22. November

Freitag, 3. September 2010

Gefühlter Herbst

translated

Friedrich Rückert

Herbsthauch

Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen zu Tagen,
Was dir der blühende Frühling nicht trug,
Werde der Herbst dir noch tragen!

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu schmeicheln, zu kosen.
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er die Rosen.

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.


Song of Autumn

Heart, now so old and still so forlorn,
day after day you are sighing:
hoping, what blossoming spring has not borne,
autumn might still be supplying.

Wind lets not go of bush in its play,
fondling, cajoling, caressing:
opening rosebuds at dawnings of day,
evenings the roses undressing.

Wind lets not go of bush in its play,
stripping and baring and shoving.
Everything, Heart, will the wind blow away:
all our writing and loving.

Kurz bevor ich diesen Post veröffentlichen wollte, gewissermaßen aus einem Impuls heraus, dachte ich, vielleicht hat unser verehrter Prof. Aue auch dieses Gedicht übersetzt, er hat. Es überhaupt auszuwählen, war mehr eine spontane Idee, nachdem ich einen Band mit Herbstgedichten durchblätterte, als ich spät nach Hause kam und nach etwas suchte, das mit meinem Gemütszustand korrespondierte, diese Zufälle.

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Quite shortly before I wanted to publish this post, somehow out of an impulse, I thought, perhaps our venerable Professor Aue has translated this poem too, I found out he has. To choose it at all, was more a spontaneous idea, when I leafed through a book of autumn poems, after I came home late and was looking for something that corresponded with my state of mind, those coincidences.

Freitag, 23. Oktober 2009

Herbst-Kitsch



Man wird es kaum glauben, aber Ryan aus Florida ist irgendwie schuld an diesem Arrangement. Er hatte so etwas ähnliches präsentiert als Anknüpfung an familiäre Traditionen und brachte den schönen Satz: „I personally think if people would keep up with tradition we might have a better world to live“. Das war natürlich für mich ein kompletter Herzdurchschuß (ins Positive gewendet), der nachwirkte, und das Bild stellt sozusagen das erste Ergebnis meines Versuches dar, den Herbst etwas zu zelebrieren (wieso eigentlich diesen nur als Anlaß für sentimentale Ergehungen nehmen, warum nicht ein wenig den Herbst feiern), etwas kitschig, wie ich gern zugebe, aber warum eigentlich nicht. Im Grunde ist es mein zweiter Versuch, der erste mit einem ausgehöhlten Kürbis blieb in den Anfängen stecken, der fing nämlich an zu schimmeln. Es ist noch nicht ganz fertig, also ich bin für Vorschläge offen. Und jetzt werde ich versuchen, meinen gestrigen Beitrag fertigzuschreiben

Samstag, 13. September 2008

Herbst


Rainer Maria Rilke

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.


Rainer Maria Rilke

Fall

The leaves are falling, falling as from far,
from wilting in the heavens' farthest gardens:
They're falling to negate the summer's mirth.

And in the nights the heavy Earth
falls into solitude from star to star.

We all are falling. This my hand here bends.
And look at others: Fall's in all their calling.

And yet there's One, who's holding all this falling
forever tender in His upturned hands..."


Translation/ Übersetzung
by / von Walter A. Aue


In unseren zweifelhaften Zeiten kann es durchaus immer noch geschehen, daß in einer nachrichtenreichen und inhaltsarmen Fernsehsendung immerhin mit Herbstbeginn eines der beiden berühmtesten Herbstgedichte Rilkes erscheint.

Ich wollte heute eigentlich über etwas anderes schreiben, aber je mehr ich mich in die Gedichtsammlung des Herrn Aue vertiefe, bemerke ich, Großer Gott, was für eine Schatztruhe an Auswahl, Erfindungen, Erwägungen, Querverweisen…

Ich habe mich gerade köstlich über die Fromme Helene von Wilhelm Busch amüsiert, interessiert einen Link über die Unübersetzbarkeit Rilkes gefunden. Und eben auch seinen oben präsentierten Übersetzungsvorschlag gefunden.