Sonntag, 9. August 2015

Sonntag & (translated)


Das ist das schöne, wenn man zu Denkmälern hinüberblicken kann. Der Herzog ist auch immer noch da, dann wirst das selbst ja wohl ebenfalls irgendwie hinkriegen. Ich kann Sommer nicht. Der Satz ist so rudimentär (und falsch), daß ins nachfolgende keine Erwartungen mehr gesteckt werden müssen. Ich war offen gestanden schon gestern so plem plem, daß ich abends auf meinem verwaisten Twitter-Account einen Zeit-Artikel „geteilt“ habe, auf Englisch. Irgendwie befiel mich wohl das Gefühl, daß dieser Quark, vielleicht unfreiwillig, schon auf ein paar Wahrheiten hindeutet, in diesen Tagen, in denen einem durchaus etwas mulmig wird. Genug davon.


Zurück zur Idylle, und die heißt diesmal Schnitzel mit Kartoffelsalat. Ich bin also sehr früh aufgestanden (als alle potentiellen Unruhestifter noch fest schliefen und die Temperaturen leidlich erträglich waren), habe Kartoffeln gekocht, abkühlen lassen, gepellt, kleingeschnitten, eingelegte Gurken kleingeschnitten, Zwiebeln, nun, man ahnt den Fortgang. In das Ganze kam nur noch ein Mayonnaise-Ersatz, etwas Gurkenwasser, viel Pfeffer, etwas Salz, Dill, darauf Tomaten, nicht nur als Garnierung. Und ein Sado-Maso-Ei, das uns die betagte Nachbarin geschenkt hatte, die auf die Hühner des Herrn, der dieses Haus mal erworben hat, aufpassen mußte.


Der Satz kommt nicht von ungefähr; die beiden Damen hatten einen regen Gedankenaustausch über das Sujet, wie sich das Tier wohl gequält haben mußte, um das Ei am Ende glücklich aus sich heraus zu bekommen. Frauengespräche eben (man bedenke immer noch, es ist deutlich zu warm für mein unschuldiges Gemüt).

Man kann das alles den Bildern ablesen. Auch die ursprüngliche Skepsis, die dann bald umschlug, selbst die Nachbarin bekam später etwas davon ab („Das schmeckt aber gut“, und das aus mecklenburgisch-pommerschen Munde). Dazu Schnitzel, erst fein schmalgeklopft, dann in Mehl gewälzt, darauf in kräftig gewürztem Ei, zuletzt in Paniermehl. Alles endlich in Butterschmalz gebraten und dann im Ofen abgedeckt warmgehalten.



Dafür, daß ich eigentlich keine Lust hatte zu kochen, war es doch ein wenig mehr Aufwand als gewollt. Nun ja, manchmal entsteht der Spaß eben beim Tun. Und das selbst in einer brütend heißen Küche.


(I wasn't sure if I should delete or translate this. And as you can see, I choose to “translate” it, so to speak.)

That's the wonderful aspect if you can look across to monuments of people you like. The Duke is still there: So get yourself together and do the same. I cannot do summer. This sentence is even senseless in German, so not much expectations into the following, you've be warned. Frankly, yesterday evening I was so confused I even shared something on my orphaned Twitter account, in English, from this important weekly journal called “Die Zeit”. Somehow befell me probably a feeling that this fiddle-faddle (is flapdoodle offensive? It was my 1st choice, but my “English” will always be a guessing), perhaps involuntarily, evoked a few truths in these disturbing days. But enough of this.

Back to the idyllic topics, it's named this time Schnitzel with a potato salad. So I was up very early (as all potential troublemakers were still asleep and the temperatures fairly bearable), have boiled potatoes, let them cool down, peeled it thereafter, chopped it, added small pieces of pickled cucumbers, and onions, well, you got the idea already. To the whole hotchpotch only a mayonnaise substitute was added, some cucumber water, a lot of pepper, a little salt, dill, on top some tomatoes, not only as a garnish thing. And a sadomasochistic egg (well here is a story behind), our elderly neighbour, who had to take care of the chickens of the Landlord while he was in Hungary (and it's back now), gave this to dear mother.

So the strange word was no accident. The two ladies had a lively exchange of views on the subject (an egg with two yolks), how poor chicken probably had to endure a lot of pain to get rid of that. Women's talk, so to speak, I really had to leave the room (remember, it's clearly too warm for my innocent mind).

You can read all this from the images. The initial scepticism, which then capsized soon, even the named neighbour got later some of it ("that tastes good", and this from a rural Mecklenburg- Pomeranian point of view). These Schnitzel were just knocked to fine narrow pieces, then rolled in flour, then in vigorously spiced egg mud, at last in breadcrumbs. Everything finally fried in ghee and then into the oven, covered, to be kept warm.

For that I actually could not be bothered to cook at first, I took a little more effort than intended. Well, sometimes the fun is created while doing. And that even in a kitchen with a sweltering atmosphere.

Samstag, 8. August 2015

Beiläufiger Beitrag


Das ist wirklich surreal, ein offenkundiger, sagen wir einfach, nicht sehr vertrauenswürdiger Kommentar brachte mich zu diesem alten Beitrag (in solchen Zeiten ist wahrlich alles nach spätestens 10 Minuten alt) und ich dachte so für mich: 'Mein Gott!'. Ich habe herumgesucht und tatsächlich 3 weitere Bilder aus der Zeit des Beitrages gefunden, die nun ja...

Aber wie Leonard Nimoy am Ende sehr zurecht bemerkte: „A life is like a garden. Perfect moments can be had, but not preserved, except in memory.“



Sonntag, 2. August 2015

Sonntag &


Als ich gestern Abend gegen 11 die Schloßstraße hinaufging, fiel mir ein junger Mann auf, der offenkundig von der Idee besessen war, die Häuser festhalten zu müssen. Nun waren wir alle, denke ich, schon in unangenehmen Situationen. Und so half ich ihm, gegen meine Gewohnheit, mit seiner freundlichen Einwilligung zum nächsten Treppenaufgang.

Ein etwas schräger Gedanke an dieser Stelle (der mich aber schon des öfteren befiel): Jeder Mensch denkt zuförderst erst einmal (mehr oder weniger), er sei normal, und ist dann z. B. verblüfft, wie Menschen so dünn sein können. Nun ja. Nachdem er folglich nicht weiter belästigt werden mußte, er hatte das übrigens mit ziemlicher, ja warum nicht, Dignität beantwortet, eilte ich also in die Stadtkirche.

Und während ich sie im Geiste wieder einmal in einen schönen Ort verwandelte (soviel wäre das gar nicht, die Emporen im Chorbereich müßte man zurücknehmen, die Altarwand von Grau in Weiß-Blau ummodeln z.B.), beging der Neustrelitzer Musiker Torsten Harder, ein wahrlich frommer Mann, von dem ich, offen gestanden, nicht wirklich wesentliches weiß, und insofern mische ich mich in fremde Händel (wenn ich ihn auch schon gelegentlich gehört habe), dort seinen 50. Geburtstag mit einem wohl größtenteils improvisierten öffentlichen Konzert, bei dem mir mehrfach innerlich die Kinnlade herunterfiel (man muß auch wissen, was man seinen Mitmenschen zumuten will, allein die Vorstellung, mein Beeindruckt-Sein wäre nach außen gewendet worden - *Grusel). Es war einer der Momente, wo ich dachte, dies ist eben doch immer noch ein Ort der Künste und des Geistes, und sogar der Frömmigkeit.

Aber ich hatte natürlich die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen. Andere Partyleute mögen geholfen haben, die Treppenstufen waren jedenfalls 1 1/2 Stunden später leer. Gott sei Dank. Das also die zugegebenermaßen etwas seltsamen Präliminarien.


Denn eigentlich soll es doch jetzt um's Essen gehen. Auf dem mäßigen obigen Bild bekommt man eine Ahnung. Im Gefrierschrank-Mausoleum ruhte immer noch ein Rehrücken in Frieden. Der war nun seit Freitag gestört, denn der Rücken reifte im Kühlschrank nach. Offen gestanden, ist es eine mühselige Veranstaltung, man muß das Fleisch vom Knochen lösen (nicht alles natürlich), die Knochen samt Anhängendem mit Zwiebeln erst anbraten, dann ablöschen und darauf in reichlich Flüssigkeit vor sich hinköcheln lassen, zusammen mit Piment, Lorbeerblättern, Pfefferkörnern, Rosmarin,  und Salz natürlich. Die Löschflüssigkeit bestand in diesem Fall aus Rotwein, Wasser und Ketchup. Das braucht gut seine 2 1/2 Stunden, aber man muß dem Topf dabei natürlich nicht die Hand halten. Aber es dauert eben.


Irgendwann wurden auch die ausgelösten Stücke vom Rehrücken angebraten, mit Wildfond abgelöscht und in den Ofen abgedeckt zum Nachgaren gesteckt, für nicht so sehr lange. Schließlich kam es zur unvermeidlichen Familienzusammenführung. Die leidlich ausgekochten Knochen kamen in mein größtes Sieb, der aufgefangene Fond zu dem aus dem Ofen (der Rehrücken wurde dort warmgehalten), und jetzt verläßt mich schon meine Erinnerung, ich denke, Sahne kam noch dazu. Das heißt, mein Gedächtnis hatte mich schon gestern bald verlassen: Es sollte doch eine Preiselbeersauce werden. Was fehlte, als sie endlich auf dem Tisch stand – die Preiselbeeren. D.h., sie waren wohl vorhanden, nur eben nicht in der Sauce. Ich war inzwischen wirklich zu träge, das noch einmal rückgängig zu machen, und habe darauf meine Schnapsidee aufgewärmt, Preisel- und Heidelberen kurz in Rum zu schwenken.



Zwei Dinge waren putzig, Frau W. hat ihren Gurkensalat nicht angerührt (gewohnt mit Essig und Zucker) – 'ich wußte ja nich, daß du noch Blumenkohl machst'. Zu Füßen des Gebirges aus Blumenkohl hatte sich allerdings reichlich Butter versammelt, die ich heiß darübergeschüttet hatte (etwas Muskat war auch dabei), langsam wird mir deutlich, wie jemand auf die Idee kommen kann, es gäbe so etwas wie Butterkobolde .

Ein Anderes: Die Sauce wurde gnädig aufgenommen (obwohl Frau W. neben vielen anderen Dingen keine Rotweinsaucen mag). Aber als ich vorschlug, ich könne nach dem Abräumen ja die Früchte jetzt dazutun, warf sie sich unter verblüffend lautem "Nein!" nahezu schützend über die Terrine. Mein Gott, soviel Hingabe.



Ich wüßte wirklich nicht, was noch zu sagen bliebe. Es war nicht schlecht, ich habe mich sogar getraut, ein wenig davon dem Herrn Stahl von der Schloßkirchenaufsicht nebenan anzudienen.

Die Ausstellung „Tier und Mensch“ ist nun geschlossen. Darum das Eingangsbild, es war eine wundervolle, sich tief einsenkende letzte Stunde, die ich da fast nur für mich hatte, und so reifte in mir dann der Gedanke, mich der Gefahr der Ungnade auszusetzen und gegen meine Absicht, einige Bilder zu machen, und mitzuteilen, die findet man da.


Heimat ist der Ort, den sich die Seele auswählt, offenbar hat sie das längst getan. Und wenn Kunst diesem Ort noch ihre eigene Würde dazugibt: Was sollte es mehr geben?
beendet am 3. August

Schloßkirche











Donnerstag, 30. Juli 2015

Carl Blechen

 Carl Blechen, Meeresbucht in Italien, 1829
(in größerer Auflösung) hier gefunden 

 Carl Blechen,Turmruine mit Drachen, 1827
(in größerer Auflösung) hier gefunden 

Carl Blechen, Weg nach Castel Gandolfo, Detail, 1830

Carl Blechen ist einer der großen Unbekannten, sofern man an ein eher umfänglicheres Publikum denkt. Der Blogger Jay hat mir gestern ein schlechtes Gewissen gemacht, als er über ihn schrieb. Wenn wir übellaunig wären, würden wir behaupten, er habe nur seinen Beitrag von 2010, leicht aufgehübscht und eingekürzt, wiederholt, aber sein „Abstract“ wirkt auf mich dafür zu ernsthaft. Er wollte einfach noch einmal an ihn erinnern, denke ich.

Doch zurück zum Künstler; sein Leben läßt sich besser kurz abhandeln. Geboren am 29. Juli 1798 in Cottbus, der familiäre Hintergrund durchaus bescheiden. Immerhin konnte er das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium besuchen, doch für ein Studium genügten die Mittel nicht. 1812 kam er als Lehrling in ein Bankgeschäft, ab 1820 arbeitete er im Berliner Bankhaus Koehne. 1822 weisen ihn die Akten der Berliner Akademie der Künste als Schüler aus, für ein Jahr. 1823 reiste er nach Dresden, wo er Johan Christian Clausen Dahl besuchte und wohl auch die Bekanntschaft Caspar David Friedrichs machte. 1826 wurde er Mitglied im Berlinischen Künstlerverein.

Schinkels Empfehlung brachte eine Anstellung als „Decorationsmaler“ am Königstädtischen Theater in Berlin, wo er von August 1824 bis Juni 1827 eine große Zahl wirkungsvoller Bühnenbilder schuf, das er aber nach einem Streit mit der Sängerin Henriette Sontag wieder verlassen mußte. Er hatte sich nunmehr als freischaffender Künstler durchzuschlagen.

Im Sommer 1828 reiste er an die Ostsee. Im Herbst darauf begab er sich nach Italien und erreichte Ende November Rom, wo er bis zum Mai 1829 blieb, zwei Monate verbrachte er in der Umgebung Neapels und kehrte im heißen Sommer nach Rom zurück, um weiter dann im Herbst langsam durch Mittelitalien nach Berlin zurückzukehren, das er im November 1829 erreichte.

Während dieser Reise, die seine Malauffassung entscheidend neu prägen sollte, entstanden hunderte Skizzen, die später weiter ausgearbeitet wurden. Insbesondere die von ihm reflektierten Lichterfahrungen führten ihn über die zeitgenössischen Strömungen deutlich hinaus.

1831 bewarb sich Blechen, wieder auf Empfehlung Karl Friedrich Schinkels, erfolgreich für die Akademieprofessur der "Landschaftszeichnen Classe". 1833 bereiste er den Harz, 1835 folgt eine vierwöchige Reise nach Paris in Begleitung seines Freundes und Förderers Louis Sachse. Im selben Jahr wird er zum ordentlichen Mitglied der Akademie gwählt. Seit 1836 verstärkten sich die Anzeichen einer psychischen Erkrankung, die ihn zur Aufgabe der Lehrtätigkeit zwingen.

Am 23. Juli 1840 starb Carl Blechen geistig umnachtet. Sein Grab auf dem Dreifaltigkeitskirchhof in Berlin-Kreuzberg ist nicht mehr auffindbar, immerhin erinnert eine Gedenktafel an der Friedhofsmauer als Ehrengrab des Landes Berlin an ihn.

 Carl Blechen, Das Innere des Palmenhauses auf der Pfaueninsel, 1832
(in größerer Auflösung) hier gefunden 

Fontane, der sich an einer Biographie Blechens versucht hatte, die er aber nie fertigstellte, hat sich nach den hinterlassenen Notizen über dessen Ende etwas derber geäußert:

"Was Blechen schließlich bis zur Pulle trieb, ist schwer festzustellen, vielleicht erblich, vielleicht natürliche Neigung, vielleicht Ärger, Kränkung, Verstimmung. Zu dieser Dreiheit mag allerlei Grund vorgelegen haben, und unter diesen Gründen wird auch eine 'unglückliche Ehe' genannt. Da sich diese Versicherung in fast allen Briefen wiederholt, so mag Wahres in der Tatsache gewesen sein. Aber das möchte ich mit annähernder Gewißheit sagen: Wenn es so gewesen ist, so ist nicht die Frau dafür verantwortlich zu machen. Im Gegenteil, nicht nur aus der Handlungsweise der Frau, wie sie sich in ihrem Testament und anderen Dingen ausspricht, sondern namentlich auch aus etwa dreißig mir vorliegenden Briefen und Briefchen der Frau geht hervor, daß es eine sehr gute, sehr verständige und, ich schreibe dies Wort mit allem Vorbedacht nieder, eine sehr edelmütige Frau gewesen ist, ganz schlicht, ganz einfach, ganz ohne 'Höhere Bildung', aber von allergesundestem Menschenverstand, und nicht bloß von richtigem, sondern auch von feinem Gefühl."

Vom feinen Gefühl der Henriette Blechen teilt der Frauenversteher Fontane dann auch noch mit, sie habe Aktzeichnungen von Blechens Hand an den Kunsthändler Sachse verschenkt, "aber erst, nachdem die untern unanständigen Hälften mit der Schere weggeschnitten waren".

Aber es gibt genug anderes von Blechen, das eher unser Interesse beanspruchen sollte, wie das oben gezeigte Bild vom Palmenhaus, das vielleicht noch am ehesten eine gewisse Bekanntheit behalten hat. Über den Ort selbst (der nur wenige Jahrzehnte so bestand) schreibt Fontane sehr schön (in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Bd. 3, Die Pfaueninſel“):

„Pfaueninsel! Wie ein Märchen steigt ein Bild aus meinen Kindertagen vor mir auf: ein Schloß, Palmen und Känguruhs; Papageien kreischen; Pfauen sitzen auf hoher Stange oder schlagen ein Rad; Volièren, Springbrunnen, überschattete Wiesen; Schlängelpfade, die überall hin führen und nirgends; ein räthselvolles Eiland, eine Oase, ein Blumenteppich inmitten der Mark.“

„1830 wurde auch das Palmenhaus errichtet.

Das kleine Eiland stand damals auf seiner Höhe. 'Eine Fahrt nach der Pfaueninsel... galt den Berlinern als das schönste Familienfest des Jahres und die Jugend fühlte sich überaus glücklich, die munteren Sprünge der Affen, die drollige Plumpheit der Bären, das seltsame Hüpfen der Känguruhs hier zu sehn. Die tropischen Gewächse wurden mit manchem Ach! des Entzückens bewundert. Man träumte in Indien zu sein und sah mit einer Mischung von Lust und Grauen die südliche Thierwelt: Aligatoren und Schlangen, ja das wunderbare Chamäleon, das opalisirend oft alle Farben der blühenden Umgebung wiederzuspiegeln schien.' Meine eigenen Kindheitserinnerungen, wie ich sie Eingangs ausgesprochen, finden hier ihre Bestätigung.“

Der Blogger Jay teilt uns Fontanes Urteil u.a. zu obigem Gemälde wie folgt mit: "Die Palmenhausbilder sind sehr schön und wohl kaum übertroffen. Aber doch eigentlich langweilig."

Nun ja. Es ist nicht zwangsläufig so, daß ein großer Schriftsteller wie Fontane mit seiner Begabung für's Schildern damit selbstverständlich auch hinreichend Empathie für ein ganz eigenartig Anderes miterwirbt. Er hat ihn vor allem, was nur zu menschlich ist, in ein Schema zu bringen gesucht, das ihm entgegenkam.

So urteilt er schließlich, Blechens "eigentlichen Landschaften" seien "realistisch, helle Töne, Sonnenbrand, gelbe Kahlheit herrschen vor. Mitunter nähern sich diese Landschaften aber dem Romantischen, und er tut manchmal ein romantisches Element hinzu." Und sein Fazit: "Widerlegung, daß er besonders im Romantismus gesteckt habe. Nur wenig spricht dafür."

Carl Blechen, Im Park der Villa d'Este, 1830
hier gefunden 

Er steht sich mit anderen Äußerungen dabei selbst ein wenig im Weg. So wenn er über das „Semnonenlager“ von 1828 (in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Die Müggelberge) schreibt: 

“Karl Blechen, 'der Vater unsrer märkischen Landschaftsmalerei', wie er gelegentlich genannt worden ist, hat in einem seiner bedeutendsten Bilder die Müggelberge zu malen versucht. Und sein Versuch ist glänzend geglückt. In feinem Sinn für das Charakteristische, ging er über das bloß Landschaftliche hinaus und schuf hier, in die Tradition und Sage der Müggelberge zurückgreifend, eine historische Landschaft. Die höchste Kuppe zeigt ein Semnonenlager. Schilde und Speere sind zusammengestellt, ein Feuer flackert auf, und unter den hohen Fichtenstämmen, angeglüht von dem Dunkelrot der Flamme, lagern die germanischen Urbewohner des Landes mit einem wunderbar gelungenen Mischausdruck von Wildheit und Behagen. Wer die Müggelberge gesehen hat, wird hierin ein richtiges und geniales Empfinden unsres Malers bewundern – er gab dieser Landschaft die Staffage, die ihr einzig gebührt.“

Doch was sagen Kategorien wie „romantisch“ oder hier wohl passender „heroisch“ schon aus, das Semnonenlager, das seit dem letzten Krieg verschollen ist, macht nicht unbedingt einen konventionell realistischen Eindruck. Wenn Kunst wesentlich ist, erscheint sie eher irreal oder besser überreal, da sie mehrere Wirklichkeiten übereinanderlegt.

100 Jahre nach Blechens Tod heißt das übrigens in der Nachfolge Fontanes dann, er habe den "Weg von romantischer Gedankenmalerei" zu einer heiter bejahenden Naturwiedergabe gefunden, "zu einer Malerei der Farbe und des Lichts, die den Impressionismus in manchen Stücken vorausnahm."

So sehr daran manches stimmt (man schaue sich nur die ersten 3 Bilder dieses Beitrages an), macht es Kunst doch auch zu einer Art von Treppenaufstieg (wohin eigentlich?). Genug davon.

Aber einmal noch Fontane zuvor: In einem Brief von 1873 gibt er der zeitgenössischen Architektur einen hübschen Seitenhieb; er versichert nämlich dem Adressaten, er solle seine Antwort einfach so dahinschreiben. „Abfassung gleichgültig; wie die modernen Architekten sagen: 'Der Stil wird angeputzt.'“.

Die obige Ansicht der Villa d'Este von 1830 ist vielleicht auch noch etwas bekannter. Sie scheint seinen Zug zum Theatralischen zu bestätigen. Aber was bedeutet das schon, ist es bei ihm nicht eher verdichtete Wirklichkeit, ein Blick, der Dinge nicht einfach so dahinnimmt, sondern geradezu mit dem Finger befiehlt: Sieh hin und sehe! Ganz ohne Belehrung, nur als dringliche Mitteilung. Völlig anders, aber ebenso eindrücklich etwa nachfolgend.

Carl Blechen, Bäume im Herbst bei Sonnenaufgang,1823

Und bevor ich jetzt etwas Unsinniges wie z.B. 'fast schon eine Art von chinesische anmutendem Impressionismus' daherfasele, will ich noch zu einem anderen Bild von 1829 verlinken (die Abbildung ist extrem klein, gibt aber einen Eindruck), da versinkt nämlich das, was vom Forum Romanum noch übrig ist, gewissermaßen in Licht und Sand.

Die Poesie des Wirklichen, sprich die Tiefe des Lichts und die Präsenz des Vergangenen vermag er atemberaubend lebendig vor uns hinzustellen, nur dies genannt (er hat selbst Fabriken gemalt, aber das mögen wir weniger an diesem Platz). Die Klosterruine Oybin wird nicht zur Gedankenikone, wie bei unserem Friedrich, das mag sein, aber er malt sehr „realistisch“ eine Seite aus dem Buch des Lebens und der Welt, das uns schaudern läßt. Wie bei dem darauf folgenden. Man muß viel geschaut haben, um Derartiges mitteilen zu können. In Bildern, das war die Sprache, die ihm zu Gebote stand, und die wir nur versuchen können zu entziffern.

Und selbst dem Verfall vermag er etwas Gelöstes abzulesen. Das Vergehen des Schönen hinterläßt dem, der zu sehen vermag, mehr als nur Leere. Er wußte das.

 Carl Blechen, Klosterruine Oybin, 1822
(in größerer Auflösung) hier gefunden 

Carl Blechen, Gotische Kirchenruine, 1826
Carl Blechen, Gotische Kirchenruine, c. 1829-1831
hier gefunden 

vorläufig beendet am 1. August

Sonntag, 26. Juli 2015

Sonntag & &



Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man's salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn das man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten.
 Matthäus 5.13. 

Das hörte ich heute wieder, als mich mein schlechtes Gewissen in die nüchtern-düstere Neustrelitzer Stadtkirche trieb (die jetzt von außen wirklich nett ausschaut); und was schade daran ist, man denkt als halbwegs verständiger Mensch sofort: Was für ein Quark. Und der Rest wird darauf dann auch eher argwöhnisch betrachtet.

Mein erster Gedanke - das muß der normal-jüdische Jesus nach seiner menschlichen Natur gewesen sein, dem die Küche traditionsgemäß völlig fremd war. Der ewige Christus, der naturgemäß alles weiß, hat dann vermutlich gerade geschlafen. Aber jetzt las ich, das Salz zur Zeit Jesu wäre wohl durch keine unserer Lebensmittelkontrollen gekommen. Da war außerdem noch soviel Kram drin, mit dem das chemisch schlichte Kochsalz tatsächlich hätte reagieren können. Wir glauben das mal so.

Und wo wir gerade derart religiös gestimmt sind. 2 Monate „Hello Dolly“ sind vielleicht nicht die Hölle, aber man bekommt eine Ahnung. Nun ist der nahe Standort natürlich ungünstig. Denn, was zum einen herüberweht, ist die immer gleiche Pausen-Blasmusik, sind die besonders schrillen Stellen, die gestelzten Deklamationen, das betörende Brummen des Generators... Die tollen Kostüme bei dem allen kann man aber durch die Schloßkirche hindurch natürlich nicht sehen. Nun isses ja vorbei. Den Göttern sei Dank. Und Frau Frederic selbst war auch gar nicht so schlecht, nur muß es wirklich vorbei sein, daß man zu soviel Gerechtigkeit sich aufzuraffen vermag. Und ich könnte jetzt komplett die Hauptmelodien ungewollt mitsingen. Fällt dass schon unter Körperverletzung?

Dies ist jedoch ein Ort, an dem üblicherweise über's Essen gesprochen wird. Nun, das war so übel nicht. Unsere Haus-Frisösin hatte uns kürzlich eine Zucchini hinterlassen und auch gleich auch noch ein Rezept dazu. Die lag jetzt vor sich rum, die Zucchini, zusammen mit einigen Mairübchen.


Die kleinen „blutigen“ Steaks waren meine Rückversicherung, falls alles schief gehen sollte, ging es aber nicht.


Und das also die mit Hackfleisch gefüllten Zucchini. Da sie eher nach nüscht schmecken, mußte also das Hackfleisch (neben dem sonstigen üblichen Kram) eine Überdosis an Geschmack abbekommen: Mediterrane Kräuter, Kräuterpfeffer...


Ich vergaß die Mairübchen - kurz angebraten, dann in einer Schmorbrühe aus Gemüsefond, Honig und Senf weiterbehandelt.


Diese sog. Sauce sollte (deutlich hörbar) schnell weniger werden. Es war der Fond, in dem die Zucchini nach dem Anbraten vor sich hin schmorten. Das Zwischenstatement – Mairübchen gut, kannste wieder machen, das Hackfleisch auch, ich weiß nicht, was die Leute an diesen Zucchini finden. Nun ja.


Ermutigt von der Stille nebenan, die nur von wohltuenden Abbaugeräuschen unterbrochen wurde, ging ich noch kurz in die Schloßkirche, um anschließend den Abend zu genießen. Aber die Schloßkirche ist wahrlich ein überirdischer Ort. Die jetzige Ausstellung, äußerlich ist sie ja nun keine Kirche mehr, sondern eine Skulpturengalerie, ist wirklich angenehm. Eine Woche geht sie noch. Das Besondere aber - wie ein wahrer und schöner Ort das zu steigern vermag, das sich in ihm einfindet.




Sonntag, 19. Juli 2015

Sonntag & (nachgetragen)


Ich gebe es ja zu, die Banalität ist überwältigend, die der Bilder sowieso. Und ich will auch nicht mit Plattitüden über Lebenszeichen oder dgl. langweilen. Also „in medias res“ (soviel an Attitüde wenigstens):

Es war nicht schwer, mich dazu zu überreden, daß eine Gemüsesuppe es auch tun würde, nur bei den mitgedachten Bockwürsten habe ich mich klar verweigert.

Das ist sie also. Den Abend zuvor hatte ich die Einlage verfertigt, das entspannt am Sonntagvormittag doch sehr die Abläufe. Es waren kleine Fleischklöße aus gemischtem Hackfleisch mit ziemlich viel „frisch eingefrorenen“ mediterranen Kräutern, reichlich, tatsächlich frischem Pfeffer und etwas Muskat darin, die anderen üblichen Zutaten stillschweigend vorausgesetzt, die dann in einer Gemüsebrühe vor sich hin köchelten und danach die Nacht ungestört auf dem Herd verbringen konnten.


Die zugehörige Gemüsesuppe vom nächsten Tag bestand aus in Butterschmalz angeschmorten Zwiebeln und weiter Mohrrüben, Sellerie, Porree, und jetzt verläßt mich auch schon mein Gedächtnis. Ah ja, ich hatte noch fette Knacker mit hineingeschnitten, die mir aufgedrängt worden waren. Ich glaube, das war es dann im wesentlichen. Das Ergebnis nicht übel. Zuviel von allem natürlich.

Und es wurde darauf die folgenden Tage nicht wirklich weniger, nachdem der Hauskater im Schlepptau der besuchenden Seniorin von nebenan sich am nächsten Morgen Klöße aus der offenen Terrine, die in der Küche vor sich herumstand, geangelt hatte.

Ich gebe zu, es ging ziemlich schnell. Und wenn im Alter eines gilt, die Zeit schrumpft und dehnt sich zugleich. So man etwas nicht gleich bekommt, werden Jahrhunderte daraus, und Nebensächliches, das auch noch in einem gewissen Zeitmaß stattfindet, schrumpft zum Augenblick. Aber ich klinge miesepetrig, was ich nicht einmal bin.

Was mich offen gestanden doch etwas irritiert, ist der Inhalt des Sektglases auf dem letzten Bild. Denn dort erscheint es so, als wäre der Inhalt komplett einer Chemiebude entsprungen, und ich hoffe doch, daß wir da noch nicht angekommen sind. Merkwürdig wirklich, und mir nicht einmal vorher aufgefallen. Nein, dorthinein waren weiter keine zusätzlichen berauschenden Substanzen aufgelöst worden. Manchmal muß es einfach auch so gehen.

nachgetragen am 23. Juli