Dienstag, 18. September 2012
Sonntag, 16. September 2012
Sonntag &
poorly translated
Und jetzt springen wir also vom Donnerstag zum heutigen Sonntag. Eigentlich sind die dazwischenliegenden Beiträge (Storm und etwas Vermischtes) halb fertig und sollten ebenfalls nachgetragen werden, aber ich sage nur: Ich liebe es, Ziel unangekündigter Besuche zu sein. Wie auch immer, zumindest wurde so das allzu reichliche Sonntagsessen umfänglich dezimiert, das Timing war insofern nicht schlecht. Außerdem haben sie mir einen Regenschirm über den Tisch gehalten, das war hilfreich für die Photos.
Wir hatten nämlich separat gekocht, so daß ich endlich einmal wieder frei herumexperimentieren konnte. Frau Mutter hatte bei einer kürzlichen Einladung ein Gericht vorgefunden, daß ihr so sehr gefiel, daß sie es unbedingt nachkochen wollte. Ich kann über das Ergebnis keine näheren Auskünfte geben, unsere Gäste vermochten es ebenso wenig. Sie hat Kabeljaufilets gekocht, irgendwie, nicht ohne mehrfach darauf hinzuweisen, daß diese in ihrer verlorenen Heimat „Pomuchel“ genannt wurden. Gesalzen, mit Zwiebeln und Lorbeerblättern und irgendwie kam wohl auch noch viel Butter ins Spiel. Gut, das war also ihr Part.
Meine kochen-zu-können vorgebende Wenigkeit stolperte über einen Victoriabarsch, den mir die Fischfrau meines Vertrauens anpries, ich bezweifle, daß er direkt aus Afrika kam. Wie auch immer. Eine andere liebe Person brachte mich auf den Gedanken, es einmal ganz anders zu versuchen. Besagter Barsch wurde also zwar im Ofen auf Butterschmalz geschmort (gepfeffert und gesalzen), allerdings zusammen mit Weißwein, Zitronengras und Limetten (aus dem Bioladen!!). Kurz vor Abschluß kam noch purer Granatapfel- und Limettensaft hinzu. Der Fisch war wirklich nicht übel geraten, die verfertigte Sauce aber quittesauer. Gedacht war eher an eine frisch fruchtige Note. Mit Hilfe von Sahne und (horribile dictu) Zucker gelang das auch irgendwie.
Mein Gurkensalat, das ist der mir der Schale, wurde lediglich mit Joghurt, frischem Dill, Estragon, Pfeffer und Salz verfertigt, und ist auch ziemlich aufgebraucht. Sollte also alles eine Katastrophe gewesen sein, hätten unsere Gäste perfekt geheuchelt, was ich ihnen beim besten Willen nicht zuzutrauen vermag. Meine eigene bescheidene Meinung einmal beiseite gelassen. Ich denke, das kommt ins Repertoire, mit weniger Saft allerdings.
And this way we’re jumping from Thursday to - Sunday. Actually, the missed posts in between (Storm and some varia stuff) are half finished and it was my intention to add them today, but I only want to say I love to be the target of unannounced visits. Anyway, at least the overly extensive Sunday dinner was decimated efficiently; the timing was not bad so far. They also held an umbrella over the table, which was helpful for the photos. So they were useful somehow as well.
We cooked separately this time, so I felt free to try something completely new. My mother was invited recently and liked the dish so much; she wanted to cook it herself this time. I can give no further information about the result; our guests weren’t able to neither. She cooked codfish fillets; somehow, not to point out several times they were called in her lost homeland once "Pomuchel". Salted with onions and bay leaves and somehow a lot of butter probably came into play. Well this was her part.
My pretending being able to cook humble me stumbled on a Nile Perch, the fishmonger I trust praised it, I doubt it came directly from Africa. Whatsoever. Another lovely person gave me the idea to try it in a completely different way. Mentioned Tilapia was braised in the oven on butter (salted and peppered) so far, but with white wine, lemongrass and lime (from the health-food shop!). Shortly before done pure pomegranate juice and lime juice was added. The fish came out not that bad really, but the sauce was like quince sour. Intention though was rather of a fresh fruity note. With the help of some cream and (horribile dictu) sugar this was managed somehow.
My cucumber salad, it’s the one with a paring, has been prepared only with yogurt, fresh dill, tarragon, salt and pepper, and is also pretty much gone. Should therefore have been all a disaster, our guests had feigned perfect, what I doubt. My own humble opinion leaving aside I think this will be added to the repertoire, but with less juice.
Samstag, 15. September 2012
Dies & Das & etwas Mecklenburgica
„I have nothing to say.“ „You should blog about it!“ Nun, ganz so schlimm ist es gerade nicht, es ist anders (ich mag es übrigens nicht, Bilder zu okkupieren, man findet die dazugehörige Karikatur im Original hier). Aber ich wollte schon lange an Sonnabenden das zusammentragen, was mir aus verschiedensten Gründen auffiel. Es ist sowieso ein Nachtrag also beginnen wir einfach.
Es fällt mir schwer zu erklären, warum ich das obige Video derart unterhaltsam finde, aber vielleicht muß ich das auch gar nicht. Der Blogger Jay gab in diesem etwas schillernden Beitrag einen Hinweis, wie das viktorianische Zeitalter so äußerlich rein über Abgründe hinwegschritt, da ist einiges dran, aber ich mag trotzdem meinen Lawrence Alma-Tadema (wenn man auf das Stichwort Präraffaeliten geht, wird dies vielleicht verständlich). Aber in der Tat, es ist ein deutenswertes Phänomen (später vielleicht).
Großherzog Paul Friedrich von Mecklenburg wurde am 15. September 1800 in Ludwigslust geboren, ich habe ein schlechtes Gewissen, weil hier viel zu wenig an mecklenburgischer Geschichte vorkommt. An dieser Stelle habe ich versucht, ein paar freundliche Bemerkungen über ihn zu äußern.
Dinge können verwirren, und wenig ist derart trügerisch wie der Augenschein. Menschen auch, mitunter.
Neu Holland Insel, Sankt Petersburg
Ich weiß nicht mehr ganz genau, wann und wie ich über ein gewisses Bild stolperte (es war nicht das obige), aber dieser junge Mann & Künstler aus England klärte mich über die Herkunft auf (er gab sich Mühe dafür). In der Tat eine merkwürdige Geschichte, an welchen Orten man unerwartet einen Hauch von Schönheit und Geheimnis aufzufinden vermag.
nachgetragen am 18. September
Labels:
Mecklenburg,
Paul Friedrich,
Präraffaeliten
Donnerstag, 13. September 2012
Das Walroß und der Zimmermann / See - Stücke IV
Hobart Hooper reads "The Walrus and the Carpenter"
"I like the Walrus best," said Alice, "because you see he was a little sorry for the poor oysters."
"He ate more than the Carpenter, though," said Tweedledee. "You see he held his handkerchief in front, so that the Carpenter couldn't count how many he took: contrariwise."
"That was mean!" Alice said indignantly. "Then I like the Carpenter best—if he didn't eat so many as the Walrus."
"But he ate as many as he could get," said Tweedledum.
This was a puzzler. After a pause, Alice began, "Well! They were both very unpleasant characters—"
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„Ich mag das Walroß lieber," sagte Alice, „weil es die armen Austern doch ein bißchen bedauert hat"
„Aber es hat trotzdem mehr von ihnen gegessen als der Zimmermann," sagte Dideldei. „Weißt du, es hat sich das Taschentuch vorgehalten, so daß der Zimmermann nicht sehen konnte, wieviel es nahm. Also ganz das Gegenteil."
„Das war abscheulich!" sagte Alice empört. „Dann gefällt mir der Zimmermann besser, weil er nicht so viel gegessen hat, wie das Walroß."
„Er hat aber so viel gegessen, als er bekommen konnte!" sagte Dideldum.
Das war nun eine schwierige Frage. Nach einer Pause fing Alice an; „Dann waren sie beide sehr schlechte Charaktere — "
Vermutlich. Wir wurden gerade Zeuge eines dramatisch-traurig humorig-hintersinnigen Gedichts von Lewis Carroll: „Das Walroß und der Zimmermann“ aus "Alice im Spiegelland", wie selbst dort schon erwähnt, ist es recht lang und beginnt so:
The Walrus and the Carpenter
by Lewis Carroll
The sun was shining on the sea,
Shining with all his might:
He did his very best to make
The billows smooth and bright--
And this was odd, because it was
The middle of the night.
=>...
In Kürze - ein Walroß und ein Zimmermann überreden junge Austern zu einem Spaziergang, nur um sie am Ende aufzuessen; und natürlich bedauert man gemeinsam mit Alice die armen Austern, was etwas wohlfeil ist.
Herr Prof. Aue ermunterte mich, meine See – Stücke fortzusetzen. Und dieses ist in der Tat ein besonderes, denn unter dem humorvollen, hinreißend geschriebenen Nonsens verbirgt sich etwas, was wir nur schwer fassen können. Ist es Mitleid mit denen, die treuherzig die Realität ignorieren, um an ihren freudig – neugierigen Erwartungen zugrunde zu gehen? Es gäbe noch andere Deutungen. Aber all diesem eine Form zu geben, die es zu einem der populärsten Gedichte des englischen Sprachraums gemacht hat, trotz des Hintersinns, weil es eben vor allem ungemein unterhält, das ist bemerkenswert.
Es ist wirklich zu lang. Das englischen Original kann man oben hören, die Aufnahme ist wohl nicht perfekt, aber hat ihren Charme und ansonsten findet man es hier. Aber eine deutsche Übersetzung soll nach dem nächsten Bild doch folgen.
Lewis Carroll
Das Walroß und der Zimmermann
Die Sonne schien das Meer entlang,
sie schien mit aller Macht
und scheuerte die Wellen blank
zu heller Glitzerpracht.
Und das war sonderbar; es war
ja mitten in der Nacht.
Der Mond schien brummig, denn er fand,
daß dies ein Unfug sei.
„Wer braucht die dumme Sonne noch?
Der Tag ist ja vorbei.
jetzt hat sie nichts mehr hier zu tun:
Verdammte Bummeleil"
Das Meer war über und über naß,
staubtrocken war der Sand,
man konnte nicht ein Wölkchen sehn',
weil keins am Himmel stand,
man sah kein Vöglein fliegen, weil
sich keines dort befand.
Das Walroß und der Zimmermann
spazierten in der Näh.
Sie weinten über so viel Sand
und jammerten: „Oh weh!
Wär hier nur besser ausgefegt,
wie herrlich wär die See!"
„Wenn sieben Mägd' ein halbes Jahr
hier fegten tagaus, tagein,
was glaubst du — " fragte das Walroß sanft,
„würde der Boden rein?"
Drauf schluchzte laut der Zimmermann
und sprach: „Ich fürchte, nein!"
„Ach, Austern!" rief das Walroß aus,
„kommt doch zu uns ans Land!
Es plaudert sich so angenehm,
lustwandelnd hier am Strand.
Kommt — vier und vier — wir reichen dann
jeder eine Hand."
Die ält'ste Auster sah ihn an
und sprach kein Sterbenswort.
Sie schüttelte das schwere Haupt
Und blieb an ihrem Ort.
Sie blinzelte verständnisvoll —
Das hieß: „Ich geh nicht fort."
Allein vier junge Austerchen,
die krochen aus dem Nest
und kamen, sauber abgeputzt,
gekleidet wie zum Fest,
zwar ohne Füße, doch die Schuh
gebürstet auf das Best.
Vier andre dann, und wieder vier
und viere hinterher,
so kamen viele, vier zu vier
und immer mehr und mehr,
so hüpften sie und schlüpften sie
in Massen eilig her.
Das Walroß und der Zimmermann
gingen dahin am Strand
und setzten sich auf einen Stein,
der just erreichbar stand,
und all die kleinen Austerchen
umringten sie gespannt.
„Nun plaudern wir", das Walroß sprach,
und schaut' sich freundlich um,
„Von Schuhen — Schiffen — Siegellack —
von Kraut und Königtum,
und ob ein Wildschwein Flügel hat,
und wenn's sie hat, warum?"
Die Austern baten: „Wartet doch
mit dieser Plauderei —
weil wir ganz außer Atem sind,
und wärn' so gerne dabei!"
„Sehr gerne," sprach der Zimmermann
und zählte „eins, zwei, drei."
„Ein Stückchen Brot", das Walroß sprach,
„käm jetzt uns sehr zur Zeit,
dazu ein wenig Essig auch,
und Pfeffer, den man streut.
Und dann, ihr lieben Austerchen,
bin ich zum Mahl bereit."
Die Austern wurden bleich und blau
wie frisch polierter Stahl.
„Was hören wir, was hören wir
plötzlich von einem Mahl?
Ihr — uns? Nach solcher Freundlichkeit
wär dieses eine Qual!"
„Welch schöne Nacht!" das Walroß sprach,
„ist nicht die Aussicht nett?"
Der Zimmermann sprach: „Diese da
ist ganz besonders fett;
schneid mir noch eine Schnitte Brot
mit deinem Bajonett."
Das Walroß sagte: „Eigentlich
war das von uns nicht schön,
wir schleppten sie so weit heraus
und ließen so schnell sie geh'n."
Der Zimmermann sprach: „Gib mir noch
mehr Butter, bitte schön!"
„Ich bin für euch von Mitleid voll",
weinend das Walroß spricht
und sucht sich die größten Austern heraus,
„daß mir das Herz fast bricht."
Und hält sich ein großes Taschentuch
vor sein tränennaßes Gesicht.
„Ach Austern," sprach der Zimmermann,
„der Abend war wunderbar,
ihr hattet Glück I Doch jetzt wird's spät,
jetzt gehen wir heim, nicht wahr?"
Die Austern aber schwiegen still.
Weil keine übrig war."
nachgetragen am 16. September
Mittwoch, 12. September 2012
Mariä Namen & etwas Rameau
„An Mariä Namen / sagt der Sommer Amen!“
Das tut er offensichtlich. Die Dunkelheit dringt vor, spürbar. Die ersten Blätter vergilben. Die Rosen verblühen eher als daß sie erblühen. Selbst an warmen Tagen spürt man, daß sich an ihrem Grund eine kältere Neigung zu sammeln beginnt. Aber dafür reifen auch die Apfelbäume. Die Kirche feiert heute das Fest „Mariä Namen“ und dies ist einer der volkstümlichen Sprüche, wie es sie zahlreich gibt. Und nicht selten passen sie sogar.
Ich habe in den letzten Jahren immer wieder darauf verwiesen, wie jener Festtag auf dieses Datum geriet, nachdem am 12. 9. 1683 die Türken vor Wien zurückgeschlagen wurden, unter dem Banner Mariens. Und auch, daß Papst Benedikt XVI. zufällig am 12. September 2006 an der Universität Regensburg seine „berüchtigte“ Vorlesung hielt, in der er ausführte, „warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist“. Ich kann also beruhigt nahelegen, sich etwa dieses alten Beitrages zu erinnern.
El Greco, Schutzmantelmadonna
Jean-Philippe Rameau starb am 12. September 1764, und darum passend zur Stimmung am Ende ein wenig von seiner Musik.
Jean Philippe Rameau-Tristes Apprets Pales Flambeaux
Jean Philippe Rameau - Dardanus
Jean Philippe Rameau - La rappel des oiseaux
Dienstag, 11. September 2012
Über das Meer II
Kurz zur Erklärung, dieser und der vorige Beitrag sind entstanden, da ich heute in unserem hiesigen Lyrikzirkel einen kleinen Vortrag über das Meer in der Bibel halten soll (es geht um Meeresgedichte), er wird sicher etwas anders ausfallen, aber ich dachte, möglicherweise paßt dies ganz gut hierher.
Zurück zur Bibel, wir haben gehört, wie Gott das Meer einsetzt, um die Ägypter zu strafen und die Hebräer entkommen zu lassen. Er benutzt es aber auch, um ungehorsame Propheten zur Räson zu bringen:
„Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amitthais, und sprach: Mache dich auf und gehe in die große Stadt Ninive und predige wider sie! denn ihre Bosheit ist heraufgekommen vor mich. Aber Jona machte sich auf und floh vor dem HERRN und wollte gen Tharsis und kam hinab gen Japho. Und da er ein Schiff fand, das gen Tharsis wollte fahren, gab er Fährgeld und trat hinein... Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, daß man meinte, das Schiff würde zerbrechen. Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrieen, ein jeglicher zu seinem Gott, und warfen das Gerät, das im Schiff war, ins Meer, daß es leichter würde. Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief. Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: Was schläfst du? Stehe auf, rufe deinen Gott an! ob vielleicht Gott an uns gedenken wollte, daß wir nicht verdürben. …
Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, welcher gemacht hat das Meer und das Trockene. Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: Warum hast du denn solches getan? denn sie wußten, daß er vor dem HERRN floh; denn er hatte es ihnen gesagt. Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir denn mit dir tun, daß uns das Meer still werde? Denn das Meer fuhr ungestüm. Er sprach zu ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird euch das Meer still werden. Denn ich weiß, daß solch groß Ungewitter über euch kommt um meinetwillen... Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer; das stand das Meer still von seinem Wüten. Und die Leute fürchteten den HERR sehr und taten dem HERRN Opfer und Gelübde. Aber der HERR verschaffte einen großen Fisch, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte.
Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches. Und sprach: Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir; ich schrie aus dem Bauche der Hölle, und du hörtest meine Stimme. Du warfest mich in die Tiefe mitten im Meer, daß die Fluten mich umgaben; alle deine Wogen und Wellen gingen über mich, daß ich gedachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen, ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen. Wasser umgaben mich bis an mein Leben, die Tiefe umringte mich; Schilf bedeckte mein Haupt. Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, die Erde hatte mich verriegelt ewiglich; aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott. Da meine Seele bei mir verzagte, gedachte ich an den HERRN; und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. Die da halten an dem Nichtigen, verlassen ihre Gnade. Ich aber will mit Dank dir opfern, mein Gelübde will ich bezahlen; denn die Hilfe ist des HERRN.Und der HERR sprach zum Fisch, und der spie Jona aus ans Land.“
(Jona, Kap. 1 und 2)
„Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer
so würde mich doch deine Hand daselbst führen und deine Rechte mich halten.“
So sagt es der Psalm 139, fast wie ein Kommentar zur obigen Geschichte, und wir kommen nun in etwas poetischere Gefilde. Denn natürlich ist das Meer auch Teil der Schöpfung, von der Gott doch gesagt hatte, daß sie gut war.
„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt.
Licht ist dein Kleid, das du anhast; du breitest aus den Himmel wie einen Teppich;
Du wölbest es oben mit Wasser; du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und gehst auf den Fittichen des Windes;
der du machst Winde zu deinen Engeln und zu deinen Dienern Feuerflammen;
der du das Erdreich gegründet hast auf seinem Boden, daß es bleibt immer und ewiglich.
Mit der Tiefe deckst du es wie mit einem Kleide, und Wasser standen über den Bergen.
Aber von deinem Schelten flohen sie, von deinem Donner fuhren sie dahin.
Die Berge gingen hoch hervor, und die Täler setzten sich herunter zum Ort, den du ihnen gegründet hast.
Du hast eine Grenze gesetzt, darüber kommen sie nicht und dürfen nicht wiederum das Erdreich bedecken.
...
HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.
Das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt's ohne Zahl, große und kleine Tiere.
Daselbst gehen die Schiffe; da sind Walfische, die du gemacht hast, daß sie darin spielen.“
So heißt es im Psalm 104, und während der erste Teil (V. 1 - 9) noch eine deutliche Reminiszenz an die Sintflutgeschichte darstellt, haben die letztgenannten Verse (24 – 26) schon geradezu etwas Idyllisches. Aber solche Verse sind selten. Eher typisch sind solche wie diese, in denen Gott dafür gedankt wird, daß er vor den Gefahren des Meeres gerettet hat:
„Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN, die er aus der Not erlöst hat und die er aus den Ländern zusammengebracht hat vom Aufgang, vom Niedergang, von Mitternacht und vom Meer.
...
Die mit Schiffen auf dem Meer fuhren und trieben ihren Handel in großen Wassern;
die des HERRN Werke erfahren haben und seine Wunder im Meer,
wenn er sprach und einen Sturmwind erregte, der die Wellen erhob,
und sie gen Himmel fuhren und in den Abgrund fuhren, daß ihre Seele vor Angst verzagte,
daß sie taumelten und wankten wie ein Trunkener und wußten keinen Rat mehr;
die zum HERRN schrieen in ihrer Not, und er führte sie aus ihren Ängsten
und stillte das Ungewitter, daß die Wellen sich legten
und sie froh wurden, daß es still geworden war und er sie zu Lande brachte nach ihrem Wunsch:
die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,
und ihn bei der Gemeinde preisen und bei den Alten rühmen.“
(Psalm 107, 1 – 3, 23 – 32)
Das Meer bleibt zuallererst ein Ort der Gefahr, an dem man schon halb dem Tode geweiht ist, wenn man es denn unbedingt befahren muß oder will, ein Ort, in dem Ungeheuer hausen, der aber dabei doch Gottes Macht unterworfen bleibt
„Gott ist ja mein König von alters her, der alle Hilfe tut, die auf Erden geschieht.
Du zertrennst das Meer durch dein Kraft und zerbrichst die Köpfe der Drachen im Wasser.
Du zerschlägst die Köpfe der Walfische und gibst sie zur Speise dem Volk in der Einöde.“
(Psalm 74)
„Er breitet aus die Mitternacht über das Leere und hängt die Erde an nichts.
Er faßt das Wasser zusammen in seine Wolken, und die Wolken zerreißen darunter nicht.
Er verhüllt seinen Stuhl und breitet seine Wolken davor.
Er hat um das Wasser ein Ziel gesetzt, bis wo Licht und Finsternis sich scheiden.
Die Säulen des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem Schelten.
Von seiner Kraft wird das Meer plötzlich ungestüm, und durch seinen Verstand zerschmettert er Rahab.“
(Hiob 26, 7 – 12)
Enden wir unseren unvollständigen Überblichk über das Alte Testament mit diesem schönen Wort aus Jesaja (Kap. 48, V. 18):
„O daß du auf meine Gebote merktest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom, und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen.“
Werfen wir noch einen kurzen Blick in das Neue Testament. Man mag jetzt von mir erwarten, erläutert zu bekommen, wie sich der archaische Gott des AT nunmehr verändert zeigt, aber das würde den Rahmen dieses Beitrages leider komplett sprengen. Vielleicht gelingt es mir später einmal, meine Eingangsbemerkungen dazu weiter auszuführen.
Auch im Neuen Testament haben wir unsere Schiffbruchs-Geschichte, Paulus erleidet diesen (Apostelgeschichte, Kap. 27).
Interessanter ist aber eine andere Fast-Schiffbruchs-Geschichte:
„Und da Jesus viel Volks um sich sah, hieß er hinüber jenseit des Meeres fahren.
Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein großes Ungestüm im Meer, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: HERR, hilf uns, wir verderben! Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist?
(Matthäus Kap. 8, V 18, 23ff)
Julius Schnorr von Carolsfeld
Die Herrschaft über das Meer ist also nun auch auf den Sohn Gottes übergegangen. Eine durchaus hintergründige Geschichte, aber wir wollen sie diesmal nur als solche konstatieren. Eine Bemerkung aber doch zum „Meer“, das hier besänftigt wurde.
Es ist der See Genezareth, u.a. auch Galiläisches Meer oder See von Tiberias genannt, er liegt in Norden Israels im oberen Jordangraben. Sein Wasserstand schwankt, die größte Ausdehnung hat er mit bis zu 21 km Länge, an seiner breitesten Stelle ist er12 km breit, das ergibt dann eine Wasserfläche von 165 km² bei einem Umfang von 53 km. Der See ist mit 212 m unter dem Meeresspiegel der tiefstgelegene Süßwassersee der Erde daher auch die für ihn typischen tückischen Fallwinde. Er ist sozusagen das Pendant zum Toten Meer, doch eben als Süßwassersee, dies allerdings nur in seinem oberen Schichten. Für die Juden war er offenbar schon groß genug, um als „Meer“ zu gelten.
Wir erinnern uns, zu den ersten Schöpfungstaten gehörte die Erschaffung des Meeres. Und so, wie das erste Buch der christlichen Bibel von dessen Erschaffung erzählt, stellt das letzte Buch lapidar dessen endgültigen Untergang fest, nachdem die alte Schöpfung vergangen ist:
„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr.“
Offenbarung des Johannes, Kap. 21, V. 1
Um doch noch einmal persönlich zu werden, dies ist eine Stelle gewesen, die mich schon als Kind immer sehr befremdet hat. Warum nun ausgerechnet das Meer untergehen muß? Aber ich denke, dies ist noch einmal ein Reflex des ambivalenten Verhältnisses, das der jüdische Mensch zum Meer hatte. Der Ort, von dem Chaos, Gefahr, ja der Tod ausgehen konnte, „ist nicht mehr“.
Julius Schnorr von Carolsfeld
Montag, 10. September 2012
Über das Meer bei den alten Juden
William Blake "Ancient of Days"
Man merkt der Bibel an, daß das kleine Bergvolk, dem Gott sich akkomodiert (oder „inkulturiert“?) hat, eher mit der Wüste vertraut war als mit dem Meer. Das blieb ihnen vor allem fremd und geheimnisvoll, gefährlich. Außerdem saßen an der Küste die Philister, für lange Zeit.
Es gibt bekanntlich über den Wandel des Bildes von Gott, das uns aus der Bibel entgegentritt, 2 Theorien. Kurz gefaßt behauptet die eine, Gott habe eine Biographie, vom Natur- und Berggott der Anfänge hin zu dem, der seinen Sohn am Kreuz für die Menschheit leiden ließ, er wäre über die Jahrtausende gewissermaßen „erwachsen“ geworden, brauchte das Gegenüber des Menschen, um seiner bewußt zu werden. C. G. Jung vertritt dies etwa in seinem „Antwort auf Hiob“.
Die für mich plausiblere Gegenthese wäre, daß der menschliche Geist sich nur langsam aus seinen steinzeitlichen Anfängen emporzuarbeiten vermochte, zu Gott hin. Schließlich sind die Zeugnisse der Bibel auch nach christlicher Überzeugung von Menschen geschrieben, Gottes Wort spricht aus den Worten der Bibel, aber beides ist nicht identisch, er hatte nun einmal nur die Menschen der jeweiligen Zeit. Die Anschauung von der Verbalinspiration, der z. B. der Islam anhängt, wird allenfalls noch von ein paar Schwärmern und Sektierern vertreten.
Beginnen wir also mit der Schöpfung (was naheliegt, 1. Mose Kap. 1 V. 1 ff.):
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe.“ Das Wasser hat Gott offenbar von Anbeginn mit erschaffen, denn „und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“. Dann erst erschafft er das Licht: „Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag“.
Es eine gewissermaßen noch halbchaotische Welt, beherrscht vom Element des Wassers, welches erst einmal in seine Grenzen zu weisen ist. Das geschieht zunächst durch die Erschaffung des Himmels, „die Feste“, die die Wasser trennen soll. „Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah also. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag.“
Die Ordnung der Schöpfung nimmt Gestalt an und endlich entsteht das Meer:
„Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Örter, daß man das Trockene sehe. Und es geschah also. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, daß es gut war.“
Julius Schnorr von Carolsfeld
Die Beziehung Gottes zu den Menschen ist bald von schweren Enttäuschungen belastet, und da Gott nun einmal auch für das vollgültige Wesen des Menschen steht, bedeutet das, jener verfehlt damit sich selbst. Gott verfällt auf den naheliegenden Gedanken, das Böse physisch austilgen zu wollen; eine schwierige Methode, wie wir inzwischen wissen, da es sich so einfach denn doch nicht scheiden läßt.
„Aber die Erde war verderbt vor Gottes Augen und voll Frevels. Da sah Gott auf die Erde, und siehe, sie war verderbt; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf Erden. Da sprach Gott zu Noah: Alles Fleisches Ende ist vor mich gekommen; denn die Erde ist voll Frevels von ihnen; und siehe da, ich will sie verderben mit der Erde.“
(1. Mose Kap. 6, V. 11 ff.)
„Gehe in den Kasten, du und dein ganzes Haus; denn ich habe dich gerecht ersehen vor mir zu dieser Zeit. Aus allerlei reinem Vieh nimm zu dir je sieben und sieben, das Männlein und sein Weiblein; von dem unreinen Vieh aber je ein Paar, das Männlein und sein Weiblein... Denn von nun an über sieben Tage will ich regnen lassen auf Erden vierzig Tage und vierzig Nächte und vertilgen von dem Erdboden alles, was Wesen hat, was ich gemacht habe. Und Noah tat alles, was ihm der HERR gebot....
Und da die sieben Tage vergangen waren, kam das Gewässer der Sintflut auf Erden... das ist der Tag, da aufbrachen alle Brunnen der großen Tiefe, und taten sich auf die Fenster des Himmels, und kam ein Regen auf Erden vierzig Tage und vierzig Nächte.
Da kam die Sintflut vierzig Tage auf Erden, und die Wasser wuchsen und hoben den Kasten auf und trugen ihn empor über die Erde. Und das Gewässer nahm überhand und wuchs so sehr auf Erden, daß alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden. Da ging alles Fleisch unter, das auf Erden kriecht, an Vögeln, an Vieh, an Tieren und an allem, was sich regt auf Erden, und alle Menschen. Alles, was einen lebendigen Odem hatte auf dem Trockenen, das starb. Also ward vertilgt alles, was auf dem Erdboden war, vom Menschen an bis auf das Vieh und das Gewürm und auf die Vögel unter dem Himmel; das ward alles von der Erde vertilgt. Allein Noah blieb übrig und was mit ihm in dem Kasten war. Und das Gewässer stand auf Erden hundertundfünfzig Tage.“
(1. Buch Mose, Kap. 7 und Kap. 8 im Nachfolgenden)
Gott wird besänftigt und er gedachte „an Noah und an alle Tiere und an alles Vieh, das mit ihm in dem Kasten war, und ließ Wind auf Erden kommen, und die Wasser fielen; und die Brunnen der Tiefe wurden verstopft samt den Fenstern des Himmels, und dem Regen vom Himmel ward gewehrt; und das Gewässer verlief sich von der Erde immer mehr und nahm ab nach hundertfünfzig Tagen. Am siebzehnten Tage des siebenten Monats ließ sich der Kasten nieder auf das Gebirge Ararat. Es nahm aber das Gewässer immer mehr ab bis auf den zehnten Monat. Am ersten Tage des zehnten Monats sahen der Berge Spitzen hervor.“
Und endlich, nachdem die Erde wiederhergestellt war:
„Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allerlei reinem Vieh und von allerlei reinem Geflügel und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“
Julius Schnorr von Carolsfeld
Das Meer kommt noch an einer anderen Stelle als Macht der Zerstörung in der Hand Gottes ins Spiel, nämlich als Israel bei seinem Auszug aus Ägypten von den Ägyptern verfolgt wird:
„Da nun Mose seine Hand reckte über das Meer, ließ es der HERR hinwegfahren durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken; und die Wasser teilten sich voneinander. Und die Kinder Israel gingen hinein, mitten ins Meer auf dem Trockenen; und das Wasser war ihnen für Mauern zur Rechten und zur Linken. Und die Ägypter folgten und gingen hinein ihnen nach, alle Rosse Pharaos und Wagen und Reiter, mitten ins Meer. Als nun die Morgenwache kam, schaute der HERR auf der Ägypter Heer aus der Feuersäule und Wolke und machte einen Schrecken in ihrem Heer und stieß die Räder von ihren Wagen, stürzte sie mit Ungestüm. Da sprachen die Ägypter: Laßt uns fliehen von Israel; der HERR streitet für sie wider die Ägypter.
Aber der HERR sprach zu Mose: Recke deine Hand aus über das Meer, daß das Wasser wieder herfalle über die Ägypter, über ihre Wagen und Reiter. Da reckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam wieder vor morgens in seinen Strom, und die Ägypter flohen ihm entgegen. Also stürzte sie der HERR mitten ins Meer, daß das Wasser wiederkam und bedeckte Wagen und Reiter und alle Macht des Pharao, die ihnen nachgefolgt waren ins Meer, daß nicht einer aus ihnen übrigblieb. Also half der HERR Israel an dem Tage von der Ägypter Hand. Und sie sahen die Ägypter tot am Ufer des Meeres und die große Hand, die der HERR an den Ägyptern erzeigt hatte. Und das Volk fürchtete den HERRN, und sie glaubten ihm und seinem Knecht Mose.“
(2. Mose, Kap. 14)
Ende des 1. Teils
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