Sonntag, 18. November 2012

...daß eure Namen im Himmel geschrieben sind


Heute also der aus dem Gedenken an die Gefallenen des 1. Weltkrieges entstandene Volkstrauertag. Man hat nicht unbedingt den Eindruck, als könne der herrschende Geisteszustand dieses Landes  einem solchen Tag noch gerecht werden oder es nur aufrichtig wollen. Wie auch immer.  Ursprünglich hatte ich die Absicht, dem Beitrag des Herrn Roloff für seine lokale Zeitung aus diesem Anlaß etwas voranzustellen. Aber ich belasse es bei einem Hinweis auf meinen kürzlichen Geschichts-“Spaziergang“. Es folgt sein Beitrag. Die Bilder übrigens sind vom heutigen Nachmittag.


Worte aus der Kirche
Beitrag für den vorletzten Sonntag des Kirchenjahres 
am 18. November 2012 
von Thomas Roloff / Schönhausen

Freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Die öffentliche Trauer ist immer auch ein Aufstand gegen die Sünde des Krieges. Seit nunmehr sechzig Jahren wird in Deutschland der vorletzte Sonntag des Kirchenjahres als Volkstrauertag begangen. Gottesdienste, Kranzniederlegungen und Totenehrungen geben dem Novembertag seine äußere Form.

Erzählen will ich aber von einer Frau aus Schönhausen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Namen der Gefallenen dieses Ortes zusammenzutragen. Sie hat auch Fotos und andere Erinnerungen gesammelt und in großen Ordnern zusammengefügt. Wenn man die Seiten durchblättert, dann hört die Erinnerung auf, im Unbestimmten zu treiben. Wir begegnen den Menschen, die durch den Krieg ihr Leben verloren. Wie wäre unser Land geworden, wenn sie alle nicht dem Krieg zum Opfer gefallen wären? Vielleicht ist diese Frage als bloße Spekulation unzulässig. Fragen müssen wir uns aber, wie unser Land wird, wenn wir die Erinnerung an das von Leid und Unglück überfüllte vergangene Jahrhundert verlieren.

So werden diese Bücher der Erinnerung zum Gleichnis für die Verheißung des Evangeliums: „Freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ (Lk 10, 20) Diese Erinnerung besitzt dann nicht nur die Kraft uns auf das große Glück, im Frieden zu leben, auszurichten, sondern sie vereint uns unter dem Gott, der Herr über Leben und Tod ist. Diese Erinnerung erst formt tatsächlich unsere Gemeinschaft.

Darum hat die Kirchengemeinde in Schönhausen diese Gefallenenbücher in ihre Obhut genommen. Sie sollen nicht nur verwahrt, sondern auch gelesen und angeschaut werden. Sie sollen unsere Erinnerung wach halten.

Erinnerung daran, was der Krieg wirklich ist, nährt immer die Sehnsucht nach Frieden. Frieden wiederum ist nur möglich, wenn sich nicht ein Volk über das andere erhebt, sondern es nach dem sucht, was es mit anderen verbindet. Es gehört zu den fundamentalen Wahrheiten des christlichen Glaubens, dass Gott sich sein Volk aus allen Völkern beruft. Der Christ hat darum die Pflicht immer Gemeinschaft zu suchen, das Gute zu fördern und dem Frieden zu dienen. Er kann so mit allen Menschen beten: „Ach dass ich Wasser genug hätte in meinem Haupte und meine Augen Tränenquellen wären, dass ich Tag und Nacht beweinen möchte die Erschlagenen in meinem Volk!“ (Jer 8, 23)


Kommentare:

naturgesetz hat gesagt…

"Frieden wiederum ist nur möglich, wenn sich nicht ein Volk über das andere erhebt, sondern es nach dem sucht, was es mit anderen verbindet."

Well put.

It certainly has implications for today, when some countries and peoples seem to believe that they have the right to wipe the one they hate off the map.

MartininBroda hat gesagt…

...and thoughts going through a minefield considering this *sigh