Sonntag, 5. Oktober 2014

Sonntag & ein wenig Ortsbeschreibung


Vielleicht können wir die Ente schnell hinter uns bringen, diesmal. Nicht weil sie so furchtbar gewesen wäre, nur die Bilder sind es. Von diesen bekommt man immerhin eine Idee. Die erste Ente dieses Herbstes, oder ein „Entchen“, wie sie zunächst bemäkelt wurde. Gaanz traditionell zubereitet (mir fehlte einmal mehr der Ehrgeiz), gefüllt mit Boskoop-Äpfeln, sowie gepfeffert und gesalzen schmorte sie 2 Stunden im Ofen vor sich hin. Das war es eigentlich (allerdings habe ich sie bestimmt mindestens 10 mal mit dem Bratensud übergossen, damit das Fett ausbrät, mir ist das nämlich ansonsten doch zu viel).

Die Äpfel waren, wie sich herausstellte, als es um die Verfertigung der Sauce ging, nicht ganz so sauer wie erwartet (also wurde der Geschmack mit etwas Weißwein-Essig „gefaked“, allerdings zunächst mit zuviel davon, dem ließ sich mit altem Honig wiederum abhelfen). Der beliebte „alte“ Geschmack scheint von mir getroffen worden zu sein, die Harmonie also wieder einmal gerettet.



Ich persönlich fand diesmal auch am Sauerkraut Wohlgefallen (das ich oft nicht vertrage), ich hatte es freudig mit viel Lorbeer sowie Pfeffer- und Pimentkörnern überwürzt.


Das Essen war also eigentlich unproblematisch, und ich hatte noch ein wenig Tages-Energie übrig:

Gegenüber schloß gerade die Ausstellungs-Saison für dieses Jahr und (um andeutungsweise persönlich zu werden) es war tatsächlich das erste Mal, daß ich mich förmlich im Inneren des Buttel'schen Baus verloren habe, fast. Schon ein besonderer Kasten...

Aber darüber wollte ich gar nicht weiter reden. Ein Spaziergang im nahen Schloßgarten erwies sich als überraschend unterhaltsam. Und da dachte ich mir - ich habe noch gar nicht von den Relikten der einstigen barocken Götterallee geschrieben, die so am Rande ganz nett anzuschauen ist.

Wobei mir das Barock in der Bildhauerei fast immer eher suspekt ist, ohne daß ich das recht begründen könnte. Diese Leichtigkeit mag vor der Folie des Vorigen ja schwer abgerungen sein und darum auch verdienstvoll etc. etc., mir erscheint sie aber doch vor allem flach, liebenswürdig, aber auch nicht viel mehr. Vor dem Hintergrund der Malerei der gleichen Epoche z.B. ist das leicht irritierend (hier wurde ich darüber aufgeklärt, daß das alles ursprünglich um 1764 entstanden sei, also auch schon nicht mehr Barock). Nichtsdestotrotz mag ich merkwürdigerweise die eine oder andere Figur.


Zum Beispiel diese Dame: Aufgrund des Pfaus, des Zepters und wohl einer Opferschale tippe ich auf die Jupitergattin Juno, obwohl sie dafür recht jugendlich daherkommt, aber Götter kennen ja bekanntlich kein Alter (nur Pan ist meines Wissens gestorben).


Dieser Schönling, einen Tierkopf haltend (vermutlich vom erymanthischen Eber), wird der Held Herkules sein bzw. Herakles, der von der hübschen Dame zuvor viel an rachsüchtigen Nachstellungen zu erdulden hatte, die er aber alle mannhaft bestand.


Und das ist einfach nur der Winter, der steht uns ja nun auch bald wieder bevor.


Zu diesen Objekten jedoch muß ich einfach kurz etwas anmerken. Es ist der neue Brunnen vor der Orangerie, deren Vorfeld jüngst besonders traktiert, ich meine verschönert wurde. Die Idee sei dem verantwortlichen Landschaftsarchitekten bei der Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ gekommen,  hat das Ortsblatt herausgefunden und belobigt harmonieselig in gewohnter Manier das Ganze.


Ich dachte zuerst, das war als eine Art Kalauer gemeint - vor eine Orangerie gehören doch Orangen (hihi). Nur eben selbst dieser Eindruck will sich mir nicht recht einstellen, ich mußte auf einmal an unser mecklenburgisches Wappentier denken, ich weiß auch nicht warum. Jedenfalls sah mein alptraum-getrübtes inneres Auge hier eher irgendetwas Lebendiges, das sich erleichterte, bzw, einen Ausschnitt davon. Und die mir angeborene Dezenz macht es mir unmöglich, das näher zu erläutern.



nachgetragen am 9. Oktober

Kommentare:

Walter A. Aue hat gesagt…

Mich, in all meiner Indezenz, hat das Bild an's Manneken-Pis erinnert. Aber als ich dann drei von ihnen in Aktion sah, musste ich an Guenter Grass denken, als er die gesellschaftlichen Urzeitsgewohnheiten der Kaszuby (und wohl auch anderer Staemme) beschrieb.

DirkNB hat gesagt…

Erwähnt hatte ich es wohl schon mal: Ich mag ja den Schreibstil. "Der beliebte „alte“ Geschmack scheint von mir getroffen worden zu sein, die Harmonie also wieder einmal gerettet." Ein Sonntag ohne Harmonie und einem nachträglichen Lächeln auf den Lippen der Leser wäre auch ein verlorener Sonntag ...

MartininBroda hat gesagt…

@Prof. Aue Fast hätte ich ja von angeborener Demenz geschrieben, es ist doch immer ein rechtes Vabanque-Spiel mit den Fremdwörtern. Aber das beiseite, man muß seine Phantasie da wirklich unter Kontrolle behalten, es wirkt einfach nur lächerlich. Merkwürdigerweise scheint das sonst kaum jemandem aufzufallen.

MartininBroda hat gesagt…

@DirkNB Das freut mich trotzdem immer wieder, wenn der Stil gelobt wird, wo man sich doch schließlich sooo viel Mühe gibt.

DirkNB hat gesagt…

Stil hat man, oder nicht. Wobei eigentlich jeder Stil hat, aber nur mancher gefällt, und anderer nicht.