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Freitag, 13. März 2015

Über entstellendes Bauen, den Modernisierungswahn &

Der Kölner Dom um 1900

Es ist immer wieder hübsch zu beobachten, wie der Inhalt des als „normal“ Vorgestellten komplett wechselt, nur dieser beruhigte Tonfall, der bleibt sich immer gleich: „ Die Erneuerungswut der Nachkriegszeit zeichnet viele Städte noch heute. Selbst Städte, die vom Bombenkrieg verschont geblieben waren, fügten sich im Modernisierungswahn üble Wunden zu... Die Ideologie der autogerechten Stadt - zeigt sich in Stuttgart genauso wie in Halle an der Saale: viel Beton, wenig Geist.“

Dies durfte ich gestern in der üblicherweise sehr auf den Wellen des „Mainstreams“ dahinplätschernden Sendung „Kulturzeit“ auf 3sat vernehmen, genauer, in deren „Kulturzeit-Tips“.

Ich habe mir angewöhnt, diese Sendung vornehmlich aus Gründen der Selbstkasteiung regelmäßig zu verfolgen. Und diesmal nichts über Gender-Mainstreaming oder „provokative“ Operninszenierungen, sondern das! Annonciert wurde eine (Wander-)Ausstellung des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst an der TU Dortmund „Plätze in Deutschland 1950 und heute“, die, wie ich dann feststellen durfte, schon seit Sommer 2013 ihre Wirkungen entfaltet.

Als die Ausstellung in Nürnberg Station machte, titelte die Süddeutsche Zeitung sehr treffend „In der Vorhölle der Erbärmlichkeit“. Schuld an den zutagetretenden architektonischen Grausamkeiten seien dabei gewiss nicht nur die Weltkriegsbomben gewesen. Meine Anmerkung, nein, nicht umsonst spricht man über den Wiederaufbau nach dem Weltkrieg mit einigem Recht auch als von der „2. Stadtzerstörung“. Der Autor der Süddeutschen erkennt der Ausstellung zu, sie sei „simpel, ja mitunter simplizistisch, jedenfalls von unaufgeregtem Gestus“, berge aber gewaltigen Zündstoff, dessen Detonation eigentlich in ganz Deutschland zu hören sein müßte.

Ich bezweifle das, dazu ist die mentale Degeneration, die dahintersteckt, schon zu weit fortgedrungen. Aber die beigegebene kommentierte Bilderserie ist recht eindrucksvoll. Über den Franckeplatz in Halle (Saale) etwa sagt der Kommentator: „Wobei der Platz heute nur noch wenig Ähnlichkeit mit einem Stadtplatz hat - eher erinnert er an den Rand eines Bombenkraters. Bäume, Fassaden, Proportionen, Ornament: alles tot.“ Und offensichtlich entstanden ihm die gleichen apokalyptischen Assoziationen wie mir.

Der Dom umstellt von Häßlichkeit (Kölner Dom und Hauptbahnhof)

Auf der Seite des Instituts finden sich ebenfalls Gegenüberstellungen abgebildet, einmal: Bonn, Bahnhofsvorplatz, 1955 – 2011. Und man denkt, es müsse zwischendurch ein Krieg oder ein anderes schweres Unglück eingetreten sein, die Szenerie hat etwas Postapokalyptisches. Für mich der blanke, wenn auch bekannte Grusel. Eine andere Gegenüberstellung zeigt den Frankeplatz in Halle, einmal um 1950, einmal 2012, mit bereits erwähntem Befund.

Dazu der eher nüchterne Satz: „Auch Plätze, die den Krieg unbeschadet überstanden hatten, wurden nun Opfer einer rigiden Stadtplanung, die sich an den funktionalen Ansprüchen des Automobilverkehrs orientierte und die historischen Strukturen und Maßstäbe unberücksichtigt ließ.“ Die Ausstellung stelle Photographien deutscher Plätze aus den 1950er Jahren aktuellen Aufnahmen vom gleichen Standort gegenüber, um auf die Fehlplanungen und Versäumnisse in der Gestaltung des Stadtraums aufmerksam zu machen.

Ich kann so leise nicht treten; ich behaupte, Menschen, die derartiges planen und ausführen, denen wurde irgendetwas amputiert oder sie haben es selbst zuvor totgeschlagen. Ich hatte vor einiger Zeit das wunderbare Vergnügen, an einem Blog zu „Brideshead Revisited“ von Evelyn Waugh mitzuwirken. Und dort gibt es eine sehr prägnante Beschreibung dieses Menschentyps:

"Weißt du, Pater Mowbray fand sofort die Wahrheit über Rex heraus… Er war einfach nicht ganz da. Er war überhaupt kein vollständiger Mensch. Er war ein unnatürlich entwickeltes Stückchen von einem Menschen; etwas in einem Glas, ein in einem Laboratorium am Leben erhaltenes Organ. Ich hatte gemeint, er wäre so etwas wie ein primitiver Wilder, aber er war etwas völlig Modernes und Neuzeitliches, wie nur unser gräßliches Zeitalter es hervorbringen kann. Ein winziges Stückchen von einem Mann, das so tat, als wäre es der ganze Mann."

Wo ich schon einmal wieder dort war (eigentlich suchte ich nur das Zitat, der Blog ist noch auffindbar), schaute ich mir u.a. meine alten Beiträge wieder an (was mich üblicherweise schaudern macht, diesmal überwiegend nicht). Und jetzt bringe ich ungeniert ein paar Selbstzitate (mehr oder weniger):

Einmal ging es darum, daß Waugh „die Leere nach dem Verlust“ zeige. Und ich meine noch immer: Der Verlust beschreibt eine amputierte Gesellschaft, die meint, im Funktionalen aufgehen zu können, und für die Schönheit oder anderes, das über das naheliegende hinausreicht, lange keine ernstgenommene Kategorie mehr ist... Kultur ist eine Brücke über den Abgrund. Das innere Leben einer Gemeinschaft bedarf aufeinanderfolgender Schichten, bis es zu tragen beginnt. Weniges ist so dumm wie die Phrase, daß eine Gesellschaft sich täglich neu erfinden könne.

Nun ist der Begriff der „Schönheit“ heutzutage ein eher belächelter oder er wird bestritten. Dabei beschreibt er einen Zustand, in dem der Mensch seinem Wesen gemäß lebt, dem, das in ihm angelegt ist. In authentischer Kunst, und für mich ist Architektur auch eine Art angewandter Kunst, wird der Mensch immer über seine Intentionen hinausgetragen und schafft dabei etwas, das in gewissem Sinne seiner Verfügbarkeit entzogen sein sollte. Kultur ist Schöpfung des Menschen aus der Tiefe einer Natur, die ihm ein anderer verliehen hat und durch die dieser wirkt.

Ein Ding von andauernder Schönheit, das dabei entsteht, bedarf der Arbeit ganzer Geschlechter, ist aber schnell leichtfertig und unwiederbringlich zerstört. Und es ist immer ein zerstörter Geist, der in solcher Auslöschung wirkt.

Kölner Dom, Blick nach Osten vom Dach des Mittelschiffs

Nachdem wir uns so aufgeschwungen haben, noch einmal ein Blick zurück zur Ausstellung. Hier wäre übrigens eine weitere Möglichkeit, einen schnellen visuellen Eindruck davon zu erlangen. Dieser lesenswerte Artikel in der „Welt“ beschreibt ein wenig ihren Hintergrund.

Er beginnt mit Wolf Jobst Siedlers Buch "Die gemordete Stadt" von 1964, in dem dieser die Nachkriegsmoderne anklagt, den über Jahrhunderte gewachsenen Stadtkörper Berlins "umgebracht" zu haben. Dessen Urteil wäre immer noch gültig. Mit den Mitteln der Moderne sei es nämlich nirgends gelungen, auch nur ein Stadtviertel, ein Ensemble oder einen Platz zu schaffen, der es mit den Qualitäten der traditionellen Stadt aufnehmen könne. Darauf gäbe es folgende Antwortstrategien:

Die Flucht nach vorn: „Ja, es wurden Fehler gemacht, aber auch unsere Zeit müsse aufs Neue nach einer anderen, 'zeitgemäßen' Form von Stadt für das globalisierte 21. Jahrhundert suchen.“ Eine andere Fraktion erkenne die Stärken der historischen Stadt, hielte sie aber unter den heutigen Bedingungen für nicht reproduzierbar.

Und dann gäbe es wieder Architekten und Stadtplaner, die sich nicht mit der „Hässlichkeit vieler Innenstädte und ihrer oft formlos zersiedelten Peripherie“ abfinden wollten. Sie seien überzeugt, daß man sich auch unter heutigen Produktionsbedingungen den Qualitäten der traditionellen Stadt vor ihrer Zerstörung durch Bomben, Abrisse und Bausünden wieder annähern könne.

In Berlin, Dresden und Frankfurt am Main wären ihre Vertreter bisher erfolgreich gewesen. Und seit einigen Jahren habe diese Denkschule „ein neues Kraftzentrum an der TU Dortmund, wo der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler das Deutsche Institut für Stadtbaukunst gründete, das sich – eine Provokation für die Branche – der Frage verschrieben hat, wie man 'schöne' Städte baut.“ Wo es doch den meisten Kollegen vor allem um die "verkehrsgerechte" oder "energieeffiziente" oder "sozial gerechte" Stadt ginge. Wogegen Mäckler und seine Mitstreiter gar nichts hätten, nur würden sie darauf bestehen, „dass die Stadt am Ende auch das sein müsse, was sie Jahrhunderte lang war: ein Kunstwerk, das von den Bewohnern mit allen Sinnen genossen werden will“.

In dem eingangs erwähnten Artikel („In der Vorhölle der Erbärmlichkeit“) wird nach den Horrorbildern von aufgeständerten, auf betonierten Stelzen ruhenden Trassen, Menschen die in Unterführungen abtauchen, „wie inkriminierte Subjekte, die das Tageslicht scheuen“, "Parkbewirtschaftungsflächen" etc. die Frage gestellt, ob denn nicht die mobilitätssüchtigen „Stadtraumkonsumenten“ daran ebenfalls erheblich Schuld trügen.

Daran ist sicher etwas. Wenn man alles dem „Menschenrecht auf Mobilität“ unterordnet und jeden möglichen Verkehr in und durch die Städte pressen will, kann das nicht gutgehen. Aber eine Balance ist möglich, denke ich, wenn man den Willen dazu und vor allem die Kategorien dafür hat.

Heute jedenfalls, und da ist dem Autor von ganzem Herzen zuzustimmen, ist die Stadtplanung in weiten Teilen immer noch „zu einer Disziplin degradiert worden, die das Gewese der von Bau-Normen durchseuchten Infrastrukturtüftelei über die Ästhetik erhebt“.

Dienstag, 10. April 2012

Evelyn Waugh

Arthur Evelyn St. John Waugh, hier vor allem wegen „Brideshead Revisited“ des öfteren erwähnt, starb am 10. April 1966. Herr Morgenländer hatte die Idee gehabt, dem Buch einen eigenen Blog zu widmen (wozu ich ein paar unbedeutende Beiträge beigesteuert habe) und sich auch kürzlich an einer Würdigung des Autors versucht, und da mir soviel Eloquenz völlig abgeht, verlinke ich doch einfach einmal darauf.

Und wo ich gerade beim Verlinken bin, mir ist unerklärlich, warum ich noch nicht eher auf diese unterhaltsame Website gestoßen war: An Evelyn Waugh Website by David Cliffe. Dort findet sich etwa ein Interview, in dem Waugh über sein Leben und seine Ansichten befragt wird, beispielsweise darüber, wie er zur Religion kam und was diese eigentlich bedeute:

Evelyn Waugh: „Well, it isn’t a sort of lucky dip that you get something out of, you know. It’s hard without using pietistic language to explain, but it’s simply admitting the existence of God or dependence on God, your contact with God; the fact that everything in the world that’s good depends on Him. It isn’t a sort of added amenity of the Welfare State that you say, 'Well, to all this, having made a good income, now I’ll have a little icing on top of religion', it’s the essence of the whole thing.“

John Freeman: „You say all that is good in the world comes from God; you don’t seem to find very much which is good in the modern world - you’ve seen it consistently as a decadent world, have you not?“

E. W.: „But there’s good in a decadent world.“

J. F.: „Yes, but your purpose in life is what? To castigate or to chronicle the decadent world? Do you see a purpose in your books - are you trying to scourge us into reform?“

E. W.: „Oh no, no, no, no, no. No, I’m just trying to write books.“

Und dann ein Stück, in dem etwas von dem Witz aufscheint, mit dem Waugh überreich gesegnet war:

J. F.: „Why are you appearing in this programme?“

E. W.: „Poverty. We’ve both been hired to talk in this deliriously happy way.“

J. F.: „Now you constantly tell people that you’re poor; and I don’t want to ask you impertinent questions, but you’re a great deal luckier than many people because you made something of a fortune before the war, before it was all taxed away.“

E. W.: „Not a penny. Never saved a penny. And of course no honest man has been able to save any money in the last twenty years.“

J. F.: „Looking at yourself, because I am sure you are a self-critical person, what do you feel is your worst fault?“

E. W.: „Irritability.“

J. F.: „Are you a snob at all?“

E. W.: „I don’t think.“

J. F.: „Irritability with your family, with strangers?“

E. W.: „Absolutely everything. Inanimate objects and people, animals, everything.“

J. F.: „Do you remember, if I may put a Catholic question to you out of the penny catechism, do you remember the twelve Fruits of the Holy Ghost?“

E. W.: „I should do, I don’t.“

J. F.: „Well, they include Charity, Joy, Patience, Benignity, Mildness; do you fall short in these?“

E. W.: „Yes.“

Da er seine eigene Reizbarkeit ansprach, in diesem (übertrieben unfreundlichen, aber sonst amüsanten) Artikel findet man diese Seite ein wenig beleuchtet. Eine Anekdote, die dort nicht erwähnt wird: Angeblich verbannte er seinen Sohn von der gemeinsamen Essenstafel, da er das sinnlose Geschwätz des Kindes nicht ertrug. Wie auch immer. Er mag im Umgang tatsächlich etwas anstrengend gewesen sein, als Autor aber war er ein scharfer Beobachter von beißendem Humor, ein Meister des geistvollen Gesprächs, ein Erzähler voll wacher Wehmut, und in allem ein großer Moralist.

Dienstag, 13. März 2012

Brideshead Revisited

Lawrence Alma-Tadema,
Sappho and Alcaeus, 1881

Dies hat ein wenig von einem Insider Joke, aber tatsächlich habe ich mich zu einem neuen Beitrag zu "Brideshead" aufraffen können. Es geht um Charles und inwieweit Schönheit eine oberflächliche Sache sei u.a.

Freitag, 24. Februar 2012

Brideshead Revisited Nachträge

Erinnerung hat etwas von Osgiliath – ein Verfallendes, das uns anrührt und einmal sehr schön, vielversprechend und geheimnisvoll war. Und so, wie wir mit unserer Erinnerung vergehen werden, geht ein einstmals lebendiger Ort ein ins Vergessen. Aber solange es Literatur gibt, zögert sich dieses womöglich ein wenig heraus.

Die Erinnerung ist seltsam. Sie erschafft ein unscharfes Bild aus Stimmen, halb versunkenen Bildern, schwer deutbaren Gefühlen, fremd gewordenen Gedanken, ein Nebel, aus dem manchmal gleichsam eine Gestalt halb erkannt fast hervortritt. Literatur vermag es, daß eine fremde Erinnerung, selbst eine imaginierte, zu einem Teil von uns, zu unserer eigenen wird. Aber lassen wir endlich das Buch sprechen, um das es uns geht...

Das Buch heißt „Brideshead Revisited“, wieder einmal. Man mag hier nachlesen, was mir und anderen weiter in den Sinn kam, besser den anderen.

nachgetragen am 25. Februar

Samstag, 11. Februar 2012

Zwischendurch


Ich bitte wirklich ganz demütig um Nachsicht bei denen, die hier vielleicht immer noch gelegentlich vorbeischauen. Und ich will auch nicht mit allzu kontingenten Bemerkungen auf die Nerven fallen. Zwei Bilder und ein Link. Oben findet sich eine Amsel, die nicht wie die anderen ca. 30 Vögel vor der Kamera flüchteten. Und unten ein Bild vom Dachboden, war wohl kürzlich wieder in morbider Stimmung. Der Link, ich habe einmal mehr versucht, etwas zu „Brideshead Revisited“ zu schreiben, nun ja.


Freitag, 3. Februar 2012

Brideshead Revisited

The south lawns at Castle Howard
hier gefunden

Der Herr Morgenländer hat mich dazu überredet, mit ihm und anderen in einem extra Blog ein paar Gedanken zu Evelyn Waughs "Brideshead Revisited" zusammenzutragen, eines der Bücher, die auf mich eine ungebrochene Faszination ausüben.

Ich fand meinen Beitrag offen gestanden im nachhinein recht bieder, aber ich bin eben halt auch ein schlichtes Gemüt, und schönen Dingen, die untergehen, konnte ich noch nie meine Sentimentalität vorenthalten, wie auch immer, man findet meinen Beitrag und den entsprechenden Blog eben dort.

Montag, 23. November 2009

Über Aloysius &


Castle Howard

Einer der bekanntesten Teddybären der gehobenen Literatur hört auf den schönen Namen Aloysius. Ich gestehe, es ist der einzige bekannte Teddybär der gehobenen Literatur, den ich namentlich kenne, aber daß Dinge einzigartig sind, ist eher selten, also wird es mehr geben, von denen ich nur nichts weiß, vielleicht.

Ich hatte heute eine Unterhaltung über Teddybären. Und jedesmal kommt mir dabei Aloysius, Sebastians Aloysius in den Sinn. Ich will hier heute nicht ausbreiten, warum mich „Brideshead revisited“, erst die Serie, später das Buch derart beeindruckt haben. Das ist schon deshalb müßig, weil ich dies gerade wieder auf einem Computer schreibe, der auf seine älteren Tage die Neigung entwickelt hat, ständig abzustürzen.

Ein Engländer zumal mag es fraglich oder erstaunlich finden, was gerade an seiner Aristokratie denn derart poetisch sein solle, daß es das Herz und die Erinnerung zu so weitausholenden Flügelschlägen veranlaßt, aber im Untergang zeigt manches erstaunliche Farben. Denn vom Untergang der britischen Aristokratie handelt jenes Buch, und von dem Vergessen-Werden der Natur der Dinge und vom Trost der Religion und vom Abenteuer der Freundschaft, davon auch.

Ich gebe zu, nach allem, was gestern gesagt wurde, was zwar wahr, aber doch auch recht beschwerend zu lesen war, suchte ich nach etwas „Erfreulichem“ und fand es hier. Aus dem Fernsehfilm habe ich früher schon einmal ein paar Beispiele gebracht, also wollen wir diesmal mit einem Zitat aus dem Buch enden. Zur Situation: Durch das offene Zimmerfenster von Charles Ryder, der in Oxford studiert, blickt Lord Sebastian Flyte und, beschreiben wir es so, er verliert dabei etwas die Kontrolle über sich, der Beginn einer ganz erstaunlichen Beziehung.

„‚Der Herr von gestern nacht, Sir, hat einen Brief für Sie hinterlassen.’
Der Brief war mit schwarzer Kreide auf einen ganzen Bogen meines kostbaren Whatman-HP-Zeichenpapiers geschrieben: ‚Ich bin ganz zerknirscht. Aloysius weigert sich, mit mir zu reden, bis er sieht, daß mir verziehen worden ist; kommen Sie also heute zum Lunch zu mir, bitte. Sebastian Flyte.’“


Teddybär, in Deutschland geboren etwas 1954

Freitag, 9. Januar 2009

Merkwürdigkeiten

„Ich hatte nicht weniger Verstand, als mir zukam; ich war alt genug, zu wissen, daß ein Versuch gemacht worden war, mich zu bestechen, und jung genug, das Erlebnis angenehm zu finden.“

Evelyn Waugh, „Wiedersehen mit Brideshead“

Es gibt zweifelsohne Sätze von größerer Bedeutungsschwere in diesem Buch. Dieser fiel mir nur gerade als einer der ersten auf. Unglücklicherweise hatte ich heute einer Kinoleiterin versprochen, ihr diesen Roman auszuleihen, nachdem ich die Neuverfilmung von „Brideshead Revisited“ zu besuchen verschmäht hatte.

Als ich noch einmal in dem Buch zu lesen begann, die Faszination ist nach so vielen Jahren ungebrochen, eine schmerzende Vertrautheit, die, so merkwürdig sie ist, mit kaum etwas verglichen werden kann.

Wo wir eben bei Merkwürdigkeiten sind. Da das Terrassenfenster meines Arbeitszimmers direkt in den gerade leider sehr winterlichen Garten geht: Offensichtlich war ein junger Mann von seinem weiblichen Gegenpart zu der Heldentat ermuntert worden, an nächtlich erleuchtete Gartenfenster zu klopfen.

Da freut man sich doch, daß man auch noch nach 1 Uhr nachts halbwegs seine Contenance zu wahren weiß. Als ich jedenfalls darauf unverzüglich, wenn auch wortlos, nach draußen ging, um den Vorgang genauer in Augenschein zu nehmen, sah ich ihn durch den Schnee davonstapfen, aus der Ferne bejubelt von ebenderselbigen Person mit den Worten: „Du bist so niedlich“. Wir wollen hoffen, daß es allen Beteiligten etwas gebracht hat. Amüsant.

Dienstag, 28. Oktober 2008

Brideshead Revisited



Beim Blättern in den Kalenderblättern stolpere ich über Arthur Evelyn St. John Waugh, der am 28. Oktober 1903 in London geboren worden ist; Großer Gott „Evelyn Waugh“, welche großartigen Erinnerungen an „Brideshead Revisited“ stellen sich unverzüglich ein, Jugenderinnerungen zumal, ich erinnere mich klar, wobei ich tatsächlich schon 20 gewesen sein muß, also habe ich tatsächlich besuchsweise den elterlichen Fernseher gegen die Zumutung verteidigt, etwas anderes sehen zu dürfen als diese Serie, so sind sie, die Erinnerungen, ich dachte wirklich, es wäre früher gewesen, aber vermutlich habe ich mich aus meinem späteren Urteil heraus einfach in diesem Alter noch für sehr unreif befunden.







Es gibt eine dankenswerte Dokumentation, die hier in ihren Anfang gezeigt wird:



"Quomodo sedet sola civitas...".