Freitag, 21. August 2015

Dies & Das (Tageslektüre)

heute am Zierker See

Daß Linke Satire, die von Linken handelt, lächerlich finden, nun ja... Da stolpere ich also heute in einen Artikel über das „Opium gegen Rechts“, wo freundlicherweise zur Quelle des Mottos verlinkt wird („Deutschlandradio Kultur - „Unser Opium oder: Rock gegen Rechts“ Von Sophie Dannenberg). Ich erinnere mich darauf dunkel daran, daß es da mal einen Aufreger-Roman über die '68er gab, aber das ist doch schon wieder so verdammt lange her. Nach der Lektüre ihres so kurzen wie bestechenden Beitrages, nein, ist es leider nicht.

Sie beschreibt da den Berufsrevolutionär Lothar („für die Freunde Lothi“), der endlich auf einen „Nazi“ trifft und völlig euphorisiert auftritt: „Das fiel auf, denn normalerweise war Lothi von bedeutsamer, freundlich wortkarger, revolutionärer Gelassenheit wie Joseph Stalin oder Bertolt Brecht oder Mischa Wolf.“ Die Kollegen mutmaßen schließlich, er habe sich den nur ausgedacht, anders ließe sich die Euphorie nicht erklären.

Aber immerhin, Lothi hatte seinen Lebenssinn, Perspektive und Orientierung wiedergefunden. Die Autorin bringt zur Illustration etwas aus dem Tierreich an, wo leer ausgegangene Männchen schließlich alles mögliche anbalzen „Steine, Zweige, Zaunpfähle, Schuhe“. „Sie sehen das Weibchen tatsächlich vor sich. So ähnlich brauchen die Guten die Bösen, die Teufelsaustreiber die Teufel, braucht die Antifa die Nazis.“ Ihr Fazit: Rückwirkender Widerstand funktioniert aber nicht. Ein unglaublicher Text.

Ich liefere im Anschluß ein paar Links, da kann sich jeder heraussuchen, was ihm konveniert, aber zunächst aus einem Spiegel-Online-Interview zwei Gedanken, die ich noch unbedingt anführen muß:

Zunächst: Politische Strukturen aufzubrechen, sei kein Wert an sich - wie die 68er offenbar glaubten. Das sei „Baby-Anarchismus“. Nun denke ich zwar persönlich, daß beim Anarchismus das Infantile zum Wesenskern gehört, aber immerhin.

Dann, und da komme ich aus dem Kopfnicken gar nicht mehr heraus: Die 68er seien groß gewesen im Zerstören von Institutionen und Werten: die deutsche Universität hätten sie auf dem Gewissen, die Familie, das Leistungsprinzip, Etikette und Anstand, Verlässlichkeit und Geborgenheit. Und sie illustriert dies mit einer wunderbaren Beobachtung: „Neulich bin ich mal durch eine bekannte Berliner Uni gegangen, und es war schrecklich: An den Wänden Graffiti, in den Gängen Müll, und ständig kamen mir verschlurfte Gestalten mit leeren Kuhaugen entgegen.“

Also die versprochenen weiteren Links: Auf das Interview von 2004 ("Ich habe nie geglaubt, dass die 68er Antifaschisten waren") verwies ich schon, aber nochmals, falls es untergegangen sein sollte.

Hier ein übellauniger Verriß aus der Dschungelwelt („Die Opfer des Grips-Theaters“). Ein „Gegen-Stück“ dazu aus der „Zeit“.

Jetzt zögere ich etwas, aber man will ja wissen, was hat der anregende Autor in jüngerer Zeit an Meinungsschiffen so vom Stapel gelassen (wo, sollte dabei gleichgültig sein, daß dem nicht so ist, gehört zu den pathologischen Zügen dieser Zeiten).

Ein sehr klarer Artikel zu einem abstoßenden Thema (Pädophilie und die Grünen), ein weiterer über Zwangsouting und den Verlust der Privatheit, sowie schließlich aus diesem Jahr einer darüber, wie man engagiert die Augen zunkneift, wenn das Bösartige schon mit Händen zu greifen wäre (Ein Nazi muss deutsch sein, sonst ist er keiner).

Das war jetzt so viel von der von mir gehaßten Gegenwartsbezogenheit, daß ich mir erstens Kommentare verkneifen werde und zweitens noch ein wenig Ausgleich verschaffen  muß. Zumal ich mir gern meinen Gemütsfrieden erhalte, daher auch das Eingangsbild von heute Abend.



Es ja überhaupt kurios, über was man alles so stolpert. Das nachfolgende trägt dann wieder zur Wiedergewinnung der Idylle bei. Das Video oben verschafft einen schnellen Eindruck davon.

Der Neuen Osnabrücker Zeitung  entnahm ich nämlich kürzlich eine Meldung über den Neuseeländer Barry Cox, der seit 4 Jahren eine Kirche aus Bäumen wachsen läßt. Eingebettet in einen ebenfalls streng geometrisch geformten Garten. Er verwendete dazu vor allem ältere Bäume, die gefällt werden sollten, die grub er mit einer Spezial-Schaufel aus und ließ sie dann wiedereingepflanzt den Grundrahmen seiner Baumkirche in Ohaupo (bei Cambridge auf der Nordinsel Neuseelands) bilden. Ein Eisenrahmen dient als Formgeber.

Was zunächst ein wenig nach Vergewaltigung der Natur klingt, überzeugt bei näherer Betrachtung (hier geht es zu seiner Website). Ich gebe zu, ich bin in dieser Sache etwas bipolar, komme damit aber bestens zurecht. Einerseits mag ich unsere barocken Gärten, die dem gleichen Formprinzip folgen, wenn sie die Natur der menschlichen Vernunft unterwerfen wollen. Andererseits schätze ich ebenso den verborgener gestalteten Landschaftsgarten, der scheinbar die Natur sich selbst überläßt, was natürlich ebenso nicht stimmt, der Eingriff ist nur subtiler.

Immer wenn der Mensch die Natur kultiviert, zwingt er ihr etwas ab, das ein Mehr ist. Das Erstaunliche ist, daß auf beiden von mir angedeuteten Wegen große Schönheit erwachsen kann. Und obwohl der Schöpfer der Neuseeländischen Baumkirche sich nicht für besonders religiös hält, hat sein Ort unverkennbar genau diese Aura.

Montag, 17. August 2015

Rilke und das Einhorn

Die Dame mit dem Einhorn, vor 1500 (das Schmecken)

"Es gibt Teppiche hier, Abelone, Wandteppiche. Ich bilde mir ein, du bist da, sechs Teppiche sind's, komm, laß uns langsam vorübergehen. Aber erst tritt zurück und sieh alle zugleich. Wie ruhig sie sind, nicht? Es ist wenig Abwechslung darin. Da ist immer diese ovale blaue Insel, schwebend im zurückhaltend roten Grund, der blumig ist und von kleinen, mit sich beschäftigten Tieren bewohnt.

Nur dort, im letzten Teppich, steigt die Insel ein wenig auf, als ob sie leichter geworden sei. Sie trägt immer eine Gestalt, eine Frau in verschiedener Tracht, aber immer dieselbe. Zuweilen ist eine kleinere Figur neben ihr, eine Dienerin, und immer sind die wappentragenden Tiere da, groß, mit auf der Insel, mit in der Handlung. Links ein Löwe, und rechts, hell, das Einhorn; sie halten die gleichen Banner, die hoch über ihnen zeigen: drei silberne Monde, steigend, in blauer Binde auf rotem Feld. – Hast du gesehen, willst du beim ersten beginnen?

Sie füttert den Falken. Wie herrlich ihr Anzug ist. Der Vogel ist auf der gekleideten Hand und rührt sich. Sie sieht ihm zu und langt dabei in die Schale, die ihr die Dienerin bringt, um ihm etwas zu reichen. Rechts unten auf der Schleppe hält sich ein kleiner, seidenhaariger Hund, der aufsieht und hofft, man werde sich seiner erinnern. Und, hast du bemerkt, ein niederes Rosengitter schließt hinten die Insel ab. Die Wappentiere steigen heraldisch hochmütig. Das Wappen ist ihnen noch einmal als Mantel umgeben. Eine schöne Agraffe hält es zusammen. Es weht.

Die Dame mit dem Einhorn, vor 1500  (das Riechen)

Geht man nicht unwillkürlich leiser zu dem nächsten Teppich hin, sobald man gewahrt, wie versunken sie ist: sie bindet einen Kranz, eine kleine, runde Krone aus Blumen. Nachdenklich wählt sie die Farbe der nächsten Nelke in dem flachen Becken, das ihr die Dienerin hält, während sie die vorige anreiht. Hinten auf einer Bank steht unbenutzt ein Korb voller Rosen, den ein Affe entdeckt hat. Diesmal sollten es Nelken sein. Der Löwe nimmt nicht mehr teil; aber rechts das Einhorn begreift.

Die Dame mit dem Einhorn, vor 1500  (das Hören)

Mußte nicht Musik kommen in diese Stille, war sie nicht schon verhalten da? Schwer und still geschmückt, ist sie (wie langsam, nicht?) an die tragbare Orgel getreten und spielt, stehend, durch das Pfeifenwerk abgetrennt von der Dienerin, die jenseits die Bälge bewegt. So schön war sie noch nie. Wunderlich ist das Haar in zwei Flechten nach vorn genommen und über dem Kopfputz oben zusammengefaßt, so daß es mit seinen Enden aus dem Bund aufsteigt wie ein kurzer Helmbusch. Verstimmt erträgt der Löwe die Töne, ungern, Geheul verbeißend. Das Einhorn aber ist schön, wie in Wellen bewegt.

Die Dame mit dem Einhorn, vor 1500  (Sehnsucht / Begehren)

Die Insel wird breit. Ein Zelt ist errichtet. Aus blauem Damast und goldgeflammt. Die Tiere raffen es auf, und schlicht beinah in ihrem fürstlichen Kleid tritt sie vor. Denn was sind ihre Perlen gegen sie selbst. Die Dienerin hat eine kleine Truhe geöffnet, und sie hebt nun eine Kette heraus, ein schweres, herrliches Kleinod, das immer verschlossen war. Der kleine Hund sitzt bei ihr, erhöht, auf bereitetem Platz und sieht es an. Und hast du den Spruch entdeckt auf dem Zeltrand oben? da steht: „A mon seul désir.“

Die Dame mit dem Einhorn, vor 1500  (das Berühren)

Was ist geschehen, warum springt das kleine Kaninchen da unten, warum sieht man gleich, daß es springt? Alles ist so befangen. Der Löwe hat nichts zu tun. Sie selbst hält das Banner. Oder hält sie sich dran? Sie hat mit der anderen Hand nach dem Horn des Einhorns gefaßt. Ist das Trauer, kann Trauer so aufrecht sein, und ein Trauerkleid so verschwiegen wie dieser grünschwarze Samt mit den welken Stellen?

Die Dame mit dem Einhorn, vor 1500  (das Sehen)

Aber es kommt noch ein Fest, niemand ist geladen dazu. Erwartung spielt dabei keine Rolle. Es ist alles da. Alles für immer. Der Löwe sieht sich fast drohend um: es darf niemand kommen. Wir haben sie noch nie müde gesehen; ist sie müde? oder hat sie sich nur niedergelassen, weil sie etwas Schweres hält? Man könnte meinen, eine Monstranz. Aber sie neigt den andern Arm gegen das Einhorn hin, und das Tier bäumt sich geschmeichelt auf und steigt und stützt sich auf ihren Schoß. Es ist ein Spiegel, was sie hält. Siehst du: sie zeigt dem Einhorn sein Bild –. Abelone, ich bilde mir ein, du bist da. Begreifst du, Abelone? Ich denke, du mußt begreifen.

Nun sind auch die Teppiche der Dame à la Licorne nicht mehr in dem alten Schloß von Boussac. Die Zeit ist da, wo alles aus den Häusern fortkommt, sie können nichts mehr behalten. Die Gefahr ist sicherer geworden als die Sicherheit. Niemand aus dem Geschlecht der Delle Viste geht neben einem her und hat das im Blut. Sie sind alle vorbei. Niemand spricht deinen Namen aus, Pierre d'Aubusson, großer Großmeister aus uraltem Hause, auf dessen Willen hin vielleicht diese Bilder gewebt wurden, die alles preisen und nichts preisgeben. (Ach, daß die Dichter je anders von Frauen geschrieben haben, wörtlicher, wie sie meinten. Es ist sicher, wir durften nichts wissen als das.)

Nun kommt man zufällig davor unter Zufälligen und erschrickt fast, nicht geladen zu sein. Aber da sind andere und gehen vorüber, wenn es auch nie viele sind. Die jungen Leute halten sich kaum auf, es sei denn, daß das irgendwie in ihr Fach gehört, diese Dinge einmal gesehen zu haben, auf die oder jene bestimmte Eigenschaft hin.

Junge Mädchen allerdings findet man zuweilen davor. Denn es gibt eine Menge junger Mädchen in den Museen, die fortgegangen sind irgendwo aus den Häusern, die nichts mehr behalten. Sie finden sich vor diesen Teppichen und vergessen sich ein wenig. Sie haben immer gefühlt, daß es dies gegeben hat, solch ein leises Leben langsamer, nie ganz aufgeklärter Gebärden, und sie erinnern sich dunkel, daß sie sogar eine Zeitlang meinten, es würde ihr Leben sein...

Sie sind aus guter Familie. Aber wenn sie jetzt beim Zeichnen die Arme heben, so ergibt sich, daß ihr Kleid hinten nicht zugeknöpft ist oder doch nicht ganz. Es sind da ein paar Knöpfe, die man nicht erreichen kann. Denn als dieses Kleid gemacht wurde, war noch nicht davon die Rede gewesen, daß sie plötzlich allein weggehen würden. In der Familie ist immer jemand für solche Knöpfe. Aber hier, lieber Gott, wer sollte sich damit abgeben in einer so großen Stadt... Das ist lächerlich und erinnert an die Familie, an die man nicht erinnert sein will...

Der Weg ist irgendwie enger geworden: Familien können nicht mehr zu Gott...
Sie haben schon angefangen, sich umzusehen, zu suchen; sie, deren Stärke immer darin bestanden hat, gefunden zu werden.

Das kommt, glaube ich, weil sie müde sind. Sie haben jahrhundertelang die ganze Liebe geleistet, sie haben immer den vollen Dialog gespielt, beide Teile. Denn der Mann hat nur nachgesprochen und schlecht. Und hat ihnen das Erlernen schwergemacht mit seiner Zerstreutheit, mit seiner Nachlässigkeit, mit seiner Eifersucht, die auch eine Art Nachlässigkeit war. Und sie haben trotzdem ausgeharrt Tag und Nacht und haben zugenommen an Liebe und Elend. Und aus ihnen sind, unter dem Druck endloser Nöte, die gewaltigen Liebenden hervorgegangen, die, während sie ihn riefen, den Mann überstanden; die über ihn hinauswuchsen, wenn er nicht wiederkam, wie Gaspara Stampa oder wie die Portugiesin, die nicht abließen, bis ihre Qual umschlug in eine herbe, eisige Herrlichkeit, die nicht mehr zu halten war...".

Die Dame mit dem Einhorn, vor 1500  (Sehnsucht / Begehren)

Soweit also Rainer Maria Rilke in seinen Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Ich wollte ursprünglich gar nichts dazu sagen, und wer sich seine Stimmung erhalten möchte, bricht jetzt besser ab. Rilke war, als er in seinen Roman die sechs bekannten mittelalterlichen Wandteppiche „La Dame à la Licorne“ aufnahm, Sekretär Auguste Rodins in Paris. Seine Deutungen beschreiben mehr und mehr, ich habe den Übergang teilweise mit aufgenommen, vor allem seine Sicht auf "die Frau" in den Verwandlungen der Zeit. Das liest sich mitunter erstaunlich und dann wieder. Und jetzt entlarve ich doch mein Banausentum: Rilkes Prosa (über seine Lyrik wäre derartiges allenfalls zu sagen, wenn man sich unbedingt lächerlich machen wollte, die steht wahrlich für sich) hält für mich oft 2 Pole bereit, atemlose Verblüfftheit und Momente des Fremdschämens.

Letzteres darf jeder finden, wo er will, aber es gibt eben auch Sätze darin wie „Aber es gab natürlich genug, die ihm übelnahmen, daß er an die Vergangenheit nur glaubte, wenn sie in ihm war.“

Ich breche hier besser ab. Nahezu. Die ganze Passage findet sich übrigens hier. Der Bilderzyklus selbst wird nicht nur in oben verlinktem Artikel erklärt, sondern auch sehr nützlich didaktisch, wenn ich das so sagen darf, in diesen beiden Videos (Nr. 1 & Nr. 2).

Der Teil 2 erhob mich (bzw. meine Seele) sogar ein wenig, als er die Haltung des Platoübersetzers und so frommen wie kunstverständigen Philosophen Marsilio Ficino mit den Worten zusammenfaßte: „Die Liebe ist das Verlangen nach Schönheit, und die Schönheit ist Gott.“

Sonntag, 16. August 2015

Sonntag & (wenig verspätet)


„Während ich also immer noch über die Himmelfahrt unserer allerseligsten Jungfrau nachdenke und gleichzeitig hoffe, daß dem Wetterleuchten Taten folgen werden, so daß man endlich von diesem unchristlichen Wetter erlöst werden wird - ein vermutlich überraschend früher Essensbericht...“

So begann ich gestern, um bei einsetzendem Gewitter dann doch auf die Couch zu kriechen, um dort zwar nicht zu verenden, aber doch irgendetwas in der Richtung.

Den Bericht gibt es, wie man sieht, erst heute. Ich arbeite mich gewissermaßen rückwärts vor. Einen Beitrag über Rilke findet man wenigstens schon, das heißt, ich zitiere ihn eigentlich nur obsessiv. Aber wo sich das Wetter einigermaßen normalisierte, kehrte auch der Ehrgeiz in Stücken zurück. Heute wollte ich nicht wieder nur über's Essen schreiben. Gestern, also aus der Sicht dieses Berichts heute, war es wohl der blanke Trotz.


Ich stellte mir also meinen Riesen-Ventilator in die Küche und dachte mir Unsinn mit Lachs aus. Wenn einem sowieso alles ziemlich egal ist... Die Bilder erklären den Fortgang. Zuerst habe ich die Lachsstücke in Butterschmalz mit Rosmarin angebraten (eher kurz, das Bild täuscht da etwas), einige herausgenommen, und den Rest dann in Fischfond ersäuft und abgedeckt beiseite gestellt.

Jetzt kam das Experimentieren, und zwar in 3 Varianten. Es sollte Teigtaschen geben. Erste Variante: Zuoberst kam etwas von dem bekannten dänischen Frischkäse, dem u.a. gehackte Mandeln und Ananas beigegeben sind.


 Zweite Variante: Schmelzkäse mit Kräutern.


Dritte Variante: Ein Stück Butter mit reichlich Dill.


Der Backofen war vorgeheizt. Nachdem alles ordentlich dort versammelt war, konnte ich den Ort schließlich fluchtartig verlassen, um nach weniger als einer halben Stunde wiederzukehren und alles ein wenig abkühlen zu lassen (*Har *Har, das Problem des Warmhaltens war diesmal immerhin quasi nicht existent).

Ich vergaß zu erwähnen, daß ich beim Formen der Teigtaschen delirierend vergaß, wo eigentlich oben und unten gewesen war. Einmal lag ich mit meinen Zufallstreffern falsch, also keine ganz schlechte Quote. Der Schmelzkäse fand seinen Weg aufs Backblech, um dort zu verschmurgeln. Vielleicht ist mir so eine Geschmacksoffenbarung vorenthalten geblieben. Die Variante mit Butter und Dill war jedenfalls ziemlich erfreulich.


Frau W. mag keine Teigtaschen, sondern lieber Kartoffeln mit Sauce. Die gab es, salomonisch entschieden, folglich auch, in Form von Pellkartoffeln, und die Sauce aus dem Sud, in dem der restliche Lachs vorher schwamm, mit viel Sahne aufgehübscht. Der Spiegel der Sauce senkte sich übrigens rasch. Ansonsten noch geschmorte Mohrrüben.


Abends raffte ich mich sogar in Richtung See und Schloßgarten auf, bis das Wetterleuchten begann. Das ist wahrlich nichts Aufregendes, was ich diesmal zu berichten hatte, aber die gute Ordnung, in der es steht, gibt ihm dann doch etwas Halt und Bedeutung.


nachgetragen am 17. August


Well, let us make a fool of ourself with a so-called translation once more:

"So while I still think about the Assumption of our Blessed Virgin and at the same time hope that the lightning deeds will follow, so we'll be finally freed from this ungodly weather - probably a surprising early dinner report..."

This was yesterday. After I wrote these words the thunder storm started and I was crawling toward the couch in order not to die there obviously, but you got the meaning already.

The report is, as we see, from today. I'm writing, so to speak backwards again. At least there is a post about Rilke and the unicorn (he wrote something about a series of six tapestries called The Lady and the Unicorn from around 1500 AD), frankly said I only quote extensively from his novel The Notebooks of Malte Laurids Brigge, that's all, more or less. When the weather normalized somewhat, even the ambition returned in pieces, a bit. 

I don't wanted to write only about food again. Yesterday it wasn't ambition, rather defiance.

So I brought the biggest fan into the kitchen and imagined nonsense with salmon. At some point one really doesn't care anymore... The pictures explain the progress. First, I have the salmon pieces sautéed in butter with rosemary (rather for a short time, the picture is a little deceptive), some pieces were saved, and then the rest drowned in fish stock and set aside covered.

Now came the ideas, in 3 variants. There should be dumplings. 1st variant: At the top some of the well-known Danish cream cheese, which among other things includes chopped almonds and pineapple. 2nd variation: Soft cheese with herbs. 3rd variant: A piece of butter with plenty of dill around.

The oven was preheated already. So after everything was assembled properly there I could leave the place speedy, recurring after less than half an hour to let everything cool down a little (*har *har, the problem of keeping dishes warm was quasi non-existent this day).

I should mention that when I formed the dumplings I completely forgot what was the upper side before. I had to guess. Only one time I was wrong, so not that bad. So the soft cheese found its way onto the baking sheet to pass away there. A taste revelation maybe remained unrevealed under this circumstances, who knows. The variant with butter and dill was certainly quite enjoyable.

Mrs. W. doesn't like dumplings, but prefer potatoes with sauce. So I made the  Solomon-like decision to boil potatoes as well, and pimped the salmon broth after I had taken the remaining salmon piece aside to a sauce, with the help of lots of cream. The level of sauce in the bowl fell later quickly by the way. And braised carrots.

In the evening I pulled myself even towards the castle garden and the nearby lake until the lightning began. This is truly nothing exciting I have to report this time, but the good order in which it stands might grant a little importance and meaning, maybe.

Sonntag, 9. August 2015

Sonntag & (translated)


Das ist das schöne, wenn man zu Denkmälern hinüberblicken kann. Der Herzog ist auch immer noch da, dann wirst das selbst ja wohl ebenfalls irgendwie hinkriegen. Ich kann Sommer nicht. Der Satz ist so rudimentär (und falsch), daß ins nachfolgende keine Erwartungen mehr gesteckt werden müssen. Ich war offen gestanden schon gestern so plem plem, daß ich abends auf meinem verwaisten Twitter-Account einen Zeit-Artikel „geteilt“ habe, auf Englisch. Irgendwie befiel mich wohl das Gefühl, daß dieser Quark, vielleicht unfreiwillig, schon auf ein paar Wahrheiten hindeutet, in diesen Tagen, in denen einem durchaus etwas mulmig wird. Genug davon.


Zurück zur Idylle, und die heißt diesmal Schnitzel mit Kartoffelsalat. Ich bin also sehr früh aufgestanden (als alle potentiellen Unruhestifter noch fest schliefen und die Temperaturen leidlich erträglich waren), habe Kartoffeln gekocht, abkühlen lassen, gepellt, kleingeschnitten, eingelegte Gurken kleingeschnitten, Zwiebeln, nun, man ahnt den Fortgang. In das Ganze kam nur noch ein Mayonnaise-Ersatz, etwas Gurkenwasser, viel Pfeffer, etwas Salz, Dill, darauf Tomaten, nicht nur als Garnierung. Und ein Sado-Maso-Ei, das uns die betagte Nachbarin geschenkt hatte, die auf die Hühner des Herrn, der dieses Haus mal erworben hat, aufpassen mußte.


Der Satz kommt nicht von ungefähr; die beiden Damen hatten einen regen Gedankenaustausch über das Sujet, wie sich das Tier wohl gequält haben mußte, um das Ei am Ende glücklich aus sich heraus zu bekommen. Frauengespräche eben (man bedenke immer noch, es ist deutlich zu warm für mein unschuldiges Gemüt).

Man kann das alles den Bildern ablesen. Auch die ursprüngliche Skepsis, die dann bald umschlug, selbst die Nachbarin bekam später etwas davon ab („Das schmeckt aber gut“, und das aus mecklenburgisch-pommerschen Munde). Dazu Schnitzel, erst fein schmalgeklopft, dann in Mehl gewälzt, darauf in kräftig gewürztem Ei, zuletzt in Paniermehl. Alles endlich in Butterschmalz gebraten und dann im Ofen abgedeckt warmgehalten.



Dafür, daß ich eigentlich keine Lust hatte zu kochen, war es doch ein wenig mehr Aufwand als gewollt. Nun ja, manchmal entsteht der Spaß eben beim Tun. Und das selbst in einer brütend heißen Küche.


(I wasn't sure if I should delete or translate this. And as you can see, I choose to “translate” it, so to speak.)

That's the wonderful aspect if you can look across to monuments of people you like. The Duke is still there: So get yourself together and do the same. I cannot do summer. This sentence is even senseless in German, so not much expectations into the following, you've be warned. Frankly, yesterday evening I was so confused I even shared something on my orphaned Twitter account, in English, from this important weekly journal called “Die Zeit”. Somehow befell me probably a feeling that this fiddle-faddle (is flapdoodle offensive? It was my 1st choice, but my “English” will always be a guessing), perhaps involuntarily, evoked a few truths in these disturbing days. But enough of this.

Back to the idyllic topics, it's named this time Schnitzel with a potato salad. So I was up very early (as all potential troublemakers were still asleep and the temperatures fairly bearable), have boiled potatoes, let them cool down, peeled it thereafter, chopped it, added small pieces of pickled cucumbers, and onions, well, you got the idea already. To the whole hotchpotch only a mayonnaise substitute was added, some cucumber water, a lot of pepper, a little salt, dill, on top some tomatoes, not only as a garnish thing. And a sadomasochistic egg (well here is a story behind), our elderly neighbour, who had to take care of the chickens of the Landlord while he was in Hungary (and it's back now), gave this to dear mother.

So the strange word was no accident. The two ladies had a lively exchange of views on the subject (an egg with two yolks), how poor chicken probably had to endure a lot of pain to get rid of that. Women's talk, so to speak, I really had to leave the room (remember, it's clearly too warm for my innocent mind).

You can read all this from the images. The initial scepticism, which then capsized soon, even the named neighbour got later some of it ("that tastes good", and this from a rural Mecklenburg- Pomeranian point of view). These Schnitzel were just knocked to fine narrow pieces, then rolled in flour, then in vigorously spiced egg mud, at last in breadcrumbs. Everything finally fried in ghee and then into the oven, covered, to be kept warm.

For that I actually could not be bothered to cook at first, I took a little more effort than intended. Well, sometimes the fun is created while doing. And that even in a kitchen with a sweltering atmosphere.

Samstag, 8. August 2015

Beiläufiger Beitrag


Das ist wirklich surreal, ein offenkundiger, sagen wir einfach, nicht sehr vertrauenswürdiger Kommentar brachte mich zu diesem alten Beitrag (in solchen Zeiten ist wahrlich alles nach spätestens 10 Minuten alt) und ich dachte so für mich: 'Mein Gott!'. Ich habe herumgesucht und tatsächlich 3 weitere Bilder aus der Zeit des Beitrages gefunden, die nun ja...

Aber wie Leonard Nimoy am Ende sehr zurecht bemerkte: „A life is like a garden. Perfect moments can be had, but not preserved, except in memory.“



Sonntag, 2. August 2015

Sonntag &


Als ich gestern Abend gegen 11 die Schloßstraße hinaufging, fiel mir ein junger Mann auf, der offenkundig von der Idee besessen war, die Häuser festhalten zu müssen. Nun waren wir alle, denke ich, schon in unangenehmen Situationen. Und so half ich ihm, gegen meine Gewohnheit, mit seiner freundlichen Einwilligung zum nächsten Treppenaufgang.

Ein etwas schräger Gedanke an dieser Stelle (der mich aber schon des öfteren befiel): Jeder Mensch denkt zuförderst erst einmal (mehr oder weniger), er sei normal, und ist dann z. B. verblüfft, wie Menschen so dünn sein können. Nun ja. Nachdem er folglich nicht weiter belästigt werden mußte, er hatte das übrigens mit ziemlicher, ja warum nicht, Dignität beantwortet, eilte ich also in die Stadtkirche.

Und während ich sie im Geiste wieder einmal in einen schönen Ort verwandelte (soviel wäre das gar nicht, die Emporen im Chorbereich müßte man zurücknehmen, die Altarwand von Grau in Weiß-Blau ummodeln z.B.), beging der Neustrelitzer Musiker Torsten Harder, ein wahrlich frommer Mann, von dem ich, offen gestanden, nicht wirklich wesentliches weiß, und insofern mische ich mich in fremde Händel (wenn ich ihn auch schon gelegentlich gehört habe), dort seinen 50. Geburtstag mit einem wohl größtenteils improvisierten öffentlichen Konzert, bei dem mir mehrfach innerlich die Kinnlade herunterfiel (man muß auch wissen, was man seinen Mitmenschen zumuten will, allein die Vorstellung, mein Beeindruckt-Sein wäre nach außen gewendet worden - *Grusel). Es war einer der Momente, wo ich dachte, dies ist eben doch immer noch ein Ort der Künste und des Geistes, und sogar der Frömmigkeit.

Aber ich hatte natürlich die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen. Andere Partyleute mögen geholfen haben, die Treppenstufen waren jedenfalls 1 1/2 Stunden später leer. Gott sei Dank. Das also die zugegebenermaßen etwas seltsamen Präliminarien.


Denn eigentlich soll es doch jetzt um's Essen gehen. Auf dem mäßigen obigen Bild bekommt man eine Ahnung. Im Gefrierschrank-Mausoleum ruhte immer noch ein Rehrücken in Frieden. Der war nun seit Freitag gestört, denn der Rücken reifte im Kühlschrank nach. Offen gestanden, ist es eine mühselige Veranstaltung, man muß das Fleisch vom Knochen lösen (nicht alles natürlich), die Knochen samt Anhängendem mit Zwiebeln erst anbraten, dann ablöschen und darauf in reichlich Flüssigkeit vor sich hinköcheln lassen, zusammen mit Piment, Lorbeerblättern, Pfefferkörnern, Rosmarin,  und Salz natürlich. Die Löschflüssigkeit bestand in diesem Fall aus Rotwein, Wasser und Ketchup. Das braucht gut seine 2 1/2 Stunden, aber man muß dem Topf dabei natürlich nicht die Hand halten. Aber es dauert eben.


Irgendwann wurden auch die ausgelösten Stücke vom Rehrücken angebraten, mit Wildfond abgelöscht und in den Ofen abgedeckt zum Nachgaren gesteckt, für nicht so sehr lange. Schließlich kam es zur unvermeidlichen Familienzusammenführung. Die leidlich ausgekochten Knochen kamen in mein größtes Sieb, der aufgefangene Fond zu dem aus dem Ofen (der Rehrücken wurde dort warmgehalten), und jetzt verläßt mich schon meine Erinnerung, ich denke, Sahne kam noch dazu. Das heißt, mein Gedächtnis hatte mich schon gestern bald verlassen: Es sollte doch eine Preiselbeersauce werden. Was fehlte, als sie endlich auf dem Tisch stand – die Preiselbeeren. D.h., sie waren wohl vorhanden, nur eben nicht in der Sauce. Ich war inzwischen wirklich zu träge, das noch einmal rückgängig zu machen, und habe darauf meine Schnapsidee aufgewärmt, Preisel- und Heidelberen kurz in Rum zu schwenken.



Zwei Dinge waren putzig, Frau W. hat ihren Gurkensalat nicht angerührt (gewohnt mit Essig und Zucker) – 'ich wußte ja nich, daß du noch Blumenkohl machst'. Zu Füßen des Gebirges aus Blumenkohl hatte sich allerdings reichlich Butter versammelt, die ich heiß darübergeschüttet hatte (etwas Muskat war auch dabei), langsam wird mir deutlich, wie jemand auf die Idee kommen kann, es gäbe so etwas wie Butterkobolde .

Ein Anderes: Die Sauce wurde gnädig aufgenommen (obwohl Frau W. neben vielen anderen Dingen keine Rotweinsaucen mag). Aber als ich vorschlug, ich könne nach dem Abräumen ja die Früchte jetzt dazutun, warf sie sich unter verblüffend lautem "Nein!" nahezu schützend über die Terrine. Mein Gott, soviel Hingabe.



Ich wüßte wirklich nicht, was noch zu sagen bliebe. Es war nicht schlecht, ich habe mich sogar getraut, ein wenig davon dem Herrn Stahl von der Schloßkirchenaufsicht nebenan anzudienen.

Die Ausstellung „Tier und Mensch“ ist nun geschlossen. Darum das Eingangsbild, es war eine wundervolle, sich tief einsenkende letzte Stunde, die ich da fast nur für mich hatte, und so reifte in mir dann der Gedanke, mich der Gefahr der Ungnade auszusetzen und gegen meine Absicht, einige Bilder zu machen, und mitzuteilen, die findet man da.


Heimat ist der Ort, den sich die Seele auswählt, offenbar hat sie das längst getan. Und wenn Kunst diesem Ort noch ihre eigene Würde dazugibt: Was sollte es mehr geben?
beendet am 3. August

Schloßkirche