Sonntag, 30. November 2008

Sonntag








„Die Leute sagen manchmal, Schönheit sei oberflächlich. Das mag sein. Aber zumindest ist sie nicht so oberflächlich wie das Denken.“

Oscar Wilde, der dieses schrieb, starb heute vor 108 Jahren.

Und Andrea Palladio wurde exakt vor 500 Jahren geboren, das wäre natürlich jederzeit für sich bemerkenswürdig, noch ums so mehr, als er hier in den letzten Tagen mehrfach als Gewährsmann herhalten mußte.

Samstag, 29. November 2008

Über noch weitere Erinnerungen







In der Nähe der Anfänge der Oper, diesem Juwel unseres Abendlandes sein zu dürfen, ist das nicht genau das: Nach Hause zu kommen. Monteverdi starb am 29. November 1643 in Venedig.

Ich habe noch einmal über meine Bemerkungen von gestern nachgedacht und hoffe, dieser Mensch weiß, wovon er spricht, wenn er sich leichthin in die Nachfolge Palladios stellt. Es dürfte in der Tat wenige Berufszweige geben, denen es so umwerfend gelungen ist, das Angesicht dieser Erde zu beschädigen, wie den zeitgenössischen Architekten.

Freitag, 28. November 2008

Erinnerung und Restauration


Haus Doorn, gefunden hier

Wie bereits früher vermerkt, hat Kaiser Wilhelm II. exakt an diesem Tag vor 90 Jahren offiziell abgedankt. Um sich heute einmal die gewünschten Abmilderungen zu ersparen, seitdem ging es eigentlich nur noch kontinuierlich bergab.

Nicolaus Sombart hat ein sehr luzides Buch über Wilhelm II. verfaßt und über die Eintrübung des Urteils von einem dessen Kritiker bemerkt, warum sein Urteil so verzerrt wäre: „Der Grund dafür? Er liebt den Kaiser nicht.“ Und über einen anderen, gewöhnlich für bedeutend gehaltenen Publizisten schreibt er: „Ein solches Urteil, dessen Gehässigkeit erschreckt, hat sich Augstein nicht aus der Nase gezogen. Er hat es aus den Geschichtsbüchern.“

Wir müssen gestehen, all diese Bemerkungen stammen aus der Einleitung des erwähnten Buches, wie auch diese: „In der unbeschreiblichen Dramatik ihrer Geschichtswebung hat es Klio gefallen – in einem großen Menschenschicksal den Deutschen ihr zeitliches Wesen, ihre Selbstentfremdung, ihren Abgott und ihren Sturz zu verknüpfen.“ Nur daß er seinerseits damit Walther Rathenau zitiert hat.

Ob nun kurios das passende Attribut ist, vermutlich nicht, aber am selben heutigen Tag wurde der Siegerentwurf für den Nachbau des Berliner Schlosses bekannt gemacht. So sehr man dem Verlorenen nachhängt, manchmal wird dieses gerade durch mißgeleitete Belebungsversuche endgültig ruiniert. Wir schwanken. Als wir eine Abbildung des Siegerentwurfs sahen, meinten wir, genau das wäre der Fall. Dann aber lasen wir, das alles wäre aus dem Geist Palladios geschehen. Wollen wir noch einmal hoffen, daß eine kühn gewählte Begründung von der Wirklichkeit gerechtfertigt wird.

Donnerstag, 27. November 2008

Radetzkymarsch



Es ist eigentümlich, wie ich in den letzten Tagen an gänzlich unterschiedlichen Orten von Joseph Roth und seinem „Radetzkymarsch“ verfolgt wurde, und ich mag jetzt nicht nach irgendwelchen biographischen Anlässen o. ä. weiter suchen, gerade eben wurde dieses noch abgewechselt vom „Herrn der Ringe“, dieser im Innersten verzweifelten Sehnsucht nach dem „guten König“, aber zurück zu Joseph Roth.

Es gibt wenige Romane, die das Potential haben, einem das Herz zu brechen, wie der soeben genannte Roman, man muß das nicht zulassen, aber sie könnten es. Es gibt ein anderes Buch namens „Die Kapuzinergruft“ von ihm:

„Die Kapuzinergruft, wo meine Kaiser liegen, begraben in steinernen Särgen, war geschlossen. Der Bruder Kapuziner kam mir entgegen und fragte: ‚Was wünschen Sie?‘
„Ich will den Sarg meines Kaisers Franz Joseph besuchen‘ – erwiderte ich.
‚Gott segne Sie!‘ sagte der Bruder, und er schlug das Kreuz über mich.
‚Gott erhalte!‘ rief ich.
‚Pst!‘ sagte der Bruder.
Wohin soll ich, ich jetzt, ein Trotta? …‘“.

zitiert aus:
Joseph Roth, Die Kapuzinergruft, Berlin 1984, Verlag der Nation

Mittwoch, 26. November 2008

Jeglicher Hahn vermeint, er lege die besten Eier.

Ich kann mich zwar nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern („Schwulst“ und in den Augen des Autors Verächtlicheres kamen mit Sicherheit vor), aber umso deutlicher an die Wirkung.

Ich war vermutlich ein Kind von 14 – 15 Jahren und fand in einem Lexikon eine mit sehr spitzen Fingern geschriebene Bewertung der barocken Dichtung (vermutlich liegt das „Buch“ noch irgendwo auf dem Dachboden, aber ich bin zu faul um nachzusehen), exakt ging es um Hofmannswaldau, und meine Reaktion war: Das werde ich lieben. Ich kannte kein Stück:


VERGÄNGLICHKEIT DER SCHÖNHEIT

Christian Hofmann von Hofmannswaldau



Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand
Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen,
Der liebliche Korall der Lippen wird verbleichen;
Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand,

Der Augen süßer Blitz, die Kräfte deiner Hand,
Für welchen solches fällt, die werden zeitlich weichen.
Das Haar, das itzund kann des Goldes Glanz erreichen,
Tilgt endlich Tag und Jahr als ein gemeines Band.

Der wohlgesetzte Fuß, die lieblichen Gebärden,
Die werden teils zu Staub, teils nichts und nichtig werden,
Denn opfert keiner mehr der Gottheit deiner Pracht.

Dies und noch mehr als dies muß endlich untergehen.
Dein Herze kann allein zu aller Zeit bestehen,
Dieweil es die Natur aus Diamant gemacht.


TRANSITORY BEAUTY

trans. Michael Haldane



Pale Death, with his cold scythe-like swaying hand
will stroke your breasts with bony-knuckled time;
your coral-red delicious lips will rime,
your shoulders' clement snow shall run cool sand.

Your eyes' sweet lightning-flashes, your hands' strength -
these conquerors shall yield to Time's taut grip;
the years and days shall finally unslip
your hair from its bright gold attaining length.

Your well-appointed foot, your charming ways,
Will part be dust, and nil and nought in part:
No more prostration at your splendour's shrine.

All this, and more, must end in dead decays;
Nothing can last forever, but your heart -
Created in the deepest diamond mine.


Warum gerade jetzt Hofmannswaldau, nun Dr. Haldane war so freundlich, mir heute zu erlauben, seine Übersetzungen plündern zu dürfen, wovon ich in diesem Fall nur zu gern Gebrauch mache.

Und zu der Überschrift: Arno Holz hat ein wunderbares Büchlein namens „Des berühhmbten Schäffers Dafnis …“ geschrieben, in dem dieser Dafnis sich selbst beschreibt mit den Worten: „Dafnis / der Verfärtiger gegenwärtiger Boesie. Ich habe sie mit so großer Lust gesezzt / daß ich nicht förchte / sie werde mit meinen Hahren verschimmeln. Da ich weder ein gebohrner Schlesier / noch auß Meißßen bün / habe ich in ihrer Orthographia nichts substituirt / alß meinen natürlichen Verstand. Suum cuique Pulchrum; zu Teutsch / jeglicher Hahn vermeynt / er lege die bäste Eyer.“

Dienstag, 25. November 2008

militaria



Schlacht von Montgisard gefunden hier

Wo ich gerade lese, daß Gerhard Tersteegen am 25. November 1697 geboren wurde, heute überwiegend wohl nur noch bekannt als Verfasser geistlicher Lieder, stieß ich darauf, daß auch „Ich bete an die Macht der Liebe“ von ihm herstammt - der Text findet sich hier - ob dieser zu den bedeutenderen religiösen Dichtungen gehört, darin mag man geteilter Meinung sein (es gibt aber auch Liedtexte von unbestreitbarer Qualität von ihm), aber bemerkenswert wird er schon allein dadurch, dass er Bestandteil des „Große Zapfenstreichs“ ist, eines der wenigen Rituale, zu denen dieses Land sich noch durchzuringen vermag.

Und dann gab es am 25. November 1177 auch den glorreichen Sieg der Christen in der Schlacht von Montgisard, auf den sich das obige Bild bezieht.

Sonntag, 23. November 2008