Donnerstag, 1. Januar 2015

Neujahr & (anderes)

Montaignes Turm

Während ich einen geborstenen kleinen Alabasterleuchter (äußerlich) zu reparieren versuche (die Kerze war bis zum Grund heruntergebrannt und Alabaster ist eigentlich denkbar ungeeignet für Kerzenleuchter; aber das war noch nie ein hinreichend ausschließendes Argument dafür, gewisse Dinge auszulassen, insbesondere, wenn sie nett aussehen), ärgert mich mein Gedächtnis mit Worten wie:

Wir ordnens. Es zerfällt. 
Wir ordnens wieder und zerfallen selbst. 

Literatur kann mitunter recht anstrengend sein, insbesondere, wenn man den Autor vielleicht zu oft gelesen hat.

Nicht anstrengend war eine angenehme Plauderei über Montaigne, die ich erst nicht erwerben wollte, weil sie ein Bestseller war, in Frankreich (Antoine Compagnon: "Ein Sommer mit Montaigne"). Aber es ist ganz wunderbar zu lesen (und das bei einem solch ehrfurchtgebietenden Autor):

„Wenn sich ein einzelner Teil lockert, kann man ihn abstützen; man kann sich der Verderbnis und dem Verfall, denen alle Dinge von Natur aus unterliegen, so entgegenstemmen, daß wir wir nicht zu weit von unsren Anfängen und Grundlagen weggetragen werden. Jene Leute jedoch...: Einzelne Fehler wollen sie durch einen allgemeinen Umsturz bereinigen und die Krankheiten heilen durch den Tod.“

Obige Übersetzung, der man in der deutschen Ausgabe besagten Buches durchgehend folgt, entstammt übrigens diesem Trum, das ich leider nicht als Taschenbuch erworben habe (so wird der Autor jedes Mal auch zur physischen Herausforderung, wenn ich ihn nicht auszugsweise lesen will).

Über Montaignes Klar- und Weitsichtigkeit muß man nach einem solchen Urteil kaum Worte verlieren. Aber vielleicht wäre noch dem Herrn Compagnon die Anerkennung dafür zu zollen, wie es ihm gelingt, mit wenigen Strichen den biographischen Ort seiner Zitate zu skizzieren, so daß sie nacherlebbar werden, hier etwa der konfessionelle Bürgerkrieg zu Montaignes Lebzeiten.

Ein anderes Zitat, das am Ende überraschend zum Derben hin abfällt (ich bitte schon jetzt um Entschuldigung, aber der Autor ist immerhin zurecht seit Jahrhunderten ziemlich beliebt):

"Wir suchen andere Lebensformen, weil wir die unsre nicht zu nutzen verstehn; wir wollen über uns hinaus, weil wir nicht erkennen, was in uns ist. Doch wir mögen auf noch so hohe Stelzen steigen - auch auf ihnen müssen wir mit unsren Beinen gehn; und selbst auf dem höchsten Thron der Welt sitzen wir nur auf unserm Arsch."

Besagter Kommentator meint, dies sei eine Absage, dem Leben, in das man halt hineingestoßen sei, wie auch immer entfliehen zu wollen, und eine Ermutigung, es anzunehmen, so, wie es nun einmal sei. Hm, dazu fiele sogar mir mancherlei ein, aber das lassen wir für diesmal besser beiseite.

Es gab eine Verwicklung von Gründen, warum mein erster Beitrag dieses Jahr so spät erfolgt. Hauptsächlich widerstrebte es mir geradezu körperlich, wieder nur über's Essen zu schreiben, aber die anderen Sachen, an denen ich so saß, waren auch nicht unbedingt blogkompatibel; jedenfalls nicht als Start ins neue Jahr.


Verlieren wir dennoch ein paar Worte über die nachfolgenden Bilder. Was man dort sieht, ist vor allem eine Gemüsesuppe, mit einer kräftigen Wursteinlage, ziemlich viel Kräutern, aufgehobenen Fonds, die verwendet wurden. Also ich fand die Idee gelungen. Ich brauchte die Kartoffeln dazu nicht, aber jeder lebt halt in seinem eigenen Himmelreich (oder dem Gegenteil davon).





Damit wäre die kulinarische Seite erschöpfend behandelt. Ich habe tatsächlich länger überlegt, wohin man einen solchen Beitrag „dahinreisen“ lassen sollte (man überhebt sich so schnell dabei; aber das oben war wirklich aktuelle Lektüre, also ganz ungestellt). Hoffen wir einfach, daß das Jahr, wenn sie denn schon sein müssen, von noch glücklicheren Schiffbrüchen geprägt sein wird, als in nachfolgendem Kinderbuch beschrieben (das ich immer noch sehr mag, obwohl es mehr als hundertjährig angestaubt erscheint). 



nachgetragen am 8. Januar

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Silvester &

 

Ist etwas Mitteilenswertes zu berichten? Eigentlich nicht. Ich kann nicht nur keine Aufnahmen von Feuerwerken (das wußte ich schon); auch die Idee, selbst eines zu machen, das man dann photographieren könnte, funktioniert nicht. Man ist viel zu sehr damit beschäftigt, sich nicht die Finger oder Schlimmeres zu verbrennen, die Dinger überhaupt zum Abfeuern zu bekommen, möglichst nicht das Haus anzuzünden etc., als daß dabei ein Bild herauskommen könnte, das vorzeigbar wäre.

Ich bin zu Silvester ja von jeher eher introspektiv, 2 oder 3 Mal habe ich mich vielleicht dazu hinreißen lassen, mich einer Feierhorde anzuschließen, um mich anschließend wie unter Marsianern zu fühlen (wenn es sie denn gäbe), also sehr weit weg.

Und falls es interessiert, der Feiertags-Koch-Parcours nähert sich glücklicherweise seinem Ende. Diesmal hatten wir Lachs in Kochsahne (mit ziemlich viel Kräutern, hauptsächlich Dill). Dazu Pfannengemüse und Tomate mit Mozzarella als Salat.

Frau Wisser war zu meiner Verblüffung darüber offenkundig zufrieden, was mich freute, denn angesichts der allgemeinen Knallerei, die mindestens mittags begann, war sie sichtlich völlig darauf vorbereitet, jederzeit zu hören: „Die Russen sind da, rette sich, wer kann!“. Das ist jetzt nicht ganz so ironisch gemeint, wie es sich liest (aber ein wenig schon). Das Geschehene schleppt sich halt über die Generationen fort und krallt sich darin fest, aber brechen wir besser ab...



Der Mond in den Ästen - dafür hat es sich denn doch gelohnt, die Kamera mit hinaus zunehmen. Das Photo gibt einen Eindruck, aber die Stimmung war tatsächlich die eines numinosen Unentschieden, wenn ich so sagen darf, jedenfalls durchaus interessant.

All meinen Besuchern ein 


Erfreuliches und gesegnetes Neues Jahr 2015



kind of „translated“

Is there to report something valuable? I doubt it. Not only I'm not able to shoot fireworks (which I knew); the idea of making one myself, which could then be photographed, doesn't work. You are far too busy not burn your fingers or worse, to get those things at all to fire, to prevent eventually to set the house on fire etc., all this prevented on the other hand a presentable picture.

On New Years Eve I'm usually rather introspective, 2 or 3 times I followed perhaps the temptation to join a bunch of party-addicted people, to feel then as under Martians (if there were any in reality), so very far away.

And if someone wants to know: Fortunately the Holiday cooking race nearly ends. This time we've had salmon (in cooking cream with quite a lot of herbs, mainly dill). Then pan-fried vegetables and tomatoes with mozzarella as a salad.

To my amazement Mrs. Wisser was obviously satisfied about all, and this made me glad because given the general noise that began at least noon, she was obviously fully prepared to hear every time: "The Russians are here, save yourself if you can!". Now this is meant not as ironic as it reads (but a bit I admit). So what happened, attaches itself to generations as a burden, but we better have a break ...

The moon in the branches - this has been worthwhile, to take the camera out for. The photo gives an impression, but the mood was actually a numinous draw, if I may say so, at any rate quite interesting.

To all my visitors:

A Pleasant and Happy New Year 2015

Montag, 29. Dezember 2014

Sonntag & (nur kurz)






Das, worauf man hier sieht, ist der Zierker See. Genauer gesagt, erfolgt der Blick von einem der umgebauten Hafenspeicher auf denselben, und offenkundig geht gerade die Sonne unter. Und das ist der schlichte Grund, warum ein Essensbericht faktisch ausfallen muß. Mittags blieb die Küche kalt und nein, wir gingen nicht in den Wienerwald, sondern waren ebendort nachmittags eingeladen. Ein netter Ausblick, den ich nicht vorenthalten wollte.

Das heißt, am Abend gab es dann doch noch etwas. Wie man sich vielleicht erinnert, hatten wir den Sonntag zuvor Medaillons von Rinder- und Schweinefilet mit einer recht netten Sauce. Davon schlummerte im Kühlschrank noch hinreichend viel in einer Terrine. Auf den nachfolgenden Bildern erkennt man schnell, welcher Geistesblitz mich traf – ich habe alles in Blätterteig gepackt und gebacken. Ich muß sagen, das war keine ganz dumme Idee. Dazu Pfannengemüse.

Das ist jetzt wahrlich nicht ganz aufregend, aber ich will doch wenigstens ein wenig versuchen, hier eine gewisse Ordnung aufrechtzuerhalten, und sei es die der (nachgetragenen) Essensberichte.


nachgetragen am 29. Dezember

Montags - Schnee










Freitag, 26. Dezember 2014

Weihnachten &


Drinnen die güldene Hl. Familie auf Purpur gebettet und draußen frieren die Mülltonnen. Daran könnte man jetzt feinsinnige Überlegungen anknüpfen oder sich schlicht nur ärgern, daß man beim Photographieren mal wieder nicht auf den Hintergrund geachtet hat und der die ganze Komposition konterkariert (üblicherweise ist das gern mal eine offenstehende Tür zur Besenkammer u.ä.).  Wir lassen beides sein und präsentieren den diesjährigen Weihnachtsbaum. Er ist etwas kleiner geraten im Vergleich zum Vorjahr, da er vor das Fenster passen sollte. Er ist trotzdem ganz nett, man kann halt nur deutlich weniger dranhängen, allerdings war mir dieses Weihnachten in keinster Weise nach Lametta zumute, keine Ahnung, warum.




Kurz zu den Essensbildern. Auf dem ersten sieht man jemanden, nicht mich, seine Geschenke mustern und sich bei einer Tasse Grog vom Kirchgang erholen, während die Vorfreude auf die „Heiden von Kummerow“ wächst, die zum gefühlt 300. Mal gleich auf dem Bildschirm auftauchen werden. Ansonsten erkennt man leicht den Kartoffelsalat mit den Wiener Würstchen.


Auf den nachfolgenden Aufnahmen dann der Krustenbraten vom 1. Weihnachtsfeiertag, der nicht übel ausfiel, der Braten (geschmort auf Zwiebeln mit Thymian und Rosmarin). Beim Rosenkohl stellte ich während des ersten Probierens fest, daß er mehr nach einer Laubsägearbeit schmeckte, also leicht hölzern. Aber wozu hat man diverse Fonds u.ä. im Kühlschrank tiefgefroren. Ein paar Eßlöffel erhitztes Entenschmalz drehten die Sache dann noch ins Positive.




Das nächste Gericht wartet schon (das ist das Anstrengende an dieser Zeit des Jahres). Daher fassen wir uns jetzt kurz. Zur optischen, akustischen  und geistlichen Erbauung folgen noch 2 Musikstücke von Loreena McKennitt und ich wünsche am 2. Weihnachtsfeiertag allen die hier vorbeischauen

Gesegnete und angenehm zu verbringende Weihnachten



Loreena Mckennit - "Emmanuel"


Loreena Mckennit - "Dark Night of the Soul"

Sonntag, 21. Dezember 2014

4. Advent &




Von den Einleitungsbildern her gesehen, fängt dieser Essensbericht zwar sehr behäbig an, er wird aber dann um so kürzer ausfallen, wie man gleich bemerken darf. Was man dort erkennen kann, sind Medaillons von Rinder- und Schweinefilet, die gerade in Butterschmalz angebraten wurden, gemeinsam mit Rosmarin, um dann auf angerösteten Zwiebeln mit Thymian und einem Rinderfond im Ofen abgedeckt weiter vor sich hin zu garen.

Da man auf den anschließend verfertigten Aufnahmen aus dem Wohnzimmer nicht wirklich viel erkennen konnte, muß das eine als Beweis (wofür auch immer) herhalten. Bei der leicht violetten Masse im Hintergrund handelt es sich um Apfelrotkohl, wie wenig überraschen wird. Die Sauce wurde früh gelobt, das war ganz gut so (daß es früh geschah), denn ich selbst habe am Mittags-, der eher ein Nachmittagstisch war, wenig mehr als 10 Minuten zugebracht, und das nicht, weil alles so furchtbar ausgefallen wäre (ganz im Gegenteil).


Das kam nämlich so: Wir hatten gerade begonnen, da klingelte es an der Tür und eine gute Bekannte überraschte mich mit der aufgeregten Frage, warum ich denn nicht eben bei der Veranstaltung im Hotel Schloßgarten gewesen wäre. Nach ihrem Kurzbericht fragte ich mich das auch. Sagen wir soviel, es handelte sich um den jüngeren Teil der herzoglichen Familie derer zu Mecklenburg, die ich immerhin teilweise schon bei mir zu Gast hatte, der sich dort komplett vorgestellt hatte.

Meiner Bekannten war ich natürlich dankbar, und vor die Entscheidung gestellt, mich in den Schmollwinkel zurückzuziehen oder kurzentschlossen doch noch dorthin zu eilen (ca. 100 Meter entfernt), entschied ich mich für ein kurzes Mahl und entschwand. Zum Glück. Denn ich traf die Betreffenden noch an, und irgendwie hat sich dann das Mißverständnis auch aufgelöst, schade war es trotzdem, sehr sogar.

Ohne mich darüber weiter auszulassen, will ich einen Teil der Erklärung nachliefern, warum sich alles derart verzögerte. Die nachfolgenden Figuren sind vor allem Schuld. Ich war zum Gottesdienst im Borwinheim und hatte meine Kamera nicht dabei, ärgerlicherweise. Denn dort war dieses beeindruckende Weihnachtspanorama aufgestellt. das denselben Nachmittag wieder abgebaut werden sollte (es stammt aus Privatbesitz*). Also eilte ich nach Hause und wieder zurück und hatte das Glück, noch einige Aufnahmen machen zu können. Das Licht war hm, aber manche Bilder wurden so leidlich, so daß ich sie hier jetzt bringen kann.


Wir beginnen links mit Elephanten und Kamelen, die die Magier begleiten.


Hier sind sie schon, die Magier.


Diese tiefsinnig gemeinten Figuren sollen die "Mühseligen und Beladenen" darstellen, der eine gefesselt, der andere blind... Die sind jedenfalls auch auf dem Weg zur Krippe.


Mit diesem Blick haben wir dann das ganze Geschehen.




Und da ist der Stall, der mehr eine Grotte zu sein scheint, und das Christuskind. Und die Hl. Jungfrau, Josef, Esel & Rind etc. etc.


Hier schließlich werden wir der Verkündigung an die Hirten angesichtig, und der ganz unterschiedlichen Reaktionen der Augenzeugen.



Dieser jedenfalls schläft unbeeindruckt weiter.


Aus der rückwärtigen Perspektive wirkt er ein wenig wie ein Straßenprediger, der Engel, oder Ärgeres. Aber er hat doch ein rechtes Engelsgesicht, wie man gleich sehen wird. Die Flügel müssen nicht sein. Das stimmt schon. Wozu brauchen die Boten Gottes schließlich Flügel? Es sind ja keine Vögel oder Flugechsen o.ä.

Und ohne weitere bemüht unterhaltsame Bemerkungen wollen wir damit schließen, nämlich mit dem, was er ihnen gerade verkündet, den Hirten, der Engel:


Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.
Lukas 2, 8-14


*Aus gegebenem Anlaß ein paar wenige genauere Angaben zu den Krippenfiguren:

Zunächst, sie stammen von der 1911 geborenen (und im Jahr 2000 verstorbenen) Künstlerin Hildegard Merker, die ihr Kunststudium zwar nach der Heirat aufgab, aber dennoch weiterhin vor allem als Keramikgestalterin kreativ tätig blieb. Eines ihrer Haupt-Sujets war offenbar die Gestaltung von Krippen, wobei die oben sichtbare wohl die umfänglichste sein soll. Die Arbeit an den Krippenfiguren sei für sie eine Art Gebet gewesen, durch das sie nach den Erlebnissen der Kriegs- und Nachkriegszeit neuen Zugang zu Gott gefunden habe, zitiert die Mecklenburgisch-Pommersche Kirchenzeitung vom 14. Dezember 2014 ihren Sohn Gottfried Merker aus Alt-Strelitz, in dessen Besitz sich die Krippe nunmehr befindet. 
nachgetragen am 23. Dezember