Samstag, 8. Dezember 2012

Winter &


Das Eigentümliche am Winter ist, daß man ihn, obwohl man es doch längst besser wissen sollte, zuerst für ein Versehen hält, etwas Unnatürliches, das über all das noch durchaus Lebendige hineinbricht und das vermutlich wie ein schlechter Traum schnell wieder vorübergehen sollte. Aber nein, er bleibt und gräbt seine eisigen Krallen in Land und Landschaft. Hölderlin hat wohlwollender vom Winter geschrieben, es sind einige Gedichte dazu aus der Zeit seiner „geistigen Umnachtung“ überliefert, etwa dieses:

Friedrich Hölderlin

Winter 

Wenn sich das Laub auf Ebnen weit verloren,
So fällt das Weiß herunter auf die Thale,
Doch glänzend ist der Tag vom hohen Sonnenstrale,
Es glänzt das Fest den Städten aus den Thoren.

Es ist die Ruhe der Natur, des Feldes Schweigen
Ist wie des Menschen Geistigkeit, und höher zeigen
Die Unterschiede sich, daß sich zu hohem Bilde
Sich zeiget die Natur, statt mit des Frühlings Milde.



Und dann habe ich das nachfolgende Wintergedicht früher schon einmal gebracht. Prof. Aue hat es ins Englische übertragen, und beschämt erinnerte ich mich wieder, daß er mir diese Übersetzung unverdient zugeeignet hatte. Seine tiefgründigen Kommentare zu Hölderlin findet man hier und das Gedicht folgt umgehend. Ach, die Bilder übrigens sind vom ersten dieses Monats, inzwischen hat die Überraschung schon leicht nachgelassen.



Friedrich Hölderlin

Der Winter 

Wenn ungesehn und nun vorüber sind die Bilder
Der Jahreszeit, so kommt des Winters Dauer,
Das Feld ist leer, die Ansicht scheinet milder,
Und Stürme wehn umher und Regenschauer.

Als wie ein Ruhetag, so ist des Jahres Ende
Wie einer Frage Ton, daß dieser sich vollende,
Alsdann erscheint des Frühlings neues Werden,
So glänzet die Natur mit ihrer Pracht auf Erden.

Winter 

When vanished and no longer seen are illustrations
of season, then arrive the winter hours:
the field is empty, mild seem its ablations
and storms blow to and fro with rains and showers.

As if a day for rest, so is this year's cessation
just like a questioning chord requesting consecration:
then Spring's becoming enters the creation
and Nature shines on Earth in glorious elation.

Übersetzung / Translation


Kommentare:

Jason hat gesagt…

Wonderful picture and words of feeling greet my eyes in this post of beauty. The real beauty of the winter wonderland.

MartininBroda hat gesagt…

I'm glad my poor pictures, with the help of Hölderlin and Prof. Aue, were able to enlighten a few moments of your life, dear friend!