Montag, 20. April 2015

Misanthropisches I

Molière, "Le Misanthrope"

Garstig Unterhaltendes oder was mir sonst noch die darauf folgende Woche so durch den Kopf schoß, vel "Misanthropisches": Ich dachte einfach, ich würfel einmal zusammen, was an Gedankenfetzen so in mir herumspukte, vielleicht wird eine Rubrik daraus, vermutlich aber eher nicht:

Was ich heute Nachmittag als Gottesdienst hörte, war von der musikalischen Seite her eine Melange aus Richard Clayderman, Taizé und Jesus Christ Superstar und noch etwas Viertem, dessen Herkunft ich gerade suche. Und das war die bessere Seite. Von der Predigt schweigen wir.

Jetzt weiß ich endlich, warum man diese Haarpracht „Donnerwelle“ nennt, denn gewissermaßen schlägt erst der Blitz ein, und danach erfreut sich frau des Volumens, das ihrem Kopf gerade zugewachsen ist.

Wenn (manche) "Weibspersonen" bei etwas „erwischt“ werden, machen sie Ausflüchte, sind verletzt, beleidigt, erheben Gegenvorwürfe, fangen an zu weinen oder lenken anders ab; die Sache selbst ist gleichgültig. Es ist einfach ihre Natur, daher bleibt alles Reden sinnlos.

Wo unser Herr und Heiland und Preußens Friedrich II. sich an der Wand gegenüber hängen, denke ich, sie sehen beide recht leidend aus, gut bei unserem Herrn gehört das sozusagen dazu, aber bei F. II überrascht es irgendwie, warum eigentlich?

Wer auf Wahrheit pocht, sollte zumindest wahrnehmen, wenn es hohl klingt.

Was den linken oder sonstigen Spießer gegen authentische Kunst einnimmt, ist das „Mehr“, ihr „Transzendenz-Plus“, das ihn auf sich selbst zurückwerfen würde, nähme er sie ernst.

Kultur entsteht durch die Einsicht, daß Unterschiede eine Bedeutung haben. Distinktionsfähigkeit ist das Lebensmerkmal einer Gesellschaft, die den Unterschied für wesentlich hält. Wie alles Menschliche ist auch er zwiespältig, diesen Zwiespalt aber nivellieren zu wollen, greift das Menschliche in seinem Wesenskern an. Denn das Humane ist immer von einer gewissen Qualität.

Der Behauptung einer verifizierbaren Tatsache, jemand sei etwa mathematisch unmusikalisch, wird heute gern reflexhaft entgegengehalten, damit habe der Behauptende gerade etwas besonders Böses und Menschenverachtendes gesagt. Da erscheint dann auch ein Obdachloser „anders gepflegt“. Beobachtungen werden mit einer eigens kreierten Moral abgewehrt. Derlei Leute mögen keine Fakten und finden sie im Zweifel  - vor allem unmoralisch.

Wer als Historiker Partei ergreift, hat seinen Gegenstand bereits verraten.

Wenn man nur Zahlen in die Waagschale werfen müßte: Die Menge der Priester, Nonnen, Bischöfe oder einfachen Gläubigen, die seit der sog. Französischen Revolution erschlagen, erschossen, verbrannt oder sonstwie zu Tode gebracht wurden, im Namen einer der nachfolgenden atheistischen Groß-Ideologien,  hat offenkundig bereits während des erstgenannten zivilisatorischen Groß-Ereignisses die tatsächliche Zahl der Opfer sagen wir der Spanischen Inquisition (weil da die Quellenlage am besten ist) sehr schnell übertroffen, dies wäre dann ein Argument, wenn man auf eines setzen könnte - nüchterne numerische Vernunft.

Bei Mißdeutungen auf Mißverständnisse zu setzen, setzt den guten Willen des anderen voraus, wie käme man dazu?

Aus „Lustige Verleser“: „Ertränken, leicht gemacht.“

nachgetragen am 27. April

Kommentare:

DirkNB hat gesagt…

War es nicht auch Friedrich der II., dem man das Bonmot unterstellt: " Es heißt, dass wir Könige auf Erden die Ebenbilder Gottes seien. Ich habe mich daraufhin im Spiegel betrachtet. Sehr schmeichelhaft für den lieben Gott ist das nicht."

Der gesammelte Zitateschatz liefert liefert auch noch einen anderen Gedanken, der kommt von Georg Christoph Lichtenberg: "Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Das heißt vermutlich: Der Mensch schuf Gott nach dem seinigen."

Oder, wie hatte Diderot doch einmal gesagt: "Wenn es keinen Gott gäbe, man müsste ihn erfinden." und Voltaire antwortete: "Was man ja dann auch tat."

Friedrich II.s Aussehen wird das alles auch nicht wirklich schlüssig erklären.

Am Ende eines Buches, das ich vor längerer Zeit mal las, fand ich einen Gedanken, der sich im Buch auf die Erziehung bezog, der aber genauso gut verallgemeinert werden kann: Bei allem, was man tut, kommt es nicht darauf an, das richtige zu tun, solange man das menschliche tut.

MartininBroda hat gesagt…

Da will ich doch mit einem leicht abgewandelten Zitat antworten: „Wahrheit ohne Menschlichkeit ist Fanatismus, Menschlichkeit ohne Wahrheit ist Sentimentalität (oder Schwärmerei)“.

Ja, ja, die lieben Aufklärer, ihr Erstexperiment, soweit sie es noch erleben durften, ist ihnen dann zumeist weniger bekommen. „In dem freien Frankreich, wo man jetzt aufknüpfen lassen kann, wen man will.“ Auch von Lichtenberg. Nein, auf Religiöses hat er doch recht herablassend geblickt, aber das war damals halt die Mode: „Alles Schließen auf einen Urheber der Welt ist immer Anthropomorphismus.“ etc. etc. Immerhin: „Ich weiß von guter Hand, daß seit der Revolution der religiöse Skeptizismus gar nicht mehr unter den Menschen von Rang und Familie stattfinden soll, worin er ehmals herrschte. Man hat beten gelernt; viele Damen, die sonst nichts davon wissen wollten, sind nun ganz pour la religion de nos pères. (Manche Leute beten nicht eher, als bis es donnert).“

Aber immerhin war er (meist) witzig: „Der Mann macht sehr viel Wind. B. O nein! wenn es noch Wind gewesen wäre, es war aber mehr ein wehendes Vakuum.“

DirkNB hat gesagt…

Das Bild des wehenden Vakuums fasziniert mich doch ein wenig, zum einen von der literarischen Qualität, zum anderen aus der Sicht eines Menschen, der sich u. a. mal etwas ausführlicher mit der Physik als solcher befasst hat.
Aber gerade diese beiden Winkel machen es aus, dem Bild seine Qualität in der Beschreibung von (nicht nur, aber auch) Politikeräußerungen anzuerkennen, inkl. seiner wahren, wirklichen Bedeutung.
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Jaja, die französischen Revolutionäre. War es nicht auch der Vorreiter der Aufstellung der Guillotine, der letztendlich auf selbiger endigte? Mir ist doch so.

MartininBroda hat gesagt…

Herr L. ist mitunter ganz unterhaltsam, wie ich schon sagte; ich sollte vielleicht wieder einmal ein Florilegium machen.

Ansonsten ist das immer so. "Die Revolution frißt ihre Kinder...", von den Helden der großen sozialistischen Oktoberrevolution hat kaum einer das Jahr 1938 überlebt.

Wobei übrigens der "Erfinder" besagten Hinrichtungsgeräts eher humane Absichten hatte.