Daß ein Komiker des 19. Jahrhunderts, Friedrich Beckmann, am 7. September 1866 starb, wäre vielleicht nicht unbedingt heute noch erwähnenswert. Aber dann wurde ich darüber stutzig, daß er einer der Erfinder der literarischen Figur des Eckenstehers „Nante“ ist, für die der Berliner „Dienstmann“ Ferdinand Strumpf das Vorbild abgab. Nun gibt es diese Dienstmänner zwar lange nicht mehr (eine Art Gelegenheitsgehilfe für Botengänge, Trägerdienste u.dgl.), aber die Figur ist dauerhaft in das Berliner Gedächtnis-Milieu eingegangen. Allein das subversive Sich-dumm-stellen oder den Gerichtsschreiber oder Actuarius als „Herr Criminell“ zu titulieren, das ist schon unterhaltsam. Nachstehend also ein paar Auszüge aus „Eckensteher Nante im Verhör“ (das Ganze könnte man etwa hier nachlesen):
Actuar. Also Nante ist sein Vorname?
Nante. Ja, Herr Criminell, aber egentlich schwebt darüber noch een gewisses Duster, denn ick bin nicht ganz fest überzogen, ob ick Jottlieb, oder aber ooch, ob ich vielleicht Nante heeßen duhn duhe.
Actuar. Na, das wird er doch wissen?
Nante. Ne, Herr Criminell, ick kann darüber keene Wissenschaft besitzen, denn ick bin egentlich ein geborner Zwilling; wir Strümpfe sind alle paarweise uf die Welt gekommen. Als wir bede nu gedoft wurden, wurde der eene Jotlieb un der andere Nante genannt; an diesen selbstigen Dage war es aber sehr kalt, ich globe, wir hatten zwischen 28 bis 29 Zoll Frost. Beim zu Hause dragen verfror Eener von uns; nun bin ick nich recht sicher, bin ick der, der verfrur, oder bin ick vielleicht mein Bruder.
Actuar. Das gehört nicht hierher.
Nante. Na, denn duhn Se et wo anders hin.
Actuar. Schweig er - Geboren?
Nante. (schweigt und spielt mit seinem Hut)
Actuar. Nun! - Geboren?
Nante. Als wie ick?
Actuar. Ja.
Nante. Herr Criminell haben ja gesagt daß ick schweigen soll.
Actuar. Dummkopf, jetzt soll er sprechen - Geboren?
Nante. Ja , ick schmeichle mir mit meinen Dasein.
Actuar. Aber wo? wo ist er geboren?
Nante. Im Bullenwinkel.
Actuar. (ärgerlich) O Geduld!
Nante. Ne Herr Criminell, nich in de Geduld, wenn Sie globen det ick in de Geduld geboren bin, denn sind Sie schief gewickelt. In Bullenwinkel im Hinterhause 3 Treppen hoch, vorne heraus, früher wars 'ne Kellerwohnung, jetzt steht ein Nußknacker, wollt ick sagen een Nußbohm vor de Dühre. (wiederholend dicktirend) Vor - de -Dühr.
Actuar. Hat er Eltern?
Nante. Ja, Herr Criminell, zwee Stück, eenen Vater und eene Mutter; die Mutter von mütterlicher Seite, hat sich vor Kurzen zu Tode gestorben, der Vater hat aber bis an sein Ende gelebt...
Actuar. (halblaut) Esel!
Nante. Ne so weit hat er es nicht gebracht, er is man bis uf den Hund gekommen, das heeßt zum Ziehen. Wenn mein Vater außer mir noch en Esel gehabt hädde, so wär er en reiches Mitglied von der menschliche Gesellschaft jeworden, denn er hatte viel Talent zum Geldausgeben.
Actuar. Was ist er?
Nante. Alles, am liebsten aber Stinte mit Essig und Sirop.
Actuar. Kerl ist er toll, ich frage was er treibt, was er gelernt hat, was für ein Handwerk oder dergleichen.
Nante. Ach so, französisch habe ick mal lernen sollen, aber ick habe enen Bruder der bläßt Flöte, drum is ooch egentlich unser janzes Vermögen flöten gegangen. Denn habe ick gedient, 13 und 14 war ick 24pfündiger Attillerist vor's Vaterland bei det schwere Getränk angestellt; denn kriegt ick meinen Abschied, wat der Franzose Adje nennt; denn war ick ene janze Weile jar nischt; denn studirt ick Nachtwächter, und jetzt stehe ick Ecke. Nu habe ick mir noch eene Karre angeschafft, un dadurch eene Karriere gebildet. Actuar. Ledig?
Nante. Ja.
Actuar. (der schnell fortfährt) Oder verheirathet?
Nante. Ja.
Actuar. Was schwatzt er da für dummes Zeug, beides kann er doch nicht sein? -
Nante. O ja Herr Criminell, die Sache verhält sich sich so, wie Sie mir gefragt haben, erst ledig gewesen, un nu verheirathet noch sind. Jetzt habe ick 'ne Frau, ick bin mit ihr 6 1/2 Jahre verheirathet, wenn wir noch 1/2 Jahr beisammen bleiben, können wir den 7jährigen Krieg miteinander feiern...
Caspar David Friedrich wurde am 5. September 1774 geboren, aber der Montag war schon so unglücklich vollgestopft. Und dann hoffte ich, mit würde noch etwas Mitteilenswertes zu ihm einfallen, tat es aber nicht. Immerhin stieß mich der Blogger Jay mit seinem Beitrag über „La clemenza di Tito“ auf diese Arie von Hasse:
Aber unter dem heutigen Datum wurde auch 1686 Jean-Baptiste Lullys „Acis et Galatée“ uraufgeführt, es mag überraschen, aber ich mag ihn wirklich, seine federnde Leichtigkeit etwa, und natürlich die Eleganz, was sonst.
Und damit wir uns nicht völlig im Angenehmen verlieren, ich meine natürlich die Variante, die uns unangetastet läßt; und da der Kontrast gemeinhin erfreut, an einem 6. September (1998) ist auch noch ein grandioser Filmemacher gestorben - Akira Kurosawa, das nachfolgende Stück gibt einen Geschmack davon, wie verwirrend der Dschungel des Moralischen sein kann, mitunter.
Ehemaliges Komödienhaus in Biberach, 1762 wurde hier erstmals ein Shakespeare-Stück in Deutsch aufgeführt, „Der Sturm“ übersetzt von Christoph Martin Wieland
„Ich kann mich gerade noch erinnern, daß mir dieser Name ‚Kaiser von Trapezunt‘ zum ersten Mal in einem Märchen begegnet sein muß. Inzwischen denke ich, daß ich es bei Christoph Martin Wieland in seinem ‚Hexameron von Rosenhain‘ im Märchen ‚Narcissus und Narcissa‘ gefunden haben könnte, aber wie gesagt, die Erinnerung ist sehr schwach, allerdings, wenn uns Namen früh begegnen und sich ihre Bedeutung nicht scharf begrenzen läßt, erzeugen sie manchmal ein gewisses assoziationsverheißendes Eigenleben.
Abgesehen vom Märchenhaften steht aber ‚Trapezunt‘ auch für einen Teil unserer europäischen Seele, der weitgehend abgestorbenen ist. Der Untergang von Byzanz gehört zu den furchtbaren Mirakeln, die anzeigen, welcher Kosmos an Möglichkeiten gnadenlos zerstört werden kann, ohne daß das Nachfolgende auch nur ansatzweise dafür Genugtuung leisten könnte.“
Eigenzitate sind peinlich, ich weiß, aber gerade schaute ich, ob ich schon einmal etwas zu Christoph Martin Wieland geschrieben hätte, ich dachte, ich hätte, habe ich aber nicht wirklich und fand dabei das dort oben. Hm. Manchmal hat man lichte Momente. Er hat Shakespeare in Deutschland erstmals tatsächlich bekannt gemacht, ein wenig jedenfalls.
Goethe hat ihm diese Trauerrede gehalten, von der wir Auszüge bringen wollen und damit es keine reine Textwüste wird, bringen wir zwischendurch "Bist du bei mir" - eine wundervolle Arie von G.H. Stölzel, gefunden beim Blogger „Morgenländer“:
„Ob es gleich dem einzelnen unter keiner Bedingung geziemen will, alten ehrwürdigen Gebräuchen sich entgegenzustellen und das, was unsere weisen Vorfahren beliebt und angeordnet, eigenwillig zu verändern, so würde ich doch, stände mir der Zauberstab wirklich zu Gebote, den die Muse unserem abgeschiedenen Freunde geistig anvertraut, ich würde diese ganze düstere Umgebung augenblicklich in eine heitere verwandeln: dieses Finstere müßte sich gleich vor Ihren Augen erhellen, und ein festlich geschmückter Saal mit bunten Teppichen und munteren Kränzen, so froh und klar als das Leben unseres Freundes, sollte vor Ihnen erscheinen. Da möchten die Schöpfungen seiner blühenden Phantasie Ihre Augen, Ihren Geist anziehen, der Olymp mit seinen Göttern, eingeführt durch die Musen, geschmückt durch die Grazien, sollte zum lebendigen Zeugnis dienen, daß derjenige, der in so heiterer Umgebung gelebt und dieser Heiterkeit gemäß auch von uns geschieden, unter die glücklichsten Menschen zu zählen und keineswegs mit Klage, sondern mit Ausdruck der Freude und des Jubels zu bestatten sei…“
„Die Wirkungen Wielands auf das Publikum waren ununterbrochen und dauernd. Er hat sein Zeitalter sich zugebildet, dem Geschmack seiner Jahresgenossen sowie ihrem Urteil eine entschiedene Richtung gegeben, dergestalt, daß seine Verdienste schon genugsam erkannt, geschätzt, ja geschildert sind… Und woher kam die große Wirkung, welche er auf die Deutschen ausübte? Sie war eine Folge der Tüchtigkeit und der Offenheit seines Wesens. Mensch und Schriftsteller hatten sich in ihm ganz durchdrungen, er dichtete als ein Lebender und lebte dichtend. In Versen und Prosa verhehlte er niemals, was ihm augenblicklich zu Sinne, wie es ihm jedesmal zumute sei, und so schrieb er auch urteilend und urteilte schreibend. Aus der Fruchtbarkeit seines Geistes entquoll die Fruchtbarkeit seiner Feder… dieses gab seinen Produktionen das Zarte, Zierliche, Faßliche, das Natürlichelegante, welches nicht durch Bemühung, sondern durch heitere, geniale Aufmerksamkeit auf ein schon fertiges Werk hervorgebracht werden kann…“
„Wer kann dem Konflikt mit der Außenwelt entgehen? Auch unser Freund wird in diesen Streit hineingezogen; ungern läßt er sich durch Erfahrung und Leben widersprechen, und da ihm nach langem Sträuben nicht gelingen will, jene herrlichen Gestalten mit denen der gemeinen Welt, jenes hohe Wollen mit den Bedürfnissen des Tages zu vereinigen, entschließt er sich, das Wirkliche für das Notwendige gelten zu lassen, und erklärt das ihm bisher Wahrgeschienene für Phantasterei.“
„Aber auch hier zeigt sich die Eigentümlichkeit, die Energie seines Geistes bewundernswürdig… er verzehrt sich nicht in eitlen Klagen, … sondern er entschließt sich zur Gegenwirkung. Er kündigt allem, was sich in der Wirklichkeit nicht immer nachweisen läßt, den Krieg an, zuvörderst also der platonischen Liebe, sodann aller dogmatisierenden Philosophie, besonders den beiden Extremen, der stoischen und pythagoreischen. Unversöhnlich arbeitet er ferner dem religiösen Fanatismus und allem, was dem Verstande exzentrisch erscheint, entgegen.“
„Aber sogleich überfällt ihn die Sorge, er möge zu weit gehen, er möge selbst phantastisch handeln, und nun beginnt er zugleich einen Kampf gegen die gemeine Wirklichkeit. Er lehnt sich auf gegen alles, was wir unter dem Wort Philisterei zu begreifen gewohnt sind, gegen stockende Pedanterei, kleinstädtisches Wesen, kümmerliche äußere Sitte, beschränkte Kritik, falsche Sprödigkeit, platte Behaglichkeit, anmaßliche Würde, und wie diese Ungeister, deren Name Legion ist, nur alle zu bezeichnen sein mögen. Hierbei verfährt er durchaus genialisch, ohne Vorsatz und Selbstbewußtsein. Er findet sich in der Klemme zwischen dem Denkbaren und dem Wirklichen, und indem er beide zu gewältigen oder zu verbinden Mäßigung anraten muß, so muß er selbst an sich halten, und, indem er gerecht sein will, vielseitig werden.“
„… nur das, was man mit Heiterkeit ansehe, werde man recht sehen, war seine Meinung. Wer mit Heiterkeit in seinen eigenen Busen schauen könne, müsse ein guter Mann sein. Darauf komme alles an, und alles übrige Gute entspringe daher. Geist, Witz, Humor seien die echten Organe, womit ein solches Gemüt die Welt anfasse.“
„Shakespeare zu übersetzen, war in jenen Tagen ein kühner Gedanke, weil selbst gebildete Literatoren die Möglichkeit leugneten, daß ein solches Unternehmen gelingen könne. Wieland übersetzte mit Freiheit, erhaschte den Sinn seines Autors, ließ beiseite, was ihm nicht übertragbar schien, und so gab er seiner Nation einen allgemeinen Begriff von den herrlichsten Werken einer anderen, seinem Zeitalter die Einsicht in die hohe Bildung vergangener Jahrhunderte. Diese Übersetzung, so eine große Wirkung sie in Deutschland hervorbrachte, schien auf Wieland selbst wenig Einfluß gehabt zu haben. Er stand mit seinem Autor allzusehr in Widerstreit, wie man genugsam erkennt aus den übergangenen und ausgelassenen Stellen, mehr noch aus den hinzugefügten Noten, aus welchen die französische Sinnesart hervorblickt.“
„Andrerseits aber sind ihm die Griechen, in ihrer Mäßigung und Reinheit, höchst schätzbare Muster… Hier sind Philosophie und Weltgenuß durch eine kluge Begrenzung so heiter und wünschenswert verbunden, daß man sich als Mitlebender in einem so schönen Lande, in so guter Gesellschaft zu finden wünscht. Man tritt so gern mit diesen unterrichteten, wohldenkenden, gebildeten, frohen Menschen in Verbindung, ja man glaubt, solange man in Gedanken unter ihnen wandelt, auch wie sie gesinnt zu sein, wie sie zu denken.“
„… da unserm Freund niemals das Anschauen jener überbliebenen alten Meisterwerke gegönnt ward, so suchte er durch den Gedanken sich zu ihnen zu erheben, sie durch die Einbildungskraft zu vergegenwärtigen, dergestalt, daß man bewundern muß, wie der vorzügliche Geist sich auch von dem Entfernten einen Begriff zu machen weiß; ja es würde ihm vollkommen gelungen sein, hätte ihn nicht eben seine lobenswerte Behutsamkeit abgehalten, entschiedene Schritte zu tun: denn die Kunst überhaupt, besonders aber die der Alten, läßt sich ohne Enthusiasmus weder fassen noch begreifen. Wer nicht mit Erstaunen und Bewunderung anfangen will, der findet nicht den Zugang in das innere Heiligtum. Unser Freund aber war viel zu bedächtig, und wie hätte er auch in diesem einzigen Falle eine Ausnahme von seiner allgemeinen Lebensregel machen sollen? … War er jedoch mit den Griechen durch Geschmack nahe verwandt, so war er es mit den Römern noch mehr durch Gesinnung…“
„Es gibt zwei Übersetzungsmaximen: die eine verlangt, daß der Autor einer fremden Nation zu uns herübergebracht werde, dergestalt, daß wir ihn als den Unsrigen ansehen können; die andere hingegen macht an uns die Forderung, daß wir uns zu dem Fremden hinüberbegeben und uns in seine Zustände, seine Sprachweise, seine Eigenheiten finden sollen. Die Vorzüge von beiden sind durch musterhafte Beispiele allen gebildeten Menschen genugsam bekannt. Unser Freund, der auch hier den Mittelweg suchte, war beide zu verbinden bemüht; doch zog er als Mann von Gefühl und Geschmack in zweifelhaften Fällen die erste Maxime vor.“
„Niemand hat vielleicht so innig empfunden, welch verwickeltes Geschäft eine Übersetzung sei, als er. Wie tief war er überzeugt, daß nicht das Wort, sondern der Sinn belebe. Man betrachte, wie er in seinen Einleitungen uns erst in die Zeit zu versetzen und mit den Personen vertraut zu machen bemüht ist, wie er alsdann seinen Autor auf eine uns schon bekannte, unserem Sinn und Ohr verwandte Weise sprechen läßt, und zuletzt noch manche Einzelheit, welche dunkel bleiben, Zweifel erregen, anstößig werden könnte, in Noten auszulegen und zu beseitigen sucht. Durch diese dreifache Bemühung, sieht man recht wohl, hat er sich erst seines Gegenstandes bemächtigt, und so gibt er sich denn auch die redlichste Mühe, uns in den Fall zu setzen, daß seine Einsicht uns mitgeteilt werde, auf daß wir auch den Genuß mit ihm teilen.“
„… Und hier ist es der Ort, der für Deutschland so wichtigen Zeitschrift, des Teutschen Merkurs, zu gedenken… Auf das Publikum überhaupt war die Wirkung groß und bedeutend… sein Glück weckte Nachahmer; ähnliche Zeitschriften entstanden, die erst monatlich, dann wochen- und tageweise sich ins Publikum drängten und endlich jene babylonische Verwirrung hervorbrachten, von der wir Zeuge waren und sind, und die eigentlich daher entspringt, daß jedermann reden und niemand hören will.“
„Was den Wert und die Würde des Teutschen Merkurs viele Jahre hindurch erhielt, war die dem Herausgeber desselben angeborene Liberalität. Wieland war nicht zum Parteihaupt geschaffen; wer die Mäßigung als Hauptmaxime anerkennt, darf sich keiner Einseitigkeit schuldig machen. Was seinen regen Geist aufreizte, suchte er durch Menschenverstand und Geschmack bei sich selbst ins Gleiche zu bringen…“
„Gar viele Menschen sind noch jetzt an ihm irre, weil sie sich vorstellen, der Vielseitige müsse gleichgültig und der Bewegliche wankelmütig sein. Man bedenkt nicht, daß der Charakter sich nur durchaus aufs Praktische beziehe. Nur in dem, was der Mensch tut, zu tun fortfährt, worauf er beharrt, darin zeigt er Charakter, und in diesem Sinne hat es keinen festeren, sich selbst immer gleicheren Mann gegeben als Wieland. Wenn er sich der Mannigfaltigkeit seiner Empfindungen, der Beweglichkeit seiner Gedanken überließ, keinem einzelnen Eindruck Herrschaft über sich erlauben wollte, so zeigte er eben dadurch die Festigkeit und Sicherheit seines Sinnes. Der geistreiche Mann spielte gern mit seinen Meinungen, aber — ich kann alle Mitlebenden als Zeugen auffordern — niemals mit seinen Gesinnungen. Und so erwarb er sich viele Freunde und erhielt sie. Daß er irgend einen entschiedenen Feind gehabt, ist mir nicht bekannt geworden...“
„Wieland war ganz eigentlich für die größere Gesellschaft geboren … sein dichterisches sowie sein literarisches Streben war unmittelbar aufs Leben gerichtet, und wenn er auch nicht gerade immer einen praktischen Zweck suchte, ein praktisches Ziel hatte er doch immer nah oder fern vor Augen. Daher waren seine Gedanken beständig klar, sein Ausdruck deutlich, gemeinfaßlich, und da er, bei ausgebreiteten Kenntnissen, stets an dem Interesse des Tages festhielt, demselben folgte, sich geistreich damit beschäftigte, so war auch seine Unterhaltung durchaus mannigfaltig und belebend; wie ich denn auch nicht leicht jemand gekannt habe, welcher das, was von anderen Glückliches in die Mitte gebracht wurde, mit mehr Freudigkeit aufgenommen und mit mehr Lebendigkeit erwidert hätte.“
„Bei dieser Art zu denken, sich und andere zu unterhalten, bei der redlichen Absicht, auf sein Zeitalter zu wirken, verargt man ihm nun wohl nicht, daß er gegen die neueren philosophischen Schulen einen Widerwillen faßte…“
„So sehr auch jederzeit sein Blick auf das Irdische, auf die Erkenntnis, die Benutzung desselben gerichtet schien — des Außerweltlichen, des Übersinnlichen konnte er doch, als ein vorzüglich begabter Mann, keineswegs entbehren. Auch hier trat jener Konflikt, den wir oben umständlich zu schildern für Pflicht gehalten, merkwürdig hervor; denn indem er alles abzulehnen schien, was außer den Grenzen der allgemeinen Erkenntnisse liegt, außer dem Kreise dessen, was sich durch Erfahrung betätigen läßt, so konnte er sich doch niemals enthalten, gleichsam versuchsweise, über die so scharf gezogenen Linien wo nicht hinauszuschreiten, doch hinüberzublicken und sich eine außerweltliche Welt, einen Zustand, von dem uns alle angeborenen Seelenkräfte keine Kenntnis geben können, nach seiner Weise aufzuerbauen und darzustellen…“
(„Zu brüderlichem Andenken Wielands“, von Goethe vorgetragen am 18. Februar 1813)
Viel Aufwand für ein maßvolles Ergebnis, sozusagen. Es ist kurios, als ich kürzlich nach einem alten Eintrag suchte, es ging um ein bestimmtes Datum, fand ich verblüfft unter dem entsprechenden Datum von vor 3 Jahren, es war ein Sonntag, keinen Sonntags-Essens-Report. Gewohnheit nehmen gern den Anschein an, sie wären immer schon so gewesen und würden auch mindestens für die Ewigkeit anhalten, dabei wissen wir doch eigentlich, alles ist endlich, sehr sogar.
Falsches Rinderfilet sei besonders für Schmorrezepte geeignet, hatte ich gelesen. Also habe ich Mohrrüben, Sellerie, Porreé und Zwiebeln angeschmort und anschließend in viel Rotwein ertränkt (abgelöscht). Ach so, das Schulterfilet hatte ich ebenfalls scharf angebraten, danach alles für ca. 4 Stunden bei 150° C im Ofen gegart, mit etwas Thymian, Rosmarin und Oregano, Pfeffer und Salz natürlich auch, das Resultat - siehe den Satz oben. Nun ja, wenn man nichts versucht, kann man auch nichts entdecken. Es war eßbar, nur etwas langweilig, aber so paßte es wenigstens in den Tag.
Much effort for a moderate result, so to speak. It’s funny, when I recently was looking for an old post, it was about a specific date, I was puzzled because at this certain date three years ago, it was a Sunday, no Sunday dinner report. Wow! Habits like to take on the appearance they were always this way and would last for at least eternity, but we all know everything is finite, a lot. “False filet” (or sirloin steak, a piece of shoulder) is particularly suitable for stew recipes I read. So I braised carrots, celery, leeks and onions and then drowned them in red wine (deglazed it). Of course I also seared the shoulder filet, then everything for about 4 hours at 150°C cooked in the oven, with some thyme, rosemary and oregano, the inevitable pepper and salt as well, the result - look at my above sentence again. But well, if you don’t try something new, you can’t discover anything. It was edible, just a little boring, but at least it was perfectly fitting to the day this way.
In manchen Räumen überfällt einen das Gefühl, sie würden es immer noch sehr übel nehmen, keine Klosterkirche mehr zu sein. Bei der ehemaligen Stiftskirche der Prämonstratenser-Chorherren in Jerichow ist es so. Aber dennoch, die Steine erinnern an den schönen Geruch des Heiligen. Herr Roloff wird in wenigen Minuten an diesem Ort die nachfolgende Predigt (am 11. Sonntag nach Trinitatis) halten:
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
darin erweist sich der wahre Prophet, dass er mutig, unbeirrt und ohne die Folgen für sich selbst nur zu bedenken auch vor den Mächtigsten hintritt und die Wahrheit spricht - gerade, deutlich, klar.
Er tut das nämlich nicht für sich, sondern ein Prophet ist ein Gesandter Gottes. Der Herr sandte Nathan zu David.
Aber Nathan ist auch kein bloßer Krawallprophet, dem es nur darauf ankäme schlimmste Sünden aufzudecken und anzuprangern und den Sünder erbarmungslos bloßzustellen. Bloßstellung gebiert nämlich beim Bloßgestellten meistens keine Einsicht, sondern nur Hass.
Nathan will aber, und auch darin tut er den Willen seines Herrn, Einsicht erreichen. Darum prangert er nicht an, sondern er erzählt eine Geschichte, die im Gewande einer Denunziation daher kommt. Ein Armer mit seinem einzigen Schäflein wird von einem Reichen beraubt, der es nicht übers Herz bringt, vom eigenen zu nehmen, als ihn ein hoher Gast besucht.
David gerät in unbeherrschten Zorn und spricht das Urteil über den denunzierten Verbrecher in Form eines Eides! „So wahr der Herr lebt: der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat!“ David ist ein kluger Mann, der das Gesetz kennt. Er ist im Begriff ein großes Reich zu errichten. Unter seiner Herrschaft wird Israel seine weiteste Ausdehnung erreichen, und Jerusalem steigt auf zu einer bewunderten Metropole im Vorderen Orient. Damals wie heute konnte Macht nur dann ein Minimum an Dauer erreichen, wenn es verlässliche Ordnungen gab, und die Menschen wussten, woran sie sich zu halten haben. Ganz erstaunlich ist es nun vor allem auch, dass es offenkundig Rechtsgrundsätze gab, die ganz ohne Ansehen der Person ausgeübt wurden. David fragt nicht zunächst danach: Wer etwas getan hat, sondern er verurteilt nur was getan wurde, und er verurteilt es in aller Strenge.
„Der Mann, der das getan hat, ist ein Kind des Todes!“ Keinen Augenblick ahnt der König, wen er da gerade eidlich verflucht.
So spricht der Herr: Warum hast du mein Wort verachtet? Durch den Propheten hält Gott David alles vor, was er an ihm getan hat, zählt alles auf, was er ihm gegeben hat. Und dann hält er dagegen, wie David es ihm gedankt hat. Obgleich er dies alles hatte und noch mehr hätte haben können, musste er sich an etwas vergehen, was er nicht haben durfte.
Ja es ist richtig, Gott ist allmächtig und ewig und groß, und oft verstehen wir ihn nicht. Aber manchmal habe ich den Eindruck, das es Gott mit uns Menschen, was das nicht verstehen angeht, ähnlich ergeht. Gott versteht David nicht, und er sucht eine Erklärung, eine Antwort auf das bohrende Warum, und es ist fast rührend zu hören, wie er überlegt, was er noch hätte tun können. Gott ist hier der ganz typische Vater. Eltern fragen sich doch auch meist zu allererst: Was habe ich verkehrt gemacht, wo habe ich zu wenig gegeben, zu wenig geliebt, so dass mein Kind auf diese Abwege geraten konnte?
Gott versteht den Menschen nicht, und zusätzlich sieht er durch seine Allwissenheit sämtliche Folgen dieser Tat. Gott droht nicht, sondern weist nur jetzt bereits hin auf das, was geschehen wird: „Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich verachtet hast.“
Nicht Gott straft, sondern hier kommt die Überzeugung zum Ausdruck, dass die böse Tat sich selbst straft, so wie David sich ja zuvor auch selbst verflucht hat, ohne es zu merken. Das ist die Botschaft dieser tragischen Geschichte: Wer Böses tut, der legt sich selbst Dinge auf, die ihn an der Verwirklichung seines Lebens hindern, der lässt an sich selbst Dinge zu, die ihn auf Dauer zerstören, der veruntreut, was Gott ihm anvertraut hat.
Keine Tat bleibt wirklich folgenlos.
So wie in der Geschichte, die Nathan erzählt hat, kann man es an Menschen vor allem auch an sich selbst beobachten. Ja, Gier schafft es zuweilen Dinge zusammenzuraffen, und Geiz vermag sie beieinander zu halten. Aber der Geiz und die Gier zerstören auch den Menschen, der sich von ihnen beherrschen lässt. Das wird sehr schön in der Konsequenz der Geschichte deutlich, nämlich als der Besuch kommt.
Der Begriff „Besuch bekommen“ klingt für uns zunächst ein wenig banal. Wir besuchen uns selbstverständlich und hoffentlich auch oft.
Zur Zeit Davids und vor allem im Vorderen Orient ist Besuch zu bekommen etwas ganz wichtiges, und Gastfreundschaft zu üben ist eine geradezu heilige Pflicht. Besuch zu bekommen war jedes Mal ein Fest, und Feste feiert man, um Freude zu schenken. Aber nicht nur der Besucher soll sich überschwänglich freuen, sondern auch der Besuchte. Wie aber kann der sich wahrhaft freuen, wenn er das Seine nicht hergeben will und lieber einen anderen bestiehlt, um ein Essen zu bereiten. Im wahrsten Sinne des Wortes wird hier alles vergiftet, die Gastfreundschaft, die Freude, das Essen.
Ist es eine Überraschung, dass der Ehebruch, den David begangen hatte, auch alles vergiftet? David hatte sich vielleicht eingeredet, es wäre Liebe, was ihn treibt, dabei waren es nur Gier und Undank. Als er dann noch das Hindernis seiner Gier, nämlich Uria, kalt beseitigen lässt, ist das Verhängnis nicht mehr aufzuhalten. Das Böse hat Gewalt gewonnen über die handelnden Menschen und beginnt, sie zu zerstören.
Als David all das zu begreifen beginnt, als er die Lawine des Verhängnisses auf sich zurasen sieht, da wendet er sich um und spricht einen ganz einfachen Satz: „Ich habe gesündigt gegen den Herrn.“
War der Satz Nathans: „Du bist der Mann“ der eine Wendepunkt unserer Geschichte, so ist das Bekenntnis Davids: „Ich habe gesündigt“ der andere.
Staunend kann man da nur immer wieder fragen: Das soll wirklich alles sein, so ein schlichter Satz, so ein einfaches Bekenntnis?
Ja, es ist alles. Jede Hinwendung zu Gott heilt und bringt das Leben wieder zurecht. Demut heilt und Hochmut führt ins Verderben.
Aber warum dann dennoch dieses grausame, für jeden Menschen unerträgliche Ende: „Der Sohn, der dir geboren ist, wird des Todes sterben!“
Man möchte protestieren und fragt sich bestürzt: Warum trifft es am Ende das Schwächste, das gerade geborene Kind?
Man möchte Gott Vorwürfe machen und will ihn für grausam halten und fragen, warum lässt er das zu?
So berechtigt die Fragen scheinen, in ihnen erhebt sich nichts als Hochmut, getarnt im menschlichen Mitgefühl.
Wir können nicht wissen, warum das Kind stirbt, aber wir wissen, dass nur ein einziger in dieser Geschichte wirklich und eidlich ein Todesurteil verhängt hat, und das war David. Er ist der Mann, er hat das Verhängnis ausgelöst, er hat gesündigt und gemordet.
Wir mögen uns auflehnen gegen den Tod des Kindes, David tat das auch. In der Zeit der Krankheit des Kindes fastet und fleht und betet er. Als das Kind aber tot ist, da kommt kein Zorn mehr in ihm auf, denn er weiß viel zu gut, dass er und nur er der Ausgangspunkt des Verhängnisses ist, und dass er an seinem Bekenntnis und an der Hinwendung zu Gott festhalten will.
Ich habe gesündigt gegen den Herrn.
Wer selbst im tiefsten Verhängnis an dieser Hinwendung zu Gott festhält, der findet auch einen Ausweg, der findet auch einen neuen Anfang.
Wir können nicht wissen, was aus dem gestorbenen Kind geworden ist, oder warum es sterben musste, aber wir wissen, was aus der Beziehung zwischen David und Bathseba wurde. Sie wurde die Mutter des künftigen Königs Salomo, des Frieden stiftenden. Aus dieser Verbindung ging die Fortsetzung der Dynastie hervor. Bathseba wurde so auch zur Ahnfrau des Erlösers Jesus Christus.
Das alles legitimiert nun aber nicht das Tun des Königs, sondern verdeutlicht nur die Größe des Erbarmens unseres Gottes. Niemals kann David sagen, gut, dass ich so oder so gehandelt habe, denn sonst wäre ja das oder jenes nicht eingetreten. Der Mensch kann immer nur sagen: Herr ich habe gesündigt und kehre nun zu dir zurück.
So sehr erbarmt sich Gott, dass er sogar das tiefste Verhängnis zu wenden vermag, so sehr, dass er alles zum Guten führt. So unbändig, so unwandelbar ist sein Wille zum Heil. Wendet euch ihm zu, er wird auch uns erlösen.
Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
Was für gruselige Daten! Geschichte ist eine Schlangengrube, also nichts über Herrn Morgenthau oder die Schrecken der glorreichen Französischen Revolution oder abschreckende Dinge dieser Art, nur ein paar Bilder, wir brauchen eine Pause davon. Johann Georg Jacobi hat ein „Taschenbuch für die gelehrten Frauenzimmer“ herausgebracht, unterhaltsam irgendwie. Aber, und jetzt werden wir ernsthaft, John Ronald Reuel Tolkien starb am 2. September 1973. Ein Sachwalter großartig wahrer Ideen. Und wo ich gerade eines seiner Bücher zur Hand nehme, um erklären zu können, wie ich vor langer Zeit eine Karte an die Wand heftete um nachzuvollziehen, was ich gerade fiebrig las, sehe ich: Eines meiner wenigen Bücher mit einem ex libris. Ich war wohl einmal ein besserer Mensch. Die Welt, in der wir leben, erscheint so unrichtig oft, ohne Heroisches oder Wunderbares oder vermeintlich Unwirkliches, wie eine lustlos bemalte Schachtel, die nichts enthält.
Irgendwie ist also heute Herbstanfang *seufz ich weiß, da gibt es den Ozean an melancholischen Herbstgedichten, die einem all dies leichter machen sollten, aber dennoch. Außerdem bedeutet dieses Datum, nun, ein Link mag genügen. Ohne das groß zu erklären, ich konnte ein paar Bilder nachtragen, es betrifft überwiegend Sonntage (hier und hier), das Bild oben zeigt, wie 2 Eier aussehen, nachdem sie vermutlich 3 Stunden lang gekocht wurden, weil man zu sehr in Gedanken war, liegt schon ein paar Tage zurück, aber das soll hier auch nicht zu sehr ins Verbissene geraten.
Emily Dickinson: Herbst
Die Morgen werden gütiger,
Die Nüsse werden braun;
Der Beeren Wang' ist rundlicher,
Die Ros' nicht mehr zu schaun.
Der Ahorn trägt den bunten Schal,
Das Feld ein rotes Kleid.
Daß ich nicht aus der Mode komm,
Trag' ich ein Schmuckstück heut.
Gelegentlich ist die Wirklichkeit doch zu wenig respektabel, als daß wir sie ernsthaft in Erwägung ziehen könnten. / Occasionally, the so called truth is not respectable enough to warrant serious consideration.
To those who unfortunately don‘t understand German
It’s a pity German is not that known how it should be. Surprisingly some people read this blog and more surprisingly, some of them have an English tongue. But this is a German blog. I’ve tried to deal with this problem. If you are interested in German poetry there are translations listed in the column to the right above. And you can find a very kind introduction of this blog here from a gentleman who called himself “naturgesetz”.
I thought there is enough nonsense at this place without a translation tool, I can’t really recommend one, a blogger whose blog I “adore” wrote me once: “I looked at your blog: too bad the translation programs don't work well. On the other hand, they translate the German into something that sounds very poetic, even if it doesn't quite make sense.” Forgive me for stealing your words.
For all that try to use Babelfish.
And I thought by myself, why you shouldn’t give your readers a reason for a good laughter (because my English is not that good), so I guess I will make a short summary in the comment area in the future, to comment your own blog is indeed ridiculous, so enjoy it. Oh and if you like, correct me.
eine Begründung dieser Zumutung findet sich hier auch
Anmerkungen
Über "Cottage lake at night" & anderes
Sollte jemand Ansprüche auf eines der hier vorzufindenden Photos oder aus einem der zitierten Texte erheben wollen, bitte ich um eine Nachricht an