Montag, 27. August 2012

abends



Oskar Loerke

Nirwana

    Das Tal ist wie aus klarem Golde,
    Es stehn im Tale ohne Hauch
    Die Bäume schief wie Trunkenbolde
    An Seen diamantenen Lichts.

    Das Tal vergeht zu goldnem Rauch
    Und dann zu goldnem Traume
    Und dann zu goldnem Raume
    Und dann zu goldnem Nichts.



Kommentare:

Walter A. Aue hat gesagt…

Sehr interessant; ich habe den Dichter nicht gekannt. Was mich ueberrascht hat, war die Trunkenbolde Zeile. Sicher, zur Natur passte sie wahrscheinlich. Aber fuer mich wird die musikalische Ruhe der Strophe dadurch gestoert: Sie weckt den Leser auf, wenn er in Traeumerei versinken sollte.
Natuerlich, ich weiss schon, der Reim. Aber wie waer's mit etwas Oberflaechlichem aber Ruhigerem wie
"Die Baeume, der Natur im Solde," gewesen? Oder irre ich mich und es gibt auch andere Meinungen als die meinen?

MartininBroda hat gesagt…

Guten Tag. Ich versuche gerade einen 2. Teil von Gedichten aus der Anthologie auszuwählen, die ich vor geraumer Zeit einmal vorgestellt hatte. Genauer gesagt, war die Auswahl eigentlich fertig und ist dann als Entwurf weggerutscht. Dies Gedicht von Loerke gehörte zunächst dazu.

Ich halte Oskar Loerke für einen großartigen nicht nur Naturdichter und stehe damit natürlich nicht allein: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/1393930/

Erstaunlicherweise fand ich das Wort nicht störend, das Gedicht bekommt etwas leicht angespannt Psychedelisches dadurch, eine Stimmung, die sich dann durchhält, nur daß die "Klangfarbe" wechselt in der zweiten Strophe, alles verströmt sich buchstäblich ins "Nichts", aber man fügt sich als Leser in dieses Aufhören hinein.